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Fräulein Brehms Tierleben

Ehrlich: Was wissen Sie wirklich über den Regenwurm, der gerade Ihren Garten umgräbt und für den Frühling vorarbeitet? Geben Sie es zu: wenig. Um das zu ändern, gibt es charmante Nachhilfelehrerinnen wie die Schauspielerin Barbara Geiger.

Mit Schwung setzt sich ­Barbara Geiger an den Tisch, und ehe man als Interviewerin noch die erste Frage gestellt hat, weiß man schon, dass Kühe mit den Hörnern riechen können. Und außerdem könne, wer die Sprache der behörnten Damen verstehe, eine Herde von 100 ohne ein Wort zu reden von einer Weide zur nächsten lotsen. Dafür komme es nur auf den richtigen Körperkontakt an. Barbara Geiger sprudelt, lacht und spielt. Ihre Rolle ist die des Fräulein Brehm, und garantiert echt ist dabei ihre Begeisterung. Wie käme man auch sonst auf die Idee, Menschen mit Informationen über das Innenleben eines Regenwurms unterhalten zu wollen? Die deutsche Schauspielerin übt eine Form der Erwachsenenbildung aus, die man sich gerne gefallen lässt. Mit Humor, Bildern, überprüften Fakten und einer dramaturgisch schlüssigen Aufführung gewinnt man sogar den Lumbricus terrestris, wie der Regenwurm zoologisch genannt wird, lieb.

DIE ROLLE IHRES LEBENS
Wenn Fräulein Brehm doziert, beruft sie sich, nomen est omen, natürlich auf den „guten alten“ Alfred Brehm. Der hatte mit „Brehms Tierleben“ einen Klassiker der zoologischen Aufklärung geschrieben. Irgendwann fiel das Buch Barbara Geiger in die Hände, weil es in einer Kiste ihres Vaters verstaubte, und schon machte es klick. „Das tickende Glockentierchen, eine Amöbe, war das erste Tier, in das ich mich verknallte“, sagt sie. Das erste Tier, das von ihr auf die Bühne gebracht wurde, war aber der Wolf. „Ich wollte einfach aufschreiben, was mich zum Staunen bringt.“ Mindestens drei Jahre lang recherchiert Barbara Geiger bei den ExpertInnen für die jeweilige Tierart, sie liest, reist und macht Feldforschung. Um dem Wesen des Wolfs nahezukommen, sprach sie beispielsweise auch mit Schäfern, sie wollte deren Angst vor ihm zu verstehen. Sie versucht, so lange rundum und tief zu blicken, bis sie das Wichtigste über das Tier wieder einfach und in 50 Minuten sagen kann. Zoologisch „wasserdicht“ müsse das erarbeitete Stück aber schon sein, dafür garantieren ExpertInnen als GegenleserInnen. ExpertInnen können auch im fernen Afrika daheim sein. Wie im Fall der Rauchschwalben. „Eigentlich wollte ich ja nur Programme über heimische Tierarten machen, aber dabei habe ich gesehen, dass es auch da Migranten gibt, solche die zumindest zwei Heimaten haben, wie die Rauchschwalben.“

Infos zu den Programmen unter:
www.brehms-tierleben.com

 

Wilde Biene
Die Schauspielerin Barbara Geiger alias Fräulein Brehm könnte selbst als eine durchgehen, aber echt sind trotzdem nur die anderen: Die Wilden Bienen. „Ästhetisch, bunt, kriminell, melancholisch und unfassbar erstaunlich“ nennt sie die kleinen Flieger, die es allein in Deutschland in fast sechshundert Arten gibt. „Hymenoptera“ ist ihr zoologischer Name, der akademisch nüchtern verbirgt, welche eigenen Universen die Wilden Bienen bewohnen. Das gilt auch für andere fliegende Objekte der Neugier des Fräulein Brehm wie Rauchschwalben und Nachtigallen.

Der Bär
Er ist eines der beliebtesten Kuscheltiere für die Kleinsten und eines der gefürchteten Lebewesen für die Großen. Wenn wieder einmal ein Bär ein Schaf reißt, ist er seines Lebens nicht mehr sicher. Außer er verschwindet im Wald und wir wissen wieder nicht mehr über ihn. Fräulein Brehm ist ihm allerdings in seine Höhlen gefolgt, hat seine Fährte in halb Europa aufgenommen und kennt sich nun auch mit dem Liebesleben der braunen Tatze aus. Neben Bären hat sie auch den Wolf, den Luchs und die Wildkatze erforscht und ihnen ein eigenes Programm gewidmet.

Der Regenwurm
Um das Eigenleben der Regenwürmer zu studieren, hat Barbara Geiger sie auch in einem Blumentopf in ihrer Berliner Wohnung angesiedelt. Sie wurden als Verwerter von Biomüll mit Leckereien aus dem Haushalt versorgt. Bis ein versorgungsbeauftragter Nachbar sie in Abwesenheit des Fräulein Brehm zu Tode gefüttert hat. Für sie ist der Regenwurm der König der Tiere. Wer ihn nicht kennt, habe die Erde nicht verstanden. Stecken doch in einer Hand fruchtbarer Erde mehr Lebewesen, als es Menschen auf der Erde gibt. Sagt das Fräulein Brehm.

Mehr dazu finden Sie in der Printausgabe.

Erschienen in „Welt der Frauen“ 01-02/18

Fotos: Fotolia, Shutterstock, Adobestock