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03/26

Fastentagebuch: In der Aufbauwoche wird weniger verzichtet

Fastentagebuch: In der Aufbauwoche wird weniger verzichtet
Foto: Redaktion / Canva
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  • Veröffentlicht: 11.03.2026
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In der Fastenzeit machen viele von uns ihr Leben leichter. Auch Magazin-Chefredakteurin Melanie Wagenhofer fastet in diesem Jahr mit – und lässt uns drei Wochen lang an ihrer Erfahrung teilhaben.

In der ersten Fastenwoche, der Entlastungswoche, hat Magazin-Chefredakteurin Melanie Wagenhofer ebenfalls Tagebuch geführt – ihr könnt es unter diesem Link nachlesen.

Und auch in der zweiten Fastenwoche dokumentierte sie ihre Erfahrungen mit dem Verzicht – den Beitrag dazu findet ihr hier.

FASTENTAG 16: „Ich will Schokolade!“

Das Blatt hat sich gewendet: Heute triggert mich wieder alles, was ich an Essbarem sehe, und ich würde am liebsten überall sofort abbeißen. Ein großes Glas Wasser schafft für eine Weile Abhilfe. „Die paar Tage wirst du dich doch noch zusammenreißen können“, sage ich zu mir selber. Meine Fastenfreundin ist mir heute auch keine Hilfe – sie hat ähnliche Gelüste und freut sich schon auf das Ende dieser besonderen Reise. Wir haben vereinbart, uns nach dem Fasten mit einem gemeinsamen Essen fürs Durchhalten zu belohnen. Ich spüre manchmal ein leichtes Muskelziehen, ein Ergebnis des Fastens, dagegen hilft Magnesium.

Trotzdem: Ich will jetzt ein Stück Schokolade! Zum Glück habe ich vorsorglich nichts Süßes zuhause …

Tipp des Tages (aus dem Buch „Fasten-Reset“)

Süßigkeitenersatz

Ich versuche Oximel aus dem Reformhaus, einen Süßigkeitenersatz aus der Traditionellen Europäischen Medizin, von dem ich ein wenig in heißes Wasser gebe. Schmeckt süß, hat aber auch eine leichte Säure – gar nicht schlecht!

FASTENTAG 17: „Ein besonderer Zuhörer“

Mein kleines Tief ist heute wieder vorbei. Ich bin gut ausgeschlafen aufgewacht und habe mich optimistisch an mein Tagwerk gemacht. Manchmal holen mich aber wieder kleine Tiefs ein. In solchen Momenten ist mir mein Fastentagebuch ein liebgewonnener Begleiter geworden: Danke, dass du mir ein so geduldiger Zuhörer bist! Mit allem, was mich auf dieser Reise beschäftigt, will ich meine Fastenpartnerin und die Familie nicht belästigen.

Ich verspüre auch manchmal gar keine Lust, darüber zu sprechen. Um mich zu motivieren, habe ich mir vorgenommen, immer etwas Positives zu notieren und wirklich ehrlich zu mir selbst zu sein. Das ist ein guter Abschluss für den Tag. Eine Freundin hat mir zu Weihnachten ein Drei-Minuten-Tagebuch geschenkt, das wird die Fortsetzung meines Fastentagebuchs, nehme ich mir vor.

Tipp des Tages (aus dem Buch „Fasten-Reset“)

Wer keine Lust hat, zu schreiben, kann auch etwas malen, vielleicht ein Mandala. Schreiben Sie einen Brief an sich selbst, den soll jemand aus dem Umfeld drei Tag vor Ihrem Geburtstag in den Briefkasten werfen. So kann man sich selber ein Geschenk machen.

FASTENTAG 18: „Schlückchenweise geht's voran!“

Am Morgen habe ich heute zum ersten Mal wieder Kaffee getrunken. Ich bin ganz sanft mit dem schwarzen Gold umgegangen, ganz andächtig, habe fast ein Ritual daraus gemacht, meine Lieblingstasse verwendet, mich in Ruhe hingesetzt, Schluck für Schluck getrunken und ganz bewusst die Aromen wahrgenommen.

Es hat hervorragend geschmeckt. Ich nehme als Vorsatz mit, Kaffee künftig in Maßen zu mir zu nehmen und ihn richtig zu genießen. Mein Geschmackssinn hat sich tatsächlich verfeinert. Ansonsten wird mein Essen wieder gehaltvoller, dafür sorgen Linsen, Bohnen und Co. „Nicht schon wieder Gemüse!“, klagt zuhause die Familie, als ich meinen heutigen „Menüvorschlag“ präsentiere. Ich habe versucht, sie ein wenig auf meine Fastenreise mitzunehmen. Schwierig. Dann gibt’s für die anderen halt ein Stück Fleisch oder Fisch dazu, damit es keine Klagen mehr gibt.

Tipp des Tages (aus dem Buch „Fasten-Reset“)

Linsen-Kürbis-Suppe

200 g Hokkaido-Kürbis, 80 g Zwiebeln, 1 Knoblauchzehe, 50 g Karotten, 1 EL Öl, 1 EL Tomatenmark, 1 TL Currypulver, ½ TL Paprikapulver, 80 g Linsen, 300 ml Gemüsesuppe, 1 Lorbeerblatt, Salz, Pfeffer, Petersilie, Zitronenscheiben

Kürbis in kleine Würfel schneiden, Zwiebeln und Knoblauch hacken, Karotten grob würfeln. Zwiebeln in Öl andünsten, Knoblauch zugeben und kurz anbraten. Tomatenmark, Currypulver und Paprikapulver hinzugeben und kurz anrösten. Kürbisstücke, Karotten und Linsen dazugeben. Kürbisstücke, Karotten und Linsen dazugeben, mit Gemüsebrühe aufgießen und mit Lorbeer, Salz und Pfeffer würzen. Zugedeckt circa 30 Minuten bei geringer Hitze köcheln lassen.

Die Suppe nach Geschmack grob oder sämig pürieren. Nochmals abschmecken, anrichten und mit frisch gehackter Petersilie und Zitronenscheiben garnieren.

FASTENTAG 19: „Ein Tag für mich und meine Lieben“

Heute mache ich einen Rundum-Gesundheitstag, in den ich so viele entschleunigende Dinge wie möglich einbaue. Ich fange am Morgen mit einer kleinen Meditation an und bereite in aller Ruhe mein Frühstück vor, das ich nach einem Liter warmem Wasser ganz bewusst genieße. Anschließend verordne ich mir Ölziehen. Dann mache ich es mir mit einem Buch auf der Couch gemütlich und lese, solange ich Lust dazu habe. Ich habe beschlossen, dass heute ein nachrichtenfreier Tag für mich ist, und stelle mein Handy auf leise. Anschließend wird für die nächsten Tage vorgekocht und mit der Familie gegessen.

Meine Tochter ist 23 und nicht mehr viel zuhause, ihre Anwesenheit muss bewusst genossen werden. Es folgte ein ausgiebiger gemeinsamer Spaziergang an der frischen Luft im Wald, ohne Handy, dafür begleitet von Gesprächen. Einmal richtig Zeit für mich und meine Lieben zu haben, ist kostbar und rar.  Am Nachmittag verkrieche ich mich wieder hinter meinen Buchseiten, eine Duftlampe verströmt einen wohltuenden Duft. Nach einem Peeling mit Basensalz kuschle ich mich ganz früh in meine Laken.

Tipp des Tages (aus dem Buch „Fasten-Reset“)

Ölziehen

Ölziehen pflegt und stärkt Schleimhäute, Zahnfleisch und Kiefer. Über die Zunge werden Stoffwechselrückstände und Bakterien aus dem Körper ausgeschieden, das hilft, „Verschlackungen“ zu vermindern.

Nehmen Sie morgens unmittelbar nach dem Aufstehen auf nüchternen Magen (auch kein Wasser vorab trinken) einen Esslöffel hochwertiges Öl (Sesamöl, Olivenöl, Sonnenblumenöl in hochwertiger Qualität) in den Mund. Ziehen Sie es einige Minuten lang zwischen den Zähnen durch, wälzen Sie es im Mund herum, aber gurgeln und schlucken Sie nicht. Spucken Sie das nun dünnflüssig gewordene Öl in ein Taschentuch und geben Sie es in den Restmüll. Spülen Sie Ihren Mund mit lauwarmem Wasser und spucken Sie es aus. Dann putzen Sie wie gewohnt Ihre Zähne.

FASTENTAG 20: „Ich mache ein Geständnis“

Ich gebe es zu, gestern war ein besonderer Anlass, und ich habe mir dazu Wein gegönnt. Übrigens einen hervorragenden Grauburgunder. Und ich habe beschlossen, deswegen kein schlechtes Gewissen zu haben – dafür gab es Kopf- und Bauchschmerzen, und ich bin furchtbar müde. Eine der Fastenanleitungen lautete schließlich, man soll nicht zu streng mit sich selbst sein. Wenn man einen Ausreißer hat, soll man diesen akzeptieren und dann wieder bewusster weitermachen.

Heute ist mein vorletzter Fastentag, genauer gesagt Aufbautag, und ich habe ansonsten nach wie vor keine Probleme, mich an das Konzept zu halten. Die letzten Meter schaffe ich bequem. Zum Wasser haben sich jetzt verdünnte Fruchtsäfte gesellt, die mir besonders schmackhaft erscheinen. Noch bin ich bei einer Tasse Kaffee am Morgen geblieben. Das bedeutet heute für mich, mir wohltuenden Tee und leichte Suppen zuzubereiten, mir etwas frische Luft zu gönnen und am Abend bald ins Bett zu gehen. Und zwar versöhnt mit mir selbst. Schließlich habe ich sonst auch keine „Fehltritte“ gehabt.

Tipp des Tages (aus dem Buch „Fasten-Reset“)

Beruhigt den Bauch

Kümmel, Fenchel und Anis gehören zu den sogenannten Karminativen. Ihre Hauptwirkstoffe sind ätherische Öle, die die Verdauung mild anregen, Bauchschmerzen und Krämpfe im Magen-Darm-Bereich lösen, den Darm aufgrund ihrer keimabtötenden Wirkung reinigen, Blähungen entgegenwirken und mild beruhigend wirken. Eingesetzt werden sie als Tee oder in Form einer Salbe, um den Bauch leicht zu massieren.

Die Stopptaste drücken

Es ist nicht nur in einer Zeit des Fastens wichtig, immer wieder innezuhalten. Gerade auch in meinen Berufsalltag versuche ich, regelmäßig ein paar Minuten Stille einzubauen, bewusst durchzuatmen und wieder Kraft zu tanken. In der Hektik von heute eilt man sonst von einer Aufgabe zur anderen, ohne jemals durchzuatmen. Ich versuche jetzt, zwischendurch auch einmal ein paar Minuten an die frische Luft zu gehen.

Durch das sanfte Fasten fühle ich mich insgesamt wacher und fokussierter. Das Augenmerk auf wohltuende Veränderungen meiner alltäglichen Routinen ist ein passendes zusätzliches Puzzlestück. Ich war lange Zeit gemeinsam mit Freundinnen beim Yoga und erinnere mich nun mit positiven Gefühlen daran. Dass ich keine Zeit für so etwas habe, will ich künftig nicht mehr gelten lassen. Zu den wertvollsten Ergebnissen meiner Fastenzeit zählt es, wieder richtig gut schlafen zu können – eine Kombi aus nicht belastendem Essen, ein bisschen mehr Bewegung und den richtigen Einschlafritualen. Gute Nacht!

Tipp des Tages (aus dem Buch „Fasten-Reset“)

Entgiftung über die Haut

Säuren und Gifte, die nicht über Niere, Darm und Lunge ausgeschieden werden können, versucht der Körper über die Haut loszuwerden. Sehr drüsenreiche Hautregionen nutzt der Körper als „Abflüsse“ (Achselhöhlen und Leisten). Auch Hände und Füße sind effektive Ausscheidungsorgane. Die Füße werden deshalb in der Naturkunde als unsere „zweiten Nieren“ bezeichnet.

So geht’s:

Gebürstet wird in Ausscheidungsrichtung, also zu den „Abflüssen“ hin

  • zu den Finger- und Zehenspitzen
  • zu den Achselhöhlen
  • zu den Leisten.

Am besten mit einer Naturbürste den Körper morgens vor dem Duschen bürsten.

Foto: shutterstock

FASTENTAG 22: Tagträumereien

Genüsslich löffle ich heute zum Frühstück ein weiches Ei. Den ganzen Tag denke ich darüber nach, was ich denn morgen, am ersten Tag nach meiner Fastenreise, verzehren werde: Habe ich vielleicht Lust auf ein Stück Fleisch? Eine Zeit lang bin ich mir sicher, dass es das wird. Dann tauchen plötzlich Variationen von Sushi vor meinem lüsternen inneren Auge auf. Und ich freue mich auf mein erstes Stück Schokolade, an dem ich so lange lutschen werde, bis es sich aufgelöst hat. Und wie wäre es zur Feier des Tages mit einem Glas Prosecco?

Dann bin ich aus meinen Tagträumen aufgewacht und habe mir ganz fest vorgenommen, nicht so schnell wieder in alte Muster zu verfallen, schließlich habe ich 21 Tage durchgehalten und die braucht es, um sie im Gehirn zu speichern.

Tipp des Tages (aus dem Buch „Fasten-Reset“)

Entlastungstage zwischendrin

Einzelne Entlastungstage lassen sich gut in den Alltag einbauen und tun dem gesamten Organismus gut.

Reistag: Für einen Reistag koche eine Tagesmenge von 150 g Naturreis. Auf drei Mahlzeiten aufgeteilt, kann der Reis mit einem gedünsteten Apfelkompott oder -mus süß beziehungsweise mit Gemüse pikant zubereitet werden. Reisentlastungstage sind besonders für Menschen mit einem empfindlichen Magen-Darm-Bereich und Bauchbeschwerden geeignet.

TAG 23: Ein besonderes Steak

Es ist so weit, Fastenbrechen ist angesagt. Das Objekt meiner Begierde ist zwar tatsächlich ein Steak gewesen, allerdings eines vom Karfiol und nicht vom Rind. Und es war köstlich gegrillt mit ein wenig Chimichurri und Preiselbeeren, gebettet auf feinem Erdäpfelpüree. Es folgten zwei herrliche Schokoladenkugeln, die ich mir unglaublich langsam auf der Zunge zergehen ließ. Ein kurzer Gedanke an ein Gläschen Alkohol – ich wische ihn weg und bestelle mir ein prickelndes Glas Wasser. Ich spüre noch Zurückhaltung, das sagt mir mein Körper. Es war aber auch eine Empfehlung der Fastenexpertin, es langsam anzugehen.

NACHWORT:

Wer einmal fastet, fastet immer wieder. Weil er oder sie entdeckt hat, welche Kraftquelle das auf allen Ebenen ist. Das kann ich nach diesen drei Wochen voll und ganz bestätigen. Das Nervensystem wurde heruntergefahren, Ruhepausen ganz bewusst gesetzt, der Kopf ist wieder klarer geworden. Ich spüre mich wieder mehr. Medizinisch betrachtet wurde der Autophagie-Prozess, die Zellreinigung, angeregt. Die Verdauungsorgane nutzen das Fasten, um sich zu regenerieren, der Blutdruck reguliert sich, Entzündungswerte sinken, das Immunsystem stabilisiert sich, ja, sogar der Alterungsprozess kann verlangsamt werden. Ich beschließe, zukünftig einzelne Tage oder auch einmal eine oder mehrere Wochen in meinen Alltag zu integrieren. Die Freude darüber, etwas geschafft zu haben, macht mich stolz und verleiht mir neues Selbstbewusstsein und Mut, Dinge anzugehen, die ich vielleicht schon längst hätte angehen sollen. Ich habe schon einen Termin für eine Gesundenuntersuchung bei meiner Hausärztin gemacht und will künftig mehr auf mich achten.

Eine wirklich schöne Erfahrung mit vielen Benefits!

Foto: Christina Baireder

Über die Expertin

Elisabeth Rabeder, Leiterin des Curhauses Bad Mühllacken und seit vielen Jahren Fastenprofi sowie Fastenbegleiterin, ist es mit ihrem neuen Buch gelungen, ein alltagstaugliches Fastenprogramm vorzulegen. 21 Tage lang nimmt sie damit Fastende an der Hand und begleitet sie mit viel ansteckendem Optimismus hin zu einer nachhaltig gesünderen Lebensweise – denn genau so lang braucht es, bis sich Gewohnheiten gefestigt haben. Rabeders Programm stützt sich dabei auf die Säulen Ernährung, Wasser und Wickel, den Einsatz von Heilpflanzen, Bewegung und Lebensordnung.

Unser Buchtipp: Elisabeth Rabeder: Fasten:Reset. Deine Energie-Kur für Zuhause. Wien: Kneipp Verlag 2025, 24,95 Euro.

Melanie Wagenhofer

Chefredakteurin Print und Podcast

Ein Nachrichtenjunkie vertieft sich: Nach vielen Jahren im Tagesgeschäft liebt Melanie Wagenhofer es, sich ausführlich mit dem, was Frauen bewegt, zu beschäftigen und darüber zu schreiben – vorzugsweise, wenn es dabei um Zeitgeschichte, Kultur, Reisen, Kulinarik und besondere Menschen geht. Die gebürtige Mühlviertlerin hat Deutsch und Geschichte studiert und mehrere Bücher geschrieben.

[email protected]

Foto: Barbara Aichinger


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