Elke Heidenreich hat mit 80 ein Buch über das Alter geschrieben. Warum die Autorin, Literaturkritikerin und Moderatorin mit den Wendungen ihres Lebens heute versöhnt ist.
Es gab ihn, diesen einen, maßgeblichen Wendepunkt in ihrem Leben: als Elke Heidenreich 15 Jahre alt war und beschloss, ihr Elternhaus zu verlassen, wegzugehen, für immer. „Weil ich gemerkt habe, es tut mir nicht gut, mein Leben kommt auf eine Spur, die ich nicht will“, sagt sie. Von einer Familie, die sie kannte, wurde sie als Pflegekind aufgenommen. „Das war der Wendepunkt für mein ganzes Leben.“ Die neue Familie förderte sie, ließ sie Klavier spielen, Literatur entdecken, lernen.
Es war die größte Wende, eine Vorher-Nachher-Markierung in ihrem Leben, doch nicht die einzige. „Trennungen, Scheidungen, das Ende großer Lieben – das sind alles Dinge, die uns verändern. Und die, glaube ich, fast jeder Mensch kennt.“
Ein Buch übers Altern
Und, so scheint es, man ist nie zu alt für Veränderung. Mit 80 Jahren hat Elke Heidenreich ein Buch über das Alter geschrieben. Ein Buch, das sie eigentlich gar nicht schreiben wollte. „Als die Anfrage vom Verlag kam, habe ich sofort gesagt, das ist langweilig, über das Alter will ich nicht schreiben.“ Sie hatte das Buch abgelehnt – und dann doch gefunden, man könnte zumindest einmal darüber nachdenken. „Immerhin war ich zu dem Zeitpunkt gerade 80 geworden, also war ich ja eigentlich alt.“ Und so dachte sie nach: darüber, was sie denn über ihr Leben schreiben könnte. „Und dann hatte ich die Idee für den Anfang des Buches – zuerst alles aus meinem Leben aufzuzählen, was schiefgegangen ist, und dann alles, was schön war.“
