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Es bleibt alles ganz anders!

Ich schreibe seit gestern an meinem Geburtsplan. Ein mehrseitiges Dokument voller Wünsche, Träume und voller konkreter Bitten an mein Geburtsteam, bestehend aus Hebamme, Arzt und Ehemann. Vor Michaels Geburt habe mir zwar viele Gedanken gemacht, aber keinen konkreten Geburtsplan erstellt. Zu klar, so dachte ich, wären alle Wünsche, Zusammenhänge und Vorstellungen und zu vieles logisch oder gar selbstverständlich. Einiges war gut letztes Mal, einiges hätte ich gerne anders erlebt. Es ist ein schöner, klärender Prozess diese Liste zu erstellen, die ein wenig wie ein zu lang geratenes, sperriges Kochrezept anmutet. Highlight war für mich noch einmal viele Details mit meinem Mann revuepassieren zu lassen. Unsere Erinnerungen klaffen an mancher Stelle weit auseinander und haben uns auch so manches Schmunzeln entlockt. Die größte Neuerung dieses Mal ist für mich das Einbeziehen einer eigenen Beleghebamme. Aus meiner Sicht war die Zufallshebamme letztes Mal der Punkt, der mich im Nachhinein am meisten gestört hat und während des Geburtsvorgangs die negativsten Gefühle ausgelöst hat. Ich habe mich nicht ernst genommen gefühlt, die Hebamme war kühl, abweisend und wirkte auf mich sehr unsicher. Sie gab mir das Gefühl hysterisch zu sein, als ich nach zwei unglaublich aufreibenden Tagen mit regelmäßigen, aber nicht muttermundwirksamen Vorwehen, zum dritten Mal vorstellig wurde, weil ich nicht mehr konnte und weil ich einen Blasensprung hatte. Ich hatte so gehofft dann noch eine andere Hebamme zu bekommen, aber leider war genau sie mir zugeteilt und auch den Mini-Kreissaal in meiner Anti-Farbe Orange, der einem ungemütlichen Durchzugszimmer glich, musste ich nehmen, weil der schönere, lila ausgemalte repräsentative Kreissaal schon seit wenigen Minuten belegt war. Vielleicht Luxusprobleme, vielleicht Prinzessin-auf-der-Erbse-Syndrom, aber jedenfalls dieses Mal Grund genug eine weitere Vertrauensperson an meiner Seite haben zu wollen, die meine Wünsche und Bedürfnisse von Anfang an ernst nimmt. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt – wer weiß, was die Geburt dieses Mal für Überraschungen für mich bereit hält!

Susi Nagele-Krautgartner

wurde 1982 geboren und lebt mit Mann und Sohn in München. Die promovierte Kunstpädagogin und Künstlerin realisiert Kunst- und Kunstvermittlungsprojekte verschiedener Sparten im In- und Ausland. Dafür wurde die gebürtige Innviertlerin bereits mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Themen wie Gleichstellung, Gender und deren lebenspraktische Umsetzung beschäftigen sie in all ihren Texten und Bildern. Der Blog ist die Fortsetzung von “Susis Babyzeit” (2014-2016). www.susikrautgartner.com