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Dreckseier

Schallendes Lachen erfüllte diesen Sonntag unsere Wohnung. Nach den letzten Wochen der Strapazen und Sorgen hat mich dieser Ausbruch an Übermut und Freude sehr zufrieden gemacht – die Lachtränen kullerten in Strömen. Der Auslöser dafür war mein in bester Absicht durchgeführter Eierfärbedurchlauf am Palmsonntag. Als ich letzte Woche die Kassiererin in der Drogerie zu ihrer Meinung zu bestimmten Eierfarben fragen wollte beschämte Sie mich sehr, indem Sie mir predigte sie würde ja nur mit Zwiebeln und Rote Beete färben und kenne sich mit solchen chemischen Farben nicht aus. Für rechts wegen hätte die Gute ein ausgiebiges Augenrollen verdient, aber ich denke, dass sie einen Nerv getroffen hat und tatsächlich habe ich beschlossen der Bio-Öko-Coloratur aus dem Gemüsefach den Vorzug zu geben. Die herrlich duftenden Osterpinzen bereits im Rohr nahm das Unheil seinen Lauf. Die Eier verfärbten sich zwar im Farbsud, aber leider nicht in der gewünschten Nuance. Mit dem milden, wohlwollenden Blick, mit dem ich mein Selbstgemachtes immer nach dem Schaffensakt sehe, dachte ich ernsthaft: „Naja, passt schon“. Als mein Guter die abgetrockneten Eier dann begutachtete meinte er das seien die wohl hässlichsten Eier der Welt und der schlechtmöglichste Ausgang bei Eierfärben (abgesehen von: der Eierbär hat alle aufgegessen). Ich habe gesäuberte, helle Eier unter Aufwendung von enormen Ressourcen wie Zeit, Strom und gekauftem Gemüse fleckig und ungleichmäßig dreckfarben eingefärbt. Eigentlich ziemlich witzig diese klassische Episode einer Möchtegern-Biotante, die von rosa Einhörnern und Nachhaltigkeitphantasien träumt. Daraufhin ist der Vulkan meines Übermutes explodiert und ich musste mir den Kugelbauch halten vor lauter Lachen. Also ich mag unsere süßen Dreckseier, sie sind das Symbol dafür, dass wie so oft im Familienalltagsirrsinn nichts schöner und befreiender sein kann wie eine Portion Selbstironie und gemeinsamer Humor.

Susi Nagele-Krautgartner

wurde 1982 geboren und lebt mit Mann und Sohn in München. Die promovierte Kunstpädagogin und Künstlerin realisiert Kunst- und Kunstvermittlungsprojekte verschiedener Sparten im In- und Ausland. Dafür wurde die gebürtige Innviertlerin bereits mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Themen wie Gleichstellung, Gender und deren lebenspraktische Umsetzung beschäftigen sie in all ihren Texten und Bildern. Der Blog ist die Fortsetzung von “Susis Babyzeit” (2014-2016). www.susikrautgartner.com