Fasten ist gerade überall Thema. Aber was bewirkt der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel wirklich? Und wie können besonders Frauen vom Fasten profitieren? Ein Überblick.
Dieser Text wurde von Elke Steinmann verfasst. Sie ist Ernährungstrainerin an der PROGES-Akademie in Linz sowie Mentaltrainerin und ärztlich geprüfte Fastenleiterin.
In der Frühgeschichte der Menschheit war Verzicht auf Nahrung im Regelfall sicher nicht freiwillig. Gegessen wurde, wenn der Jäger und Sammler erfolgreich Nahrung beschafft hatte. War das Mammut aber schneller oder ein Fremder hatte Beeren und Pilze schon abgeerntet, blieb dem Steinzeitmenschen nichts anderes übrig als ohne Nahrung auszukommen. Seit dieser Zeit hat sich die Stoffwechsel-Physiologie kaum weiterentwickelt. Nach wie vor ist der Mensch dafür geschaffen, Zeiten des Mangels gut zu überstehen.
Der durchschnittliche Westeuropäer schafft durchaus 40 Tage ohne feste Nahrung. Aber vier Tage ohne Wasser schaffen die wenigsten Menschen. Vier Minuten ohne Luft bewältigt nur noch ein trainierter Apnoe-Taucher. Damit sind die Wertigkeiten deutlich. Aber was bedeutet das für das Fasten nun konkret?
Sieben Erkenntnisse über das Fasten
Fasten ist Verzicht
Und zwar im positivsten Sinne des Wortes. In der modernen, westlichen Zivilisation ist der Verzicht ziemlich unpopulär geworden. Alles – nicht nur Nahrungsmittel – ist immer und im Überfluss verfügbar und wird konsumiert. Konsum ist einfach, Verzicht ist das nicht immer. Dafür macht Verzicht stolz. Stolz auf die eigene Leistung – das macht Konsum nicht.
Fasten ist praktizierte Selbstliebe
Fasten bedeutet, in die Stille gehen und damit raus aus ununterbrochener Beschallung und Belustigung. Stille ist die Abwesenheit von Ablenkung. Sie erfordert, sich selbst auszuhalten und gibt die Möglichkeit, sich ausschließlich auf sich selbst und die eigenen Bedürfnisse zu konzentrieren. Fasten heißt, sich selbst bewusst zu werden. Es ist gelebte Achtsamkeit auf allen Ebenen des Seins.
Fasten ist Mut
Fasten verlangt, ins Tun zu kommen, aktiv zu werden und sich aus der eigenen Komfortzone hinauszubewegen, um sich selbst auf eine neue Art wahrzunehmen. Viele Menschen trauen es sich nicht zu, zu verzichten – selbst über einen doch recht überschaubaren Zeitraum. Oft haben sie aber auch mit Widerständen und Ablehnung im sozialen Umfeld zu kämpfen. Aber ich habe selbst erlebt, dass mich sehr viele Menschen aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis regelrecht bewundert haben, als ich das erste Mal für mich selbst zum Fasten ging. Das hat mich wirklich angespornt.
Fasten ist Reinigung
Eine Fastenzeit wirkt wie ein Reset für Körper, Geist und Seele. In allen großen Weltreligionen gibt es Zeiten der Enthaltsamkeit und immer soll diese Zeit der Öffnung des Geistes für das Höhere dienen. Aber auch auf körperlicher Ebene wirkt Fasten reinigend. Dadurch, dass keine Nährstoffzufuhr von außen mehr erfolgt, bekommt der Körper die Möglichkeit sich mit abgelagerten Stoffwechselrestanten auseinanderzusetzen und diese auszuscheiden. Im Gegenzug wird Spermidin gebildet, ein Stoff, der in allen lebenden Zellen vorkommt und als absoluter Jungbrunnen gilt – je jünger die Zelle, desto höher der Spermidin-Spiegel. Spermidin unterstützt die Selbstreinigung der Zellen, die Autophagie, und schützt die Telomere, die ein Marker für das biologische Zellalter sind.
Fasten ist Gesundheitsvorsorge
Ernährung ist Energieaufnahme über alle Sinne und findet in den westlichen Gesellschaften fast ununterbrochen statt. Das führt im Laufe der Jahre zu einer Überbelastung des Gesamtsystems „Mensch“. Bei jungen Frauen ist es oft die mentale Überforderung aus Mehrfachbelastung, Perfektionismus, Selbstüberforderung und Aufopferung, die den Organismus unmerklich immer mehr belastet. Ab den Wechseljahren fällt dann die monatliche Reinigung durch die Regelblutung weg. Bis dahin wurden über diesen Mechanismus gewisse Mengen an Abfallstoffen ausgeschieden und das System so einigermaßen im Gleichgewicht gehalten. Ab der Menopause steigt die Indikation für Zivilisationskrankheiten also steil an. Bei Männern ist dieser signifikante Anstieg der Erkrankungen hingegen nicht zu beobachten. Regelmäßiges Fasten kann deshalb vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Adipositas schützen und sogar das persönliche Risiko für verschiedenen Krebsarten reduzieren. Zum Abnehmen ist Fasten nur eingeschränkt sinnvoll, aber es kann zu einer dauerhaften Ernährungsumstellung führen und so langfristig helfen, das Gewicht zu regulieren.
Fasten ist vielseitig
Je nachdem, welches Ziel man mit einer Fastenzeit erreichen will, kann man zwischen verschiedenen Arten wählen. Das Saftfasten nach Buchinger, mit vier bis zehn reinen Fastentagen, ist wohl die bekannteste Art. Hierbei werden pro Tag maximal 400kcal in Form von Flüssigkeit aufgenommen. Nur das Saftfasten entspricht der offiziellen Definition des Wortes „Fasten“. Es hat auf der mentalen Ebene den stärksten Effekt und erzielt zunächst einen relativ hohen Gewichtsverlust.
Das Basenfasten zählt eigentlich zu den Diäten. Es werden für bis zu vier Wochen ausschließlich Obst und Gemüse verzehrt, was vor allem den Säure-Basen-Haushalt sehr positiv beeinflusst. Das Basenfasten kann auch an einzelnen Tagen durchgeführt werden und ist sehr gut in den persönlichen Alltag zu integrieren.
Das Intervall– oder auch Autophagiefasten kann dauerhaft praktiziert werden und gibt dem Körper regelmäßig die Gelegenheit zur Selbstreinigung. Das bedeutet, dass das Intervallfasten – regelmäßig praktiziert – wohl den dauerhaftesten, positiven Effekt auf die körperliche Gesundheit hat. Vor allem gilt, Fasten ist nicht dogmatisch, die beschriebenen Varianten können individuell auf die persönlichen Lebensumstände angepasst und immer wieder variiert werden.
Die oben genannten Formen können gesunde Menschen jederzeit durchführen, während das „Heilfasten“ eine mehrwöchige Kur unter ärztlicher Betreuung ist, mit der verschiedene Krankheitsbilder behandelt werden.
Fasten ist Minimalismus
Was braucht es nun zum Fasten? Nichts! Zumindest nichts, das man kaufen kann. Es braucht den Willen, sich auf eine neue Erfahrung einzulassen und den Wunsch, selbstständig eine aktive Gesundheitsprophylaxe zu betreiben. Wer zum ersten Mal fastet, ist sicher gut beraten, sich professionell begleiten zu lassen. Auch der Rückhalt in einer Gruppe kann helfen, durchzuhalten. Ich betreibe das Autophagiefasten seit über sieben Jahren permanent und empfehle, regelmäßig ein oder zwei Basenfastentage einzulegen. Regelmäßigkeit wirkt wie ein Training und hilft dabei, den „inneren Schweinehund“ zu überlisten.
Was Sie übers Fasten wissen sollten:
- Fasten kann jeder gesunde Mensch zwischen 16 und 70 Jahre. Wer Fastenerfahrung hat, kann auch im noch höheren Alter fasten
- Fasten wirkt, im Gegensatz zu Diäten, ganzheitlich und kann helfen, Verhaltensweisen dauerhaft zu ändern. Junge Frauen profitieren oft mehr von den mentalen Faktoren, während bei Frauen ab der Menopause der körperliche Nutzen mehr in den Vordergrund tritt.
- Zum Fasten braucht man nichts, was man nicht auch im normalen Leben nutzt – Basenpulver oder „Fastendrinks“ sind unnötig!
