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18. März: Kochen für FreundInnen

Fastenbegleiterin und „Welt der Frauen“-Redakteurin Renate Stockinger begleitet Sie von Aschermittwoch bis Karsamstag durch die Fastenzeit. Ihr Impuls für Tag 17.

Würden wir unseren FreundInnen ständig mieses Essen auftischen, das ihnen nicht schmeckt und von dem sie Bauchschmerzen und Sodbrennen bekommen? Wohl eher nicht. Es wäre uns daran gelegen, dass es ihnen gut geht und sie sich bei uns wohl fühlen. Oder sie würden von sich aus bald dankend Einladungen zum Essen ablehnen. Unseren Darmbakterien gegenüber sind wir dagegen weniger aufmerksam. Die müssen nehmen, was sie kriegen und schauen, wo sie bleiben. Und überhaupt: Bakterien! Uaaaaah!

„Wir sind mit der Einstellung aufgewachsen, dass uns Bakterien krank machen“, sagt Mikrobiologin Eva Maria Hoffmann-Gombotz. Dabei seien Bakterien unsere Freunde. „Auf die müssen wir auch schauen“, so die Steirerin, die mit ihrem Unternehmen mit Sitz in der Nähe von Graz Vorträge und Workshops zu Darmgesundheit, Entspannung und betrieblicher Gesundheitsvorsorge anbietet, ein Online-Yogastudio betreibt und als Referentin unter anderem für Gesundheitsdienstleister PROGES tätig ist.

Bakterien & unser Immunsystem

Bis zu 100 Billionen Bakterien leben in einem gesunden Darm, der mit 30 bis 40 Quadratmetern das größte innere Organ ist und flächenmäßig größer als die Haut. Mehr als 1000 verschiedene Bakterienarten konnten bisher im menschlichen Darm ausfindig gemacht werden. Fleißige kleine Kerlchen: Sie verarbeiten die Nahrung und produzieren dabei lebenswichtige Vitamine und Botenstoffe für das Nerven- und Hormonsystem. „Wenn wir unsere Darmbakterien nicht füttern, können sie nicht auf uns achten“, sagt die Mikrobiologin.

Und das, zeigen Forschungen, hat nicht nur Auswirkungen auf unser Immunsystem. Es mehren sich auch Hinweise, dass eine gestörte Bakterienvielfalt im Darm Auswirkungen auf das seelische Gleichgewicht haben kann. Eine gestörte Darmflora wird darüber hinaus in Verbindung gebracht mit Blähungen, Durchfall, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa. Doch auch bei Symptomen wie Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen, Migräne oder Hautreaktionen sollte das Darmmikrobiom unter die Lupe genommen werden, rät Eva Maria Hoffmann-Gombotz.

Ernährung und Lebensstil haben einen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit, unterstreicht die Expertin: „Wenn wir unsere Darmbakterien nicht richtig versorgen, verschwinden sie entweder oder sie essen das auf, was zur Verfügung steht – und das ist der Darmschleim. So wird die Darmschleimhaut löchrig und kann unser Immunsystem nicht mehr vor Giftstoffen schützen.“ Fertigprodukte, fett- zucker- und kalorienreiche Kost und ballaststoffarme Lebensmittel begünstigten entzündliche Vorgänge im Darm.

Was also den Bakterien servieren? Wer ihnen eine Freude machen möchte, macht es wie mit anderen FreundInnen auch – man setzt ihnen eine ihrer Lieblingsspeisen vor. Im Falle unserer Darmbakterien sind das Präbiotika: eine bestimmte Sorte Pflanzenfasern – Ballaststoffe, die unser Dünndarm nicht verdauen kann, über die sich aber die im Dickdarm angesiedelten Bakterien freuen wie über ein Festmahl und mit der Zerlegung gesundheitsfördernde Effekte auslösen.

Weil man Präbiotika nicht als solche im Supermarktregal angeschrieben findet, hier eine kleine Auflistung, in welchen Lebensmitteln sie unter anderem enthalten sind:

  • Artischocken,
  • Chicorée,
  • Lauch,
  • Knoblauch
  • und Zwiebel

zum Beispiel.

Renate Stockinger FastenbegleitungIn diesem Sinne: Versuchen wir doch, unseren FreundInnen im Darm (und damit uns selbst) eine Freude zu machen und Präbiotika bewusst in unsere Ernährung einzubauen – je nachdem, wie wir es vertragen, also bitte gut auf den eigenen Körper hören und bei Krankheit oder Unklarheiten eine Ärztin oder einen Arzt beiziehen.

Ihre Renate Stockinger