In der Fastenzeit machen viele von uns ihr Leben leichter. Auch Magazin-Chefredakteurin Melanie Wagenhofer fastet in diesem Jahr mit – und lässt uns drei Wochen lang an ihrer Erfahrung teilhaben.
In der ersten Fastenwoche, der Entlastungswoche, hat Magazin-Chefredakteurin Melanie Wagenhofer ebenfalls Tagebuch geführt – ihr könnt es unter diesem Link nachlesen.
FASTENTAG 8: „Juhu, ein Hoch!“
Der erste der Tag der zweiten Fastenwoche. Ich verzichte jetzt auch auf Hirse und Co. und ernähre mich von Gemüse in Form von Fastensuppen oder aus dem Ofen. Mein Frühstück besteht vorwiegend aus Apfel-Birnen-Kompott. Warmes Wasser am Morgen zu trinken, ist ein Ritual, von dem ich mir vorstellen kann, es auch danach beizubehalten. Vielleicht nicht in so großer Menge. Mir geht es sehr gut, meine Energie ist wieder voll da, sogar besser als vorher. Die Müdigkeitsphasen der letzten Tage scheinen wie weggeblasen. Mein Kopf ist klar, ich kann mich konzentrieren. Auch körperliche Arbeit fällt mir nicht schwer. Mein Kreislauf hat sich stabilisiert. Von diesem Zustand, der sich nach ein paar Tagen beim Fasten einstellen kann, haben mir Fastenerfahrene erzählt, und ich freue mich riesig darüber. Fasten tut auch der Psyche gut.
Außerdem ist jetzt der unangenehme Geschmack im Mund weg und obendrein zwei Kilo von meinem Gewicht – ein angenehmer Nebeneffekt, denn beim Fasten steht nicht der Gewichtsverlust im Zentrum. „Beim Fasten stellen wir uns nicht auf die Waage, Kalorienzählen ist kein Dogma“, meint Elisabeth Rabeder. Ich bin motiviert und denke mir: „Weiter so!“
Tipp des Tages (aus dem Buch „Fasten-Reset“)
Fastenteemischung
Birkenblätter, Löwenzahnblatt und -wurzel, Schachtelhalm, Hirschzungenkraut, Ackerstiefmütterchen
Kräuter vermengen. 1 EL der Teemischung mit 200 ml heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen. 2–3 Tassen der Fastenteemischung am Tag trinken. Insgesamt maximal 5 Tassen Tee am Tag.
FASTENTAG 9: „Ein kurzer Winterschlaf“
Heute habe ich frei und ich setze eine weitere Fastenempfehlung um: Schlafdepots auffüllen. Keine Verpflichtungen, keine Termine, den Mut haben, auch einmal bewusst eine Grenze zu ziehen, Zeit in der Natur verbringen, Ruhe genießen. Ich lasse den lieben Gott heute einmal einen guten Mann sein.
Nachdem ich die ersten Tage kaum Lust auf irgendetwas „Verbotenes“ verspürt habe, weil mir immer wieder leicht übel und ab und an flau im Magen gewesen ist, stellen sich jetzt die üblichen Begierden wieder ein. So eine Semmel zum Frühstück wäre doch gut, und der Kaffee meiner Sitznachbarin duftet mich herrlich an. „Vorfreude ist bekanntlich die größte Freude“, sage ich mir. Moment, Elisabeth Rabeder hat mir doch einen Joker mitgegeben! Ein Löffel Honig ist ausnahmsweise einmal erlaubt – zum Auffüllen der Depots bei Kreislaufinstabilität –, und Verbissenheit ist nicht erwünscht beim Fasten. Mmmmmmmhhh!
Tipp des Tages (aus dem Buch „Fasten-Reset“)
Leberwickel
Ein Leberwickel unterstützt nicht nur die Entgiftung, er wirkt auch beruhigend auf das vegetative Nervensystem und fördert einen tiefen, erholsamen Schlaf.
Bade- oder Wolltuch auf dem Bett ausbreiten, ein Handtuch zuerst der Breite, dann der Länge nach falten. Tauchen Sie den Mittelteil in warmes Wasser oder Schafgarbentee und wringen Sie es aus.
Füllen Sie eine Wärmflasche und schlagen Sie sie in das Handtuch ein. Legen Sie sich auf das Badetuch und positionieren Sie das Paket mit der Wärmflasche mit der feuchten Seite auf Ihrem rechten Oberbauch, direkt unter dem Rippenbogen. Nun wickeln Sie das Badetuch oder das Wolltuch zur Fixierung um Ihren Bauch, damit alles gut hält und die Wärme gespeichert wird. Lassen Sie den Wickel 30–45 Minuten wirken, danach ruhen Sie idealerweise 30 Minuten nach.
FASTENTAG 10: „Hilfe, ich sehe überall Essen!“
Mir knurrt der Magen ein wenig – und das schon seit gestern. Alles Essbare, das mir unter die Augen kommt, lacht mich unwiderstehlich an: das Frühstück meines Mannes im Kaffeehaus, während ich mich mit Kräutertee begnüge, das tolle Essen, das im TV-Film serviert wird. Ich habe das Gefühl, überall nur noch Essen zu sehen. Fazit: Ich tue mir leid, habe einen Durchhänger und frage mich, wozu ich mir das „antue“. Ich weiß es ja, aber die Motivation fehlt gerade. Dann erinnere ich mich daran, dass zwischendurch einmal schlechte Stimmung oder Stimmungsschwankungen eine Begleiterscheinung beim Fasten sein können, gerade wenn man sich – so wie ich – in den Wechseljahren befindet.
Ich rufe meine gleichaltrige Freundin an, die das Fastending mit mir durchzieht. Wir reden einander gut zu und dann geht es wieder inspiriert weiter. Den Kaffee hat jetzt übrigens nicht nur Schwarzer Tee, sondern auch das kalte Armbad – Kneipp lässt grüßen – abgelöst. Das wirkt wie ein Kickstart und man fühlt sich sofort frisch und munter.
Tipp des Tages (aus dem Buch „Fasten-Reset“)
Kaltes Armbad
Das kalte Armbad fördert die Durchblutung, ist stoffwechselanregend und unterstützt Ausleitung und Entgiftung. Es wirkt wie ein natürlicher Espresso und reguliert dabei sanft das vegetative Nervensystem.
Füllen Sie ein Waschbecken mit kaltem Wasser. Tauchen Sie zuerst den rechten Arm bis zur Mitte des Oberarms ein, dann den linken ebenso tief. Bewegen Sie die Arme im Wasser leicht hin und her. Atmen Sie ruhig und gleichmäßig – laut zählen hilft dabei. Nach 30 bis 40 Sekunden oder sobald ein deutliches Kältegefühl spürbar ist, nehmen Sie die Arme heraus. Trocknen Sie Ihre Arme nicht ab, sondern streifen Sie das Wasser nur sanft ab. Zur Wiedererwärmung bewegen Sie Ihre Arme locker oder ziehen Sie einen Pulli über.
FASTENTAG 11: „Buttermilch und andere Impulse“
Heute ist mir richtig kalt, nicht nur, weil es draußen ungemütlich ist. Den ganzen Tag begleitet mich ein Frösteln. Nein, ich werde nicht krank, offensichtlich hat die Fettverbrennung voll eingesetzt. Ich kaue an einem Stück Ingwer herum, das wärmt schön von innen. Das Unwohlsein durch das Frieren schlägt sich auch ein wenig auf meine Konzentration.
Ich habe zum Glück als Reserve für solche energieschwachen Momente Buttermilch im Kühlschrank. Ein Achterl löffle ich langsam und bewusst und fühle mich danach gleich viel besser. Ich glaube, auch mein Darm braucht heute einen Impuls. Ein Achtelliter Sauerkrautsaft – Superfood und Mikrobiomfutter – mit ebenso viel warmem Wasser schafft Abhilfe und reinigt obendrein. Abends zum Schlafengehen mache ich mir ein Basenfußbad, mit dem ich wunderbar entschleunigt einschlafe. Und mir ist wieder warm!
Tipp des Tages (aus dem Buch „Fasten-Reset“)
Teemischung gegen Frösteln
Ingwer, Rosmarin, Zimtrinde, Kakaoschalen, Weißdornblätter und -blüten
FASTENTAG 12: „Vorsicht, schlechte Laune!“
Vorsicht, ich habe schlechte Laune und lege jede Bemerkung meiner Umgebung auf die Waagschale! Vor dieser Begleiterscheinung des Fastens wurde ich gewarnt. Gut, darf auch einmal sein, denke ich mir, und indem ich es mir bewusst gemacht habe, relativiert sich einiges gleich wieder. So wird nicht nur der Körper, sondern auch die Seelenfenster mit gereinigt. Zum Glück zwingt mich die trockene Luft in der kalten Jahreszeit dazu, ständig Wasser zu trinken. Ich gehe, wie gesagt, sonst recht schlampig damit um, meine Flüssigkeitsdepots regelmäßig aufzufüllen.
Und da ist wieder mein ewiges Manko, das zu beseitigen auch gut für meine Schlafhygiene wäre: Ich bewege mich zu wenig und tue es immer damit ab, einfach keine Zeit dafür zu haben. Zumindest gehe ich aber konsequent jeden Tag zu Fuß zur Arbeit und wieder nach Hause, das sind wenigstens 40 Minuten. Und ich habe schon ein paar Übungen aus dem Fastenbuch gemacht. Bewegung tut auch der Laune gut.
Tipp des Tages (aus dem Buch „Fasten-Reset“)
Für diese Übungen gibt es keine Ausrede
Schüttelübung fürs Bindegewebe:
Stellen Sie sich locker hin und fangen Sie an, Ihren Körper von Kopf bis Fuß auszuschütteln. Arme, Beine, Schultern – alles darf durchbewegt werden. Die Zellen jubeln, der Geist wird klar.
Wand-Sitz:
Stellen Sie sich mit dem Rücken zur Wand, rutschen Sie langsam in die Hocke, als würden Sie auf einem Stuhl sitzen. Halten Sie diese Position für 30 Sekunden – spüren Sie die Kraft, die in Ihnen steckt. Wiederholen Sie diese Übung im Laufe des Tages immer wieder einmal.
FASTENTAG 13: „Vorfreude und Vorsätze“
Unglaublich, die Vollfastenwoche ist bald geschafft, und die Vorfreude auf meine erste Mahlzeit nach meiner Fastenreise steigt. Ich bin sicher, dass das ein besonderer Genuss wird – obwohl ich mir vorgenommen habe, nicht gleich wieder auf den Putz zu hauen, sondern Fastenrezepte auch künftig in meinen Alltag zu integrieren. Da gibt es wirklich jede Menge Schmackhaftes. So wie ich beim Fasten die Schadstoffe aus meinem Körper ausleite, versuche ich in dieser Zeit auch, meine vier Wände ein wenig zu entrümpeln. Das tut nämlich auch gut. Hat man zu viele Altlasten herumstehen, kann das auf Dauer eine Belastung sein.
Gestern Abend habe ich mir noch ein Basenbad gegönnt. Dabei wird es mir nicht mehr passieren, dass ich nichts zu trinken neben der Wanne stehen habe, denn das hat dem Kreislauf kurzfristig nicht wohlgetan. Aber danach ging es gleich ins Bett und ich habe herrlich geschlafen. Ich spüre auch, dass sich meine Haut verbessert hat und viel weniger entzündet ist.
Tipp des Tages (aus dem Buch „Fasten-Reset“)
Blitzminestrone
30 g Zwiebeln, 150 g Weißkraut (alternativ Karfiol), 100 g Karotten, 100 g Kartoffeln, 2 Knoblauchzehen, 1 EL Olivenöl, 2 EL Tomatenmark, ¾ l Gemüsesuppe, Lorbeer, Pimentkörner, Salz, Pfeffer, mediterrane Kräuter wie Oregano Basilikum, Thymian, frisches Basilikum
Zwiebeln fein würfeln, Weißkraut in Streifen, Karotten in Scheiben, Kartoffeln in Würfel schneiden, Knoblauch pressen.
Öl erhitzen, Zwiebeln und Knoblauch etwas andünsten, Tomatenmark zugeben und kurz mitdünsten. Das restliche Gemüse beifügen und etwas anrösten. Mit der Suppe aufgießen, Gewürze und Kräuter dazugeben und köcheln lassen, bis das Gemüse weich ist. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit Basilikum garnieren.
FASTENTAG 14: „Ich bin reisetauglich“
Ich habe heute einen beruflichen Termin in Wien. Das heißt, ich packe vorgekochtes Essen und eine Thermoskanne mit Fastentee ein. Zusätzlich stecke ich mir ein kleines Tütchen Salz ein, falls mein Elektrolythaushalt rebelliert. Ein wertvoller Tipp von der Fastenexpertin. Am Bahnhof kaufe ich mir noch ein Säckchen Nüsse als zusätzliche Notfallstärkung.
Nach meinem Vormittagstermin im Büro setze ich dem mitgebrachten Ofengemüse ein wenig warmes Wasser zu – beim Fasten sollte nichts zu kalt sein, egal, ob flüssig oder fest – und esse gemütlich, ehe ich weiterziehe. Ich gebe zu, bei der Heimfahrt im Zug nach Linz hat mich doch der Hunger gepackt, weil es sehr spät geworden ist. Summa summarum ist aber zu sagen, dass das Fastenprogramm auch reisetauglich ist, zumindest, wenn man nicht ständig unterwegs ist. Und heute ist der letzte Tag meiner Vollfastenwoche. Ich habe schon ins weitere Programm geschaut und festgestellt, dass zum Gemüse nach und nach wieder Getreide et cetera dazukommen wird, und freue mich darüber.
Tipp des Tages (aus dem Buch „Fasten-Reset“)
Wertvolle Würze
Edelhefe eignet sich nicht nur zum natriumarmen Würzen und Binden von Suppen und pikanten Gerichten. Reich an hochwertigem Eiweiß, Magnesium und B-Vitaminen ist sie eine Wohltat für Nerven, Stoffwechsel und Energiehaushalt. Streuen Sie sie nach dem Kochen für ein nussig-käsiges Aroma und extra Nährstoffe über Suppen und pikante Gerichte. Die enthaltenen Vitamine bleiben erhalten, wenn Sie sie mitkochen.
FASTENTAG 15: „Auf dem Weg zurück in den Alltag“
Der Gedanke an Kaffee, der nun bald wieder „erlaubt“ sein wird, erfüllt mich komischerweise gar nicht mit Lust und Vorfreude. Ich verspüre sogar eine Hemmschwelle, in den nächsten Tagen nach und nach all die Dinge wieder zu genießen, die es zwei Wochen zu meiden galt. Vielleicht ein guter Ansatz, um den Genuss künftig in Maßen zu halten. Das nehme ich mir zumindest vor. So wie ich mir auch vornehme, immer wieder einen einzelnen Fastentag einzulegen. Am Nachmittag mache ich einen Spaziergang ohne Handy. So nimmt man die Umgebung viel bewusster wahr und ist nicht auf Abruf unterwegs. Meine (Fasten)freundin macht während unserer Fastenzeit auch ihr übliches Krafttraining im Fitnessstudio weiter. Angepasst an die Fastensituation sollte das gut möglich sein, hat es geheißen.
An den ersten beiden Aufbautagen halte ich mich noch weitgehend an das „strenge“ Fastenkonzept, heute Abend pimpe ich meine Suppe mit ein wenig Reis auf. Die letzten Tage sind schon an die Substanz gegangen.
Tipp des Tages (aus dem Buch „Fasten-Reset“)
Kauen, kauen, kauen
Eine gesunde Form der Entschleunigung, die, wie ich merke, nicht nur die Nahrungsaufnahme beeinflusst. Esse ich, weil ich gerade Lust habe oder weil ich Zeit habe? Ich versuche, in mich hineinzuhören, ob ich ein Hungergefühl verspüre.
So geht es weiter
Die letzte Woche der Fastenreise ist die sogenannte „Aufbauwoche“. Wie diese für Magazin-Chefredakteurin lief und mit welchem Menü sie ihre Reise abschloss, lest ihr hier.
Über die Expertin
Elisabeth Rabeder, Leiterin des Curhauses Bad Mühllacken und seit vielen Jahren Fastenprofi sowie Fastenbegleiterin, ist es mit ihrem neuen Buch gelungen, ein alltagstaugliches Fastenprogramm vorzulegen. 21 Tage lang nimmt sie damit Fastende an der Hand und begleitet sie mit viel ansteckendem Optimismus hin zu einer nachhaltig gesünderen Lebensweise – denn genau so lang braucht es, bis sich Gewohnheiten gefestigt haben. Rabeders Programm stützt sich dabei auf die Säulen Ernährung, Wasser und Wickel, den Einsatz von Heilpflanzen, Bewegung und Lebensordnung.
Unser Buchtipp: Elisabeth Rabeder: Fasten:Reset. Deine Energie-Kur für Zuhause. Wien: Kneipp Verlag 2025, 24,95 Euro.
