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Der Club der müden Eltern

Ja, ich weiß es jetzt was es heißt, fast zehn Monate ein zweites Leben in sich zu tragen, mit all den Sorgen, Ängsten und der großen Freude, die mir das beschert hat. Ja, ich kann jetzt verstehen warum mich erfahrene Eltern in der Schwangerschaft belächelt haben als ich meinte, ich würde mit ein paar Tagen Unterbrechung meine Tätigkeiten wieder aufnehmen, schließlich bin ich ein Organisationstalent. Ja, es ist unbeschreiblich was mit mir passiert ist die letzten Wochen, seit ein Teil von mir außerhalb meiner leiblichen Grenzen weiterlebt. Ja, ich hatte keine Ahnung und nichts und niemand hätten mich darauf vorbereiten können.

Die Nächte sind kurz, die Tage sind lang und manchmal erdrückt mich die Last der Verantwortung für dieses unendlich schöne, lebende Wesen, das sich so innig an mich drückt, weil es mich braucht. Ich bin zerrissen zwischen dem Wunsch alles Leid und allen Kummer von dem Kleinen fern zu halten – rund um die Uhr, mit maximalem Einsatz, um jeden Preis – und der Erfüllung der Bedürfnisse, die meinen eigenen Körper und mein Wohlbefinden betreffen.

Dass ich in den wenigen Stunden der Woche, in denen der Kleine am Abend friedlich schläft, entscheiden muss ob ich lieber die Buchhaltung, berufliche Emails, die Post, Körperpflege oder ein Schläfchen mache um den nächsten Tag über die Runden zu kommen, schlaucht mich schon, damit habe ich nicht gerechnet. Dass mir ein gemeinsamer Ausflug zum Supermarkt tatsächlich wie ein Ausflug vorkommt, weil ich außer Wohnung und Park noch nicht viel gesehen habe die letzten Wochen, ist auch eher amüsant-skurril und fällt unter die Kategorie: das hätte ich mir so nie gedacht. Die Zeit ist einfach zu knapp und selbst als mittlerweile gut eingespieltes Zweiergespann bleibt so viel auf der Strecke. Ich bewundere alle alleinerziehenden Mütter und Väter und frage mich, wie es überhaupt möglich ist all das alleine zu schaffen. Ich bin so dankbar für unseren Schatz und dafür, dass ich mir soviel Zeit für ihn nehmen kann wie ich möchte – unterstützt von meinem großartigen Mann und meiner wunderbaren und mich immerzu aufbauenden Mutter.