Print-Chefredakteurin Melanie Wagenhofer blickt auf Begegnungen mit VALIE EXPORT zurück, die sie mehrmals getroffen hatte.
Ich habe aus einem traurigen Anlass in meinen Erinnerungen gekramt. Als langjährige Kulturjournalistin begegnet man vielen bekannten Persönlichkeiten. Einige davon hinterlassen einen besonderen, einen tiefen Eindruck. So ist es mir mit der kürzlich im Alter von 85 Jahren verstorbenen international renommierten Künstlerin und Feministin VALIE EXPORT gegangen.
Ich durfte die als Waltraud Lehner in Linz Geborene mehrmals persönlich treffen. Darunter 2023 bei der Präsentation der von ihr mit „Flügeln“ versehenen Orgel in der Linzer Pöstlingbergkirche. Als Kind sei sie mit ihrer Mutter und ihren Schwestern regelmäßig mit der Bahn auf den Linzer Hausberg gefahren oder zu Fuß hinaufgegangen, um Messen zu besuchen, erzählte sie damals. Dass die Wallfahrtskirche einer Frau, nämlich, Maria gewidmet ist, berühre sie und bringe ihr die Kirche noch näher.
Notwendige Provokation
Und dann haben wir noch sehr persönliche Erinnerungen geteilt, nämlich an jene Wohnung in der Linzer Wurmstraße, in der sie aufgewachsen ist und die ich später mit meiner kleinen Tochter und meinem Mann bewohnt habe. Eine Gemeinsamkeit, die wir beide staunend und lachend beim Interview feststellten, das ich mit der Ikone des Feminismus und Pionierin der Medienkunst anlässlich ihres 80. Geburtstages führen durfte. Ich konnte ihr auf ihre Nachfrage berichten, dass die beiden wunderschönen alten Kachelöfen noch immer an ihrem Platz stehen.
Ihre aufsehenerregenden und Tabus brechenden Performances – das legendäre Tapp- und Tastkino aus 1968 – lagen damals schon lange Lebenszeit hinter ihr. Was sie im fortgeschrittenen Alter zu sagen hatte, zeigt, dass sie ihrer Haltung stets treu geblieben ist, wie sie mit aller Entschiedenheit betonte: „Provokation ist notwendig, damit es ein Gespräch ist!“ VALIE EXPORT wird mit ihrer Kunst und ihrem Einsatz für die Rechte der Frauen bestimmt im Gespräch bleiben.