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Der Club der runden Bäuche

Im Moment sind sieben Freundinnen und Bekannte ebenso schwanger. Zwei Freundinnen haben vor wenigen Wochen ihre Töchter geboren und ich bin mir sicher so knapp vor Halbzeit, dass sich da noch einige dazu gesellen werden. Das muss ein Nest sein! Liegt es an meinem Alter? Ist die 35 eine magische Zahl? Tatsächlich sind viele erst- und zweitschwangere Freundinnen ebenso um die 35. Zwar wird man in Deutschland mit 35 schon pauschal als Spätgebärende und Risikoschwangere abgestempelt, dennoch fühle ich mich nicht groß anders als vor vier Jahren. Es wirkt fast als ob mein Körper von der vorhergehenden Schwangerschaft profitiert hat und von Stunde eins alles im Automatik-Modus bestens eingerichtet hat. Das Klischee, dass die zweite Schwangerschaft fast nebenher läuft, kann ich in gewisser Weise bestätigen, auch wenn natürlich immer wieder neue Situationen auftreten und auch der sonstige Familienalltag die ein oder andere Überraschung bereit hält.

Ich genieße den regen Austausch, die gemeinsamen Ausflüge und Treffen mit den gleichgesinnten Frauen und das Gefühl Menschen um mich zu haben, die gerade Ähnliches erleben im Guten wie im Schlechten. Auf eine vielleicht für jene, die mich kennen, ungewöhnlich esoterische Art fühle ich mich besonders wohl bei anderen Schwangeren und jungen Müttern, als würden wir uns gegenseitig auf unterbewusster Ebene ständig zuflüstern: „Alles wird gut, alles wird gut, alles wird gut …“ Ich habe ein Bild vor Augen von so moppeligen Vogeldamen mit aufgeplusterten Federn, die sich im Nest aneinanderkuscheln und gegenseitig etwas vorgurren. Ich sollte wirklich weniger Disney-Filme schauen. Jedenfalls finde ich die Vorstellung, dass in den nächsten Monaten jede Menge Nachwuchs im Freundeskreis daherkommen wird sehr erbaulich, denn somit sind auch extensive Kaffeehaustreffen, Babydeckenausflüge, Tragetuchmuseumstouren und Kinderwagenbiergartenrunden garantiert, was mich nur noch mehr auf die bevorstehende Zeit freuen lässt.

 

 

 

 

 

 

Susi Nagele-Krautgartner

wurde 1982 geboren und lebt mit Mann und Sohn in München. Die promovierte Kunstpädagogin und Künstlerin realisiert Kunst- und Kunstvermittlungsprojekte verschiedener Sparten im In- und Ausland. Dafür wurde die gebürtige Innviertlerin bereits mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Themen wie Gleichstellung, Gender und deren lebenspraktische Umsetzung beschäftigen sie in all ihren Texten und Bildern. Der Blog ist die Fortsetzung von “Susis Babyzeit” (2014-2016). www.susikrautgartner.com