Welche Heilpflanzen wachsen im Wald? Kräuterexpertin Sabine Eilmsteiner teilt ihr Wissen über die wohltuende Waldapotheke und erklärt, welche Pflanzen besonders heilsam wirken.
Der Wald birgt viel Potenzial: Wir atmen auf, reduzieren nachweislich Stress und tanken neue Energie, wenn wir uns zwischen den Bäumen bewegen. Der Wald ist aber auch Ort heilsamer Kräfte – das hat die gelernte Krankenschwester und Naturvermittlerin Sabine Eilmsteiner schon lange erkannt. Die Oberösterreicherin wuchs in einer naturverbundenen Familie auf und weiß um die Wirkung von Pflanzen, Kräutern und Pilzen bestens Bescheid. Ihr Wissen gibt sie im Buch „Die große Waldapotheke“ weiter – ein paar Auszüge davon finden Sie im Folgenden.
Wurmfarn
Der Wurmfarn wirkt antirheumatisch, antineuralgisch und entzündungshemmend. Ein „Farnbett“ hilft bei chronischen Schmerzen im Bewegungsapparat. Dafür eine Polsterhülle mit frischen grünen Blättern flach füllen und eine Nacht darauf schlafen.
Brennnessel
Aus Brennnesselblättern wird „falsche Rindsuppe“ gekocht, und zwar so lange, bis die Suppe die typisch bräunliche Farbe und die Wirkung der echten erlangt hat: Der Eisengehalt stärkt nach längerer Krankheit. Bei Nieren- und Herzerkrankungen sollte man auf die Brennnessel lieber verzichten.
Schwarzerle
Die Schwarzerle, deren Kätzchen man von Dezember bis Jänner sammelt, wirkt fiebersenkend und zusammenziehend. Erlenzucker aus maximal einem Drittel frischen, im Standmixer zerkleinerten Erlenkätzchen und zwei Dritteln Rohrzucker empfiehlt Eilmsteiner als Stimmungsaufheller für trübe Tage.
Wacholder
Eilmsteiners Lieblingspflanze ist der Wacholder, den man in lichten Wäldern findet. „Eine Pflanze, die in der bäuerlichen Kultur hochgehalten wird und Alltägliches mit Spirituellem verbindet. Sie wird zum Speckräuchern, aber auch zum Ausräuchern des Hauses verwendet.“ In Zeiten der Pest hat man die Beeren gekaut, weil sie antibakteriell wirken. Wacholder wirkt zudem harntreibend und verdauungsfördernd. Gesammelt werden die dunkelblauen Beeren von September bis November.
Wacholdertee:
1 TL getrocknete Beeren, 250 ml Wasser Wacholderbeeren mit kochendem Wasser auf- gießen, fünf Minuten ziehen lassen und abseihen. Vorzugsweise zur Verdauungshilfe nach den Mahlzeiten, aber nicht mehr als zwei Tassen am Tag trinken. Nicht in der Schwangerschaft oder bei Nierenerkrankungen!
Wald-Engelwurz
Mit Wasser gereinigt, zerkleinert und an einem warmen Ort getrocknet, ergeben die Wurzelteile kostbares Räuchergut. Neben seiner entspannenden Wirkung wird dem Rauch der Wald-Engelwurz traditionell spirituelle, segnende Kraft nachgesagt.
„Ein Hustenbalsam aus Engelwurz dient zur äußerlichen Anwendung – auf Brust und Nasenflügel aufgetragen. Innerlich eingenommen wirken die Inhaltsstoffe der Pflanze auf den Parasympathikus, einen Teil des Nervensystems, und damit auch auf den Stoffwechsel.“ Achtung: Nicht in der Schwangerschaft einnehmen!
„Frauenkraut“
Falsche Brunnenkresse wirkt regulierend auf die Menstruation. Eilmsteiner empfiehlt den Verzehr auf einem Butterbrot. Storchenschnabel gilt als Kinderwunschkraut: Er soll eine stark reinigende Wirkung haben und die Gebärmutter vorbereiten. Man kann Storchenschnabel als Tee trinken, die Blättchen essen oder eine Essenz aus den Blüten zubereiten.
Fichte
Sie wirkt entzündungshemmend, schleimlösend, hustenstillend und durchblutungsfördernd.
Im Jänner wird vor allem das Harz von gesunden alten Fichten gesammelt. Die vollständig ausgehärteten Harzstücke verströmen beim Räuchern einen warmen, kraftvollen Waldduft. Bei Asthma sollte man jedoch lieber darauf verzichten.
Vital- und Heilpilze
Die bräunlichen Judasohren, die man das ganze Jahr über findet, wachsen auf altem Holunder und wirken leicht blutverdünnend und damit positiv auf das Herz-Kreislauf-System. Nicht verzehren sollten sie Menschen, die schon blutverdünnende Medikamente einnehmen. „Aus Asien kennt man sie unter der Bezeichnung Mu-Err-Pilz. Dort kommen sie nicht nur auf den Teller, sondern sind auch Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin.“
Eierschwammerl helfen gegen Parasiten, stärken das Immunsystem und wirken entzündungshemmend. Ihre volle Wirkung entfalten sie nur in rohem Zustand. Eilmsteiner verarbeitet sie daher roh zu Pilzpulver oder einer Tinktur. Für kulinarische Zwecke müssen Eierschwammerl jedoch immer mindestens 15 Minuten gekocht werden
Sabine Eilmsteiner schöpft Kraft und findet Heilung im Wald, ihr Wissen gibt sie im Buch „Die große Waldapotheke“ weiter.
Sabine Eilmsteiner: Die große Waldapotheke. Kneipp Verlag, 25,95 Euro
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