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Ein echtes Kindergartenkind

Das Bild von meinem kleinen, hibbeligen Goldschatz, der mit leuchtenden Augen und einer gehörigen Portion Vorfreude und Neugierde einmal noch für seine Fotomutti vor der Kindergartentüre posiert werde ich wohl nie vergessen. Herzlich willkommen wurden wir in der „Rabbit-Gruppe“ des neuen Kindergartens und schnurstracks suchte sich mein Engel den schnellsten Weg zu den anderen Kindern – ausgestattet mit neuen Hausschuhen, einem besonders süßen, selbstgenähtem Shirt mit Maulwurf-Motiv und erstmals in seinem Leben sogar mit Haarschaum in der selbstgeschnittenen Mähne. Vor dem Spiegel daheim hat mein zuckersüßer, wunderbarer Sohn noch darauf bestanden vor dem großen Spiegel mit Papas Kamm die Frisur nachzujustieren. Ich hätte ihn alleine für die Ernsthaftigkeit, mit der er seine Bubenfrisur kritisch beäugte, so fest drücken und knuddeln können, ganz warm wurde mir ums Herz.

In der Gruppe wurde mir ein ziemlich bequemer Hocker zugewiesen, den ich mit meinem Riesenkugelbauch nur für diverse Toilettenbesuche verlassen musste. Sehr gut lief die Kommunikation zwischen Michael und den anderen Kindern, er wurde sofort ins Spiel integriert und auch die Erzieherin macht auf mich einen bemühten, begeisterten Eindruck. Trotzdem weht im Kindergarten ein anderer Wind als in der Krippe. Viel mehr Kinder, viel mehr Gefahren, viel mehr geforderte Eigenständigkeit und Selbstverantwortung. Das wurde mir heute mehrfach bewusst beim Beobachten von Situationen, die meinen Puls sofort zum Rasen brachten. Irgendwann mache ich mir noch ein Shirt mit meinem Mantra: „Lass’ los, Mutti“, das ich im Blog schon einige Mal erwähnt habe. Trotzdem konnte ich es mir nicht verkneifen den ein oder anderen Hinweis in Punkto Sicherheit anzubringen, das bin ich mir selbst schuldig und ich hoffe, dass ich genau den richtigen konstruktiven, kollegialen Ton erwischt habe und nicht schon am Tag eins auf der Topliste der Mamazillas gelandet bin. Was soll’s! Wirklich gut gelaufen heute und auch die allererste Autofahrt alleine mit Michi hat gut geklappt und dank Parkassistent sogar das Einparken in der gefürchteten Münchner Parkplatzhölle.

Susi Nagele-Krautgartner

wurde 1982 geboren und lebt mit Mann und Sohn in München. Die promovierte Kunstpädagogin und Künstlerin realisiert Kunst- und Kunstvermittlungsprojekte verschiedener Sparten im In- und Ausland. Dafür wurde die gebürtige Innviertlerin bereits mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Themen wie Gleichstellung, Gender und deren lebenspraktische Umsetzung beschäftigen sie in all ihren Texten und Bildern. Der Blog ist die Fortsetzung von “Susis Babyzeit” (2014-2016). www.susikrautgartner.com