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Der Beat pumpt weiter

Mit vom Wetter weichgekochtem Gehirn, einem kugelförmigen Körper, der langsam an jeder Ecke knirscht und knarzt, wie ein Scharnier, das dringend geölt werden muss und einer noch ziemlich sportlichen Einstellung zu dieser Situation hat für mich nun das neunte Monat begonnen. Merkwürdigerweise fühle ich mich jetzt das erste Mal in dieser Schwangerschaft so richtig schwanger, vielleicht haben meine durch die Temperatur gepeinigten grauen Zellen hoch-schwanger mit schwanger verwechselt, ich weiß es nicht. Hochschwanger, was heißt das überhaupt? Kurz vorm Platzen? Nur mehr mir Samthandschuhen anfassen? Eine noble Variante des gemeinen Schwangerenzustands? Aufgedunsen und immer verschwitzt rolle ich also durch München und mache eigentlich fast nur mehr das, was notwendig ist, z.B. die Tour durch Fahrradläden um ein passendes Lastenfahrrad zu finden oder meine Steuererklärung nach Wochen der Einarbeitung in das wohlmöglich komplexeste Steuersystem dieses Sonnensystems. Darüber hinaus lernt mein Knirps jetzt Schlagzeug, fährt neuerdings mit dem Laufrad und will die merkwürdigsten Dinge wissen, wie zum Beispiel warum der Erdkern so heiß ist und warum der amerikanische Präsident heißt wie eine Comicfigur. Montags, als ich mich für ein kurzes Nickerchen hinlegen wollte, vibrierte plötzlich mein ganzer Bauchraum im Takt. Zuerst war ich irritiert und dann konnte ich mich erinnern, dass das Babys Schluckauf sein muss. Ich habe mich so gefreut und dem Spektakel minutenlang zugeschaut. So wie Vanillepudding an ein Metronom angeschlossen ungefähr. An Schläfchen war nicht mehr zu denken, aber der Genuss dieser witzigen Begebenheit war es wert. Ich habe also guten Grund anzunehmen, dass die paar Wochen meiner Hochschwangerschaft trotz Sahara-Stimmung gut und mit immer irgendeiner Sache, die es zu erledigen gilt, über die Bühne gehen werden. Und dann kommt sowieso der Neustart, so oder so, der Big Bang, darauf bin ich schon gefasst. Gespannt bin ich nur, ob der Wechsel in den Modus von hochschwanger zu Wöchnerin mit Neugeborenem wieder meine Welt komplett aus den Angeln heben wird, oder ob dieses Mal alles etwas entspannter, abgeklärter oder gar routinierter für uns alle sein wird. Kleine Elisabeth, wir freuen uns so auf dich, aber lass dir ruhig noch ein bisschen Zeit!

Susi Nagele-Krautgartner

wurde 1982 geboren und lebt mit Mann und Sohn in München. Die promovierte Kunstpädagogin und Künstlerin realisiert Kunst- und Kunstvermittlungsprojekte verschiedener Sparten im In- und Ausland. Dafür wurde die gebürtige Innviertlerin bereits mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Themen wie Gleichstellung, Gender und deren lebenspraktische Umsetzung beschäftigen sie in all ihren Texten und Bildern. Der Blog ist die Fortsetzung von “Susis Babyzeit” (2014-2016). www.susikrautgartner.com