Was bedeutet es, die eigene Heimat verlassen zu müssen? Und wie lässt sich wieder eine innere Heimat finden? Ein Gespräch mit der Psychotherapeutin Angelika Maringer.
Sie betreuen über den Verein Hemayat Kriegsgeflüchtete und Folterüberlebende. Worunter leiden diese Menschen, die bei Ihnen Hilfe suchen?
Die Menschen sind fast alle traumatisiert. Bereits vor der Flucht tragen viele Betroffene schwere Erlebnisse in sich, auf der Flucht kommen weitere Belastungen hinzu und auch das Asylverfahren wird oft als sehr belastend erlebt. Die Angst vor Abschiebung, die Ungewissheit über den Ausgang des Verfahrens, die Trennung von Angehörigen und die Unklarheit darüber, was mit ihnen geschieht – all diese Erfahrungen hinterlassen Spuren in der Psyche und können sich in körperlichen und psychischen Beschwerden äußern. Häufig zeigen sich schwerwiegende Symptome wie Schlafstörungen, Ängste, Panikzustände, Albträume und Flashbacks – Zeichen dafür, dass professionelle medizinische und therapeutische Unterstützung nötig ist.
Wie helfen Sie Menschen, deren äußere Heimat gewaltsam zerstört wurde, wieder innere Sicherheit aufzubauen?
In der therapeutischen Arbeit geht es vor allem darum, jene innere Sicherheit wiederherzustellen. Die Betroffenen wurden nicht durch Naturkatastrophen, sondern durch andere Menschen traumatisiert. Was der Mensch einst geglaubt hat, sein gesamtes Wertesystem, wird erschüttert. Zunächst gilt es, Vertrauen aufzubauen und einen sicheren Raum herzustellen. Sobald dieser psychotherapeutische Raum geschaffen ist, beginnt man behutsam, Fragen zu stellen. Als nächster Schritt ist es wichtig, die Klient:innen zu stärken und vorhandene Ressourcen zu aktivieren.
