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04-05/2026

80 Jahre „Welt der Frauen“: Die erste Cover-Frau im Porträt

80 Jahre „Welt der Frauen“: Die erste Cover-Frau im Porträt
Foto: Robert Maybach
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  • Veröffentlicht: 03.05.2026
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Elisabeth-Maria Ploier-Niederschick war nicht nur auf dem ersten Cover von „Welt der Frau“ im Jahr 1964. Sie – und ihre vier Töchter – lieferten auch immer wieder Stoff für Geschichten.

Bei einer Tasse Kaffee und selbst gebackenen Keksen erzählt Elisabeth-Maria Ploier-Niederschick von der Zeit, in der sie auf dem Cover der damaligen „Welt der Frau“ zu sehen war. Es war die erste Ausgabe unter diesem Namen und auch die erste mit einem Foto auf der Titelseite. Darauf: Ploier-Niederschick und ihre Tochter Hemma, damals ein Kleinkind, beide mit einem Stubenwagen, einmal in Groß, einmal in Klein. „Die Hemma hat den Stubenwagen ihrer neugeborenen Schwester geschoben, und plötzlich ist er umgefallen!“ Ein Schock! Bis die junge Mutter feststellte, dass Hemma das Baby davor eigenhändig herausgehoben und auf den Tisch gelegt hatte. „Da habe ich beschlossen, sie braucht ein eigenes Wagerl, damit die Kleine eine Ruhe hat“, sagt Ploier-Niederschick. Die Erinnerung bringt sie zum Lachen.  

„Ich war sehr gut bekannt mit der damaligen Chefredakteurin Friederike Lenzeder“, erzählt die heute 91-Jährige. „Sie hat mich immer wieder angerufen und gefragt: ,Was tut sich? Was gibt es Neues?‘“ Sie wollte herausfinden, was die Frauen draußen umtrieb. „Was mich beschäftigte, war ein Indikator dafür, was alle Frauen beschäftigte.“ Bei Ploier-Niederschick war das zu dieser Zeit vor allem ihr Leben als Mutter. Innerhalb von sieben Jahren kamen ihre vier Töchter zur Welt: Hemma, das Mädchen auf dem Coverbild, Maria, das Baby im Stubenwagen, gefolgt von Johanna, die später in den 2000er-Jahren Herausgeberin von „Welt der Frau“ werden sollte, und Veronika, der Jüngsten.  

Das Viermäderlhaus 

Ihre Kinder hielten sie ordentlich auf Trab. Lackierten sich die Ploier-Mädchen die Fingernägel blau, löste das beim Besuch der Verwandtschaft in Tirol einen kleinen Skandal aus  und einen Beitrag in „Welt der Frau“ darüber, wie viel modische Freiheit man jungen Mädchen geben sollte. Auch der Besuch eines Balls führte zu einer ausführlichen Berichterstattung im Magazin. „Wir waren auf diesem Tanzfest in Wels, und auf einmal habe ich die Mädchen aus den Augen verloren“, erinnert sich Ploier-Niederschick. „Ich habe sie auf der Galerie gesucht und sah lauter Pärchen, die geschmust haben! Sofort bin ich wieder hinunter, habe alle eingesammelt und gesagt: ‚So! Wir fahren jetzt heim!‘“ Sie erzählte Redakteurin Friederike Lenzeder davon. „Es ist dann ein langer Beitrag in der ‚Welt der Frau‘ dazu erschienen. Wir haben alle gehofft, dass man uns im Text nicht wiedererkennt, die Familie Ploier.“ 

Foto: Robert Maybach

Ein Name, der in Puchberg, wo die Familie damals wohnte, bekannt war. Nicht nur der vier Töchter wegen, sondern vor allem wegen Ploier-Niederschicks Mann Eduard. „Er war sehr präsent in der Öffentlichkeit, hatte viele Ämter und Funktionen.“ Eduard Ploier leitete unter anderem die Katholische Aktion Oberösterreich und gehörte zu den Gründern des Österreichischen Entwicklungsdienstes. Außerdem leitete er das Bildungshaus Schloss Puchberg.  

Familienkonferenz 

Die Nähe zum Bildungshaus brachte viele neue Themen zu ihr. So auch die Idee der „Gordon-Familienkonferenzen“, einem Konzept des US-amerikanischen Psychologen Thomas Gordon, das vorsieht, dass alle Familienmitglieder regelmäßig zusammenkommen, um Konflikte zu lösen. „Die Tatsache, dass man in einer Familie Dinge wie Taschengeld und Ausgehzeiten verhandelt, war damals völlig neu.“ Die Ploier-Niederschicks nahmen diese Konferenzen ernst, führten sogar Protokoll und schauten bei der nächsten Sitzung, was funktioniert hatte. „Das war ein großer Unterschied zu meiner Herkunftsfamilie“, sagt Ploier-Niederschick. 

Die Umstände, unter denen sie selbst aufwuchs, waren schwierig. Im Krieg geboren, erlebte sie eine Kindheit im ländlichen Tirol, in der es zwar Geborgenheit gab, aber wenig Spielraum. Schon gar nicht für Mädchen. Ihre beiden Brüder bekamen die Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen, für sie reichte dann das Geld nicht. Ploier-Niederschick half im Haus und am Hof, lernte von der Mutter nähen, half dem Vater bei der Buchführung. „Das war aber nicht außergewöhnlich“, sagt sie. „Es ist allen Mädchen so gegangen.“ 

Foto: Robert Maybach
Foto: Robert Maybach

Als sie 16 Jahre alt war, fragte der Pfarrer, ob Elisabeth-Maria zu einem Jugendkurs gehen dürfe. Die Eltern erlaubten es. Von da an engagierte Ploier-Niederschick sich in der Katholischen Jugend und hatte bald ihre eigene Gruppe – erst in der Pfarre, dann im Tal und schließlich in der Diözese. „Ich wusste auch nicht, wie man Gruppen leitet oder Referentinnen vorstellt, ich habe es einfach gemacht.“ Als sie die Option hatte, sich für fünf Jahre als hauptamtliche Mitarbeiterin der Diözese zu verpflichten, lernte sie ihren Mann kennen – und stand vor der Wahl: arbeiten oder heiraten. „Beides wäre damals nicht üblich gewesen.“ So hätte es zu dieser Zeit, Jahre vor der Familienrechtsreform, sogar die Zustimmung des Ehemannes gebraucht, wollte eine verheiratete Frau arbeiten gehen. Sie entschied sich für die Heirat, verließ Tirol und zog mit ihrem Mann nach Puchberg. 

Das Leben verändert sich 

Dort übernahm sie eine Frauenrunde und leitete bald Kurse im Bildungshaus „zu allen möglichen Themen, von denen ich halt dachte, sie sind wichtig für die Frauen“. Die Themen wuchsen mit ihr mit. So organisierte sie, als sie in ihren 50ern war, ein Seminar für „Frauen ab der Lebensmitte“, zu dem sie eine Ärztin und eine Psychologin einlud, um über die Wechseljahre zu sprechen. Als ihr Mann Eduard mit gerade einmal 67 Jahren starb, entwickelte sie ein Seminar mit dem Titel „Wieder allein: Frauen nach dem Tod des Partners“. Eine Erfahrung, die sie sehr berührte. „Da waren auch viele junge Frauen. Man sah, wie sie im Lauf des Seminars merkten, dass sie nicht allein mit ihrem Schmerz waren.“  

Mehr als 60 Jahre ist es her, dass Ploier-Niederschick auf dem Cover von „Welt der Frau“ war. Das Leben, sagt sie, habe sich seither für Frauen sehr verändert. Die jungen Generationen beneidet sie aber nicht. „Ich habe das Gefühl, dass sie es nicht unbedingt einfacher haben“, sagt sie. Heute lebt sie in einem gemütlichen Reihenhaus in Wels, das voller Erinnerungen steckt – an ihre vier Töchter, die vier Enkelkinder, an viele Reisen, an schöne und schwierige Zeiten. „Ich bin dankbar für alles“, sagt sie, bleibt optimistisch und plädiert dafür, das anzunehmen, was kommt. Im Keller hat sie in Kisten alle Ausgaben von „Welt der Frau(en)“ aufbewahrt, darunter auch jene, auf der sie als junge Frau zu sehen ist. „Ich kann sie einfach nicht wegwerfen“, sagt sie und lacht.  

Ursel Nendzig

Chefin vom Dienst

Ist seit vielen Jahren als Redakteurin und Autorin unterwegs. Dafür ist es meist gar nicht nötig, weit zu reisen – die berührendsten, spannendsten und wichtigsten Geschichten spielen sich direkt vor ihrer Nase ab. Überall dort, wo es menschelt, fühlt sie sich wohl und Themen rund um Gesellschaft, Frauen und Feminismus liegen ihr besonders am Herzen. Geboren (Schwäbische Alb, Süddeutschland) und Aufgewachsen (Wienerwald) im kleinen Dorf lebt und schreibt sie heute mit ihrer Familie in einem kleinen Häuschen am Rande der großen Stadt.

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Foto: Barbara Aichinger


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