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Die Freude am Nesterlbauen

Wir Menschen lieben Überraschungen. Natürlich nur, wenn sie angenehmer Art sind. Deshalb verpacken wir zu Weihnachten Geschenke und verstecken zu Ostern Nester in der grünen Wiese.

Die Osterferien meiner Kindheit folgten einem geliebten Ritual. In unserem Dorf mit gezählten sieben Häusern kam der Osterhase jeden Tag zu einem anderen Nachbarn, woraufhin alle Kinder des Dorfes zusammenliefen und aufgeregt hinter Bäumen, Hecken und in Scheunen nach den von der Bäuerin versteckten Schätzen suchten. Welch eine Aufregung, wenn man fündig wurde. Meist waren es zwei Eier, ein rotes und ein blaues, selten gab es noch extra ein paar bunte Geleeeier oder Schokolade dazu. Die Freude war in jedem Fall riesig, selbst wenn der Hase nur ein einziges rotes Ei für jedes Kind in die Wiese gelegt hatte. Osternesterverstecken und -finden ist ein großes Vergnügen geblieben, selbst wenn die Ansprüche heutiger Kinder anders gelagert sind, ein einzelnes rotes Ei würde wohl mehr Enttäuschung als Glückseligkeit hervorrufen. Bei diesem Rezept ist das Ei so versteckt, dass es in jedem Fall gefunden wird und – soweit meine bisherige Erfahrung – durchwegs Freude bereitet.

Eier im Nest

6 Portionen
1 kleine Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 EL Butter
500 g frischer Spinat
2 Eier
100 g Ricotta
1 EL griffiges Mehl
2 EL geriebener Parmesan
Majoran
Muskat, Salz, Pfeffer

Hülle und Fülle:
3 Blatt Strudelteig
60 g Butter, zerlassen
6 Eier


Zwiebel und Knoblauch schälen, fein hacken und in Butter andünsten. Spinat in Wasser kurz überkochen, in kaltem Wasser abschrecken und in einem Sieb abtropfen lassen, gut ausdrücken und grob schneiden.
Spinat mit dem Zwiebel-Knoblauch-Gemisch, Eiern, Ricotta, Mehl und Parmesan verrühren, mit Majoran, Muskat, Salz und Pfeffer würzen. Strudelblätter vierteln, die mit Butter ausgestrichenen Förmchen (zirka 200 ml Inhalt) mit jeweils zwei Teigblättern auslegen. Spinatmasse einfüllen, in die Mitte eine Vertiefung drücken und ein Ei hineinschlagen.
Teig über der Fülle zusammendrücken und mit Butter bestreichen. Die Törtchen im vorgeheizten Rohr bei 180 °C 20–25 Minuten goldbraun backen.

Tipp: Statt in Portionsförmchen kann man die Masse auch in einer Tortenform backen.

Man soll sich nicht täuschen und glauben, Osternester würden nur die Kleinen glücklich machen. Mit dem passenden Inhalt bescheren sie auch großen Kindern glänzende Augen. Wenn Sie mich fragen, dann hätte ich schon eine Idee. Nicht Lämmchen und Schokohase sind meine Wunschbesetzung fürs österliche Nest, ich würde gerne mit einem Reindling überrascht werden. Muss ja nichts Großes sein – Hauptsache gut, wie schon mein Vater, Gott hab ihn selig, gerne zu sagen pflegte. Ein kleiner, feiner Reindling mit reichlich Zimt und Rosinen drin. Bäckt man mehrere kleine statt einen großen Kuchen, kann man bei der Fülle individuelle Vorlieben und Abneigungen berücksichtigen – der eine mag keine Rosinen, will dafür viele Nüsse, die andere wieder will nur Zimtzucker und sonst nix. So ein Single-Kuchen ist übrigens nichts Neues. Als „Kosterle“ hat er in Kärnten Tradition, so wurde er etwa im Raum Bad Kleinkirchheim laut Franz Maier-Bruck („Vom Essen auf dem Lande“) gemeinsam mit Ostereiern verschenkt. Ein schöner Brauch, der es Wert ist, auch außerhalb Kärntens verbreitet zu werden. Ich fang mal damit an.

Mini-Reindling

Mini-Reindling

Circa 6 Stück
250 g glattes Weizenmehl
15 g frische Germ
150 ml Milch, lauwarm
1 EL Zucker
1 Prise Salz
50 g Butter, zerlassen
1 Ei (Gr. M)

Fülle:
100 g Rohrzucker
1–2 EL Zimt, gemahlen
80 g Butter, zerlassen
Rosinen und Walnüsse
nach Geschmack
Butter und Zucker
für die Formen

Germ mit wenig lippenwarmer Milch und 1 Prise Zucker zu einem Dampfl verrühren, mit Mehl bestreuen und kurz gehen lassen.
Übrige Milch mit Butter, Salz, übrigem Zucker und Ei verquirlen. Mischung zum Mehl gießen und alles zu einem weichen, geschmeidigen Teig verkneten. Teig zugedeckt mindestens 1 Stunde ruhen lassen; er soll schön aufgehen.
Backformen mit Butter ausstreichen und mit Kristallzucker ausstreuen.
Teig durchkneten, in 6 Portionen teilen, diese zu Kugeln formen und ca. 4 mm dick ausrollen. Teigscheiben großzügig mit flüssiger Butter, Zimtzucker und wahlweise Nüssen und Rosinen bestreuen. Teig wie einen Strudel einrollen, zu einer Schnecke formen und in die Backformen setzen. Zugedeckt nochmals circa 1 Stunde gehen lassen.
Reindlinge im vorgeheizten Backrohr bei 170 °C circa 30 Minuten backen. Aus den Formen nehmen und umgedreht auskühlen lassen.

Der Mini-Reindling passt in jedes Osternest.

Barbara Haiden

Barbara Haiden

kocht gerne mit Gemüse und fragt sich
beim Blick in den Vorratsschrank:
Wer soll das alles essen?

Foto: Alexandra Grill

„Welt der Frauen kocht“

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