Wenn die Hitze drückt, sehnt sich unser Körper nach Leichtigkeit. Ernährungswissenschaftlerin Eva Derndorfer erklärt, wie saisonale Lebensmittel dabei helfen, die heißen Tage gut zu überstehen.
Sobald die Temperaturen steigen, verändert sich auch unser Appetit. Der mächtige Eintopf, die üppige Sauce oder der deftige Braten, der uns im Winter wohlig wärmt, hat nun Sommerpause. Stattdessen gelüstet es uns nach Frischem, Leichtem, Knackigem. Das ist nicht nur ein subjektives Empfinden, sondern ein cleverer Impuls unseres Körpers. Denn wer an heißen Tagen auf kühlende Lebensmittel setzt, unterstützt den eigenen Organismus dabei, besser mit der Hitze umzugehen. Doch was kühlt eigentlich – und was heizt ungewollt an? Und wie lässt sich dieses Wissen in köstliche, saisonale Gerichte verwandeln?
Innere Klimaanlage
Unser Körper versucht, seine Temperatur konstant bei rund 37 Grad zu halten – unabhängig davon, ob draußen 10 oder 35 Grad sind. An heißen Tagen bedeutet das freilich Schwerstarbeit für den Kreislauf. Was wir essen, kann diesen Prozess entweder unterstützen oder erschweren. Während fettige und stark gewürzte Speisen die innere Hitze anheizen, können wasserreiche, leicht verdauliche Lebensmittel kühlen und entlasten. Auch die Zubereitungsart spielt eine Rolle: Rohkost, gedämpftes Gemüse, kalte Suppen oder lauwarme Speisen werden vom Körper bei Hitze besser toleriert als Gebratenes, Frittiertes oder Überbackenes.
Die kühlende Kraft der Natur
Kühlende Lebensmittel sind in der Regel jene mit hohem Wassergehalt, geringem Fettanteil und einer insgesamt leichten Verdaulichkeit. Dazu zählen etwa Gurke, Melone, Tomate, Zucchini, Blattsalate, Joghurt oder Buttermilch. Sie liefern nicht nur Flüssigkeit, sondern belasten den Organismus auch nicht zusätzlich, was bei Hitze besonders wichtig ist. Auch Kräuter wie Minze, Zitronenmelisse, Basilikum oder Koriander gelten laut traditioneller Ernährungslehre – etwa in der TCM oder Ayurveda – als kühlend. Doch was ist wirklich dran?
Ernährungswissenschaftlerin Dr. Eva Derndorfer klärt auf: „Tatsächlich ist die kühlende Wirkung mancher Lebensmittel nur ein subjektives Empfinden. Unser Körper hat kein Thermometer, das Temperatur objektiv misst. Stattdessen reagieren bestimmte Sinneszellen auf Kälte, aber auch auf Stoffe wie Menthol, das zum Beispiel in Minze enthalten ist. Deshalb empfinden wir Minze als erfrischend, obwohl sie unsere Körpertemperatur nicht wirklich senkt.“
10 kühlende Lebensmittel
- Gurke: Wasserreich, kalorienarm und herrlich erfrischend – roh oder im Joghurt.
- Melone: Der Sommerklassiker schlechthin: hydratisierend, süß und leicht.
- Joghurt: Naturjoghurt kühlt von innen und ist gut für die Darmflora.
- Buttermilch: Traditionelles Hausmittel bei Hitze – mineralstoffreich und magenfreundlich.
- Minze: Die ätherischen Öle wirken kühlend – als Tee, im Wasser oder als Würze.
- Zucchini: Gedünstet oder roh – vielseitig einsetzbar und leicht verdaulich.
- Tomaten: Reich an Wasser, Vitaminen und Geschmack – perfekt als Salat oder Suppe.
- Blattsalate: Knackige Begleiter mit kühlender Wirkung – vor allem mit Essig-Öl-Dressing.
- Zitronen: Sauer macht nicht nur lustig, sondern auch frisch – im Wasser oder als Würze.
- Beeren: Ob Heidel-, Him- oder Brombeeren – sie liefern Frische, Antioxidantien und wenig Zucker.
Spannend ist auch die Wirkung von scharfen Gewürzen wie Chili, Ingwer oder Cayennepfeffer: Sie wirken zwar zunächst erhitzend, sorgen aber für eine stärkere Schweißbildung, wodurch der Körper sich selbst aktiv herunterkühlt – ein Effekt, den Menschen in tropischen Regionen seit jeher nutzen. Durch die Verdunstung des Schweißes auf der Haut sinkt die Körpertemperatur ganz natürlich. Allerdings gilt: Nicht jeder verträgt Schärfe gleich gut. Menschen mit empfindlichem Magen, niedrigem Blutdruck oder Kreislaufschwäche sollten bei scharfen Speisen eher vorsichtig sein – denn was den einen kühlt, kann den anderen zusätzlich belasten.
Schnell, frisch, unkompliziert
„Salate, Wraps, Pesto aus frischen Kräutern – gerade im Sommer ist das einfach, weil so viele frische Zutaten verfügbar sind“, sagt Dr. Derndorfer. Besonders praktisch: Viele Gerichte lassen sich gut vorbereiten oder sogar unterwegs genießen. „Zum Beispiel ein Wassermelonen-Feta-Salat, optional mit etwas Minze – das lässt sich auch im Büro in der Mittagspause zubereiten. Auch Couscous- oder Puntalettesalat mit Gemüse, Nüssen und Kräutern sind ideal. Lauwarme, dampfgegarte Karfiol- oder Brokkoliröschen, mariniert mit Zitronensaft, Olivenöl, Kapern und Parmesanspänen gehen schnell und schmecken super.“
Ein weiteres Lieblingsrezept aus Derndorfers Sommerküche: Frühlingsrollen, die sich ganz nach Vorlieben befüllen lassen – „da können auch Kinder schon mithelfen“. Oder dünne Crêpes aus Vollkornmehl, gefüllt mit Himbeeren – simpel, fruchtig, sommerlich.
Warm trinken – kalt bleiben?
Doch nicht nur das, was auf dem Teller liegt, macht den Unterschied – auch das, was ins Glas kommt, spielt eine entscheidende Rolle. Denn wer an heißen Tagen zu leichten, kühlenden Speisen greift, sollte ebenso auf die passende Flüssigkeitszufuhr achten. Flüssigkeit ist ein zentraler Faktor, um den Körper von innen angenehm zu temperieren – vorausgesetzt, man trinkt richtig. Der Griff zum eisgekühlten Getränk erscheint dabei naheliegend, sorgt aber oft nur für einen kurzen Frischekick. „Eiskalte Getränke signalisieren dem Körper, sich wieder aufwärmen zu müssen – was im Sommer nicht zielführend ist“, sagt Dr. Derndorfer und empfiehlt Getränke in Zimmertemperatur.
Ideal sind ungesüßte Kräutertees mit natürlicher kühlender Wirkung – wie Minze, Zitronenverbene oder Melisse. Auch Wasser mit Zitronenscheiben, Gurke oder Ingwer schmeckt erfrischend, ohne den Organismus zu belasten. Regelmäßiges Trinken in kleinen Mengen hilft, die Körpertemperatur stabil zu halten – besser als das hastige Leeren ganzer Wasserflaschen in der größten Mittagshitze.
Genießen mit allen Sinnen
Wichtig ist: Die perfekte Sommerküche ist mehr als nur die Summe ihrer Zutaten – sie ist ein Gefühl, das von Farben, Düften und Geschmäckern lebt. Sie lädt ein, kreativ zu werden, saisonal einzukaufen und das einfache Glück zu genießen, das uns eine erfrischende Suppe oder ein bunter Salat schenken können. Dabei unterstützt die richtige Auswahl an Lebensmitteln unseren Organismus darin, sich selbst zu regulieren, die innere Balance zu finden und so die Sommerhitze besser zu ertragen.
Nicht zuletzt zeigt uns die Erfahrung: Es muss nicht kompliziert sein, um köstlich und gesund zu sein. Wenige frische Zutaten, die miteinander harmonieren, genügen, um sommerliche Leichtigkeit auf den Teller zu zaubern. So wird jeder Bissen zum kleinen Fest – und der Sommer zu einem kulinarischen Erlebnis, das Körper und Seele erfrischt.
Also, genießen Sie den Sommer mit allen Sinnen – mit Speisen, die kühlen, mit Getränken, die erfrischen, und mit einer Lust am Leichten, die auch der heißen Jahreszeit schmeichelt. Denn gerade jetzt gilt: So schmeckt der Sommer!
Rezepte
Ein gutes Sommergericht sollte erfrischend, leicht verdaulich und schnell zubereitet sein – denn wer steht schon gern stundenlang in der heißen Küche? Daher haben wir für Sie drei einfache Lieblingsrezepte für Sie ausprobiert, die garantiert Abkühlung bringen.
Melonen-Gazpacho mit Minze
Zutaten für 4 Personen:
1 kleine Wassermelone (ca. 1 kg, entkernt und gewürfelt)
1 Salatgurke (geschält und gewürfelt)
1 roter Paprika (entkernt und gewürfelt)
1 Scheibe Weißbrot (entrindet, gewürfelt und kurz in Wasser eingeweicht)
3 EL Olivenöl
Saft von einer Limette
1 EL weißer Balsamico
4 Blätter frische Minze
Salz, Pfeffer
2 Knoblauchzehen (fein gehackt)
Minzblätter zum Garnieren
Zubereitung: Melone, Gurke, Paprika und Weißbrot gemeinsam mit Olivenöl, Limettensaft, Balsamico, Minze und Gewürzen in einen Mixer geben. Fein pürieren, dann erst den Knoblauch zugeben, kalt stellen und gut durchziehen lassen. Vor dem Servieren mit Minzblättern garnieren.
Gurken-Buttermilch-Suppe mit Dill
Zutaten für 4 Personen:
2 Salatgurken (geschält, geraspelt)
400 ml Buttermilch
200 g Naturjoghurt
1 Knoblauchzehe (fein gehckt)
2 EL frischer Dill (fein gehackt)
Saft von einer Zitrone
Salz, Pfeffer
4 EL Joghurt und frischer Dill zum Garnieren
Zubereitung: Gurke mit Buttermilch und Joghurt pürieren. Mit Knoblauch, Dill, Zitronensaft, Salz und Pfeffer würzen. In dekorative Gläser füllen und mit einem Klecks Joghurt und frischem Dill servieren.
Zitroniger Hirse-Zucchini-Salat mit Feta
Zutaten für 4 Personen (als Beilage):
200 g Hirse
1 Zucchini (gewürfelt)
Saft und Abrieb von einer Bio-Zitrone
3 EL Olivenöl
1 Handvoll Minzblätter
Salz, Pfeffer
einige Fetawürfel zum Garnieren
Zubereitung: Hirse nach Packungsanweisung garen und abkühlen lassen. Zucchini kurz in einer Pfanne mit etwas Öl anbraten – sie soll noch Biss haben. Mit der Hirse mischen, Zitronensaft, -abrieb, Olivenöl und gehackte Minze unterheben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und vor dem Servieren durchziehen lassen. Wer mag, toppt den Salat mit Fetakäse.
