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Elisabeth

Ein Name wie ein Gedicht, am 13. September um 18:14 Uhr auf die Welt gekommen wie eine sanfte Brise nach einer wirklich aufregenden, bis zuletzt aufreibenden Geburt. Sie war so stark, so bei sich und einfach wunderschön. Unsere erste Begegnung? Der Himmel auf Erden – kein Quäntchen weniger.
Mein krisenfester, geburtenerprobter Ehemann und meine erfahrene, starke und kompromisslose Hebamme Nelly standen mir wie die sprichwörtlichen Felsen in der Brandung zu Seite. Mein Mann war weit mehr als nur der Händchenhalter. Wie ein Löwe hat er uns beschützt, mitgeholfen und gleichzeitig versucht mir die Geburt so angenehm wie möglich zu machen. Nelly war es, die mich durch den gesamten Geburtsprozess im wahrsten Sinne getragen hat, die es geschafft hat, dass ich notorische Zweiflerin ihr voll und ganz vertraut habe, obwohl ich im Vorfeld immer wieder mit der Angst zu kämpfen hatte. Sie war es auch, die wie eine sanfte aber bestimmte Dirigentin einen Widerstand nach dem anderen aus dem Weg geräumt hat, damit unsere Tochter trotz einer Reihe von Erschwernissen, wie zum Beispiel die Sterngucker-Lage oder meine Wehenschwäche, entspannt, sicher und ohne Kaiserschnitt zur Welt kommen durfte. So dankbar bin ich, dass ich mir dieses Mal eine so erfahrene und weitblickende Beleghebamme gesucht habe – es ist relativ klar, dass ich in einem anderen Setting mit einer Zufallshebamme, die drei Geburten gleichzeitig betreuen muss aufgrund der schlechten Personallage allerorts, nicht so große Chancen für so einen guten Ausgang gehabt hätte. Es ist eine Schande für unsere Gesellschaft, dass die allerwertvollsten Berufe wie Hebamme, Krankenschwester und Altenpfleger so gering geschätzt werden und systematisch durch extrem erschwerte Arbeitsbedingungen ausgehungert werden!

Gerade liegt das kleine, flauschige Binkerl auf meinem nunmehr leeren, weichen Mamabauch, während ich im Schaukelstuhl mit Blick in den Garten eine sehr angenehme Position zum Schreiben gefunden habe. Noch immer bin ich berauscht und benebelt von dem epochalen und aufwühlenden Ereignis, aber langsam stellt sich trotzdem eine Art gemütlicher Alltag ein, und wir gewöhnen uns alle aneinander, auch dank der liebevollen Nachbetreuung von Lydia. Ich muss wirklich sagen, schon jetzt möchte ich keinen Moment mehr mit unserer kleinen, zuckersüßen, flauschigen Honigbiene mehr missen – auch Michael hat seine Elisabeth schon sehr liebgewonnen. Wir leben momentan in einer kuscheligen, verzauberten Märchenbucht – mit etwas Wehmut hoffe ich, dass diese Zeit niemals vorübergeht.

Susi Nagele-Krautgartner

wurde 1982 geboren und lebt mit Mann und Sohn in München. Die promovierte Kunstpädagogin und Künstlerin realisiert Kunst- und Kunstvermittlungsprojekte verschiedener Sparten im In- und Ausland. Dafür wurde die gebürtige Innviertlerin bereits mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Themen wie Gleichstellung, Gender und deren lebenspraktische Umsetzung beschäftigen sie in all ihren Texten und Bildern. Der Blog ist die Fortsetzung von “Susis Babyzeit” (2014-2016). www.susikrautgartner.com