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Die Kraft des Pilgerns: „Im Gehen kommt vieles in Bewegung“

Die Kraft des Pilgerns:
Foto: Shutterstock
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  • Veröffentlicht: 29.09.2025
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Michaela Leppen, Geschäftsführerin der kfb oö und Projektleiterin des Frauenpilgertages, lädt am 11. Oktober wieder zum österreichweiten Pilgern. Ein Gespräch über die heilsame Kraft des Gehens.

Wie würden Sie Pilgern definieren und was bedeutet es für Sie persönlich?
Mir gefällt der Spruch „Pilgern ist Beten mit den Füßen“. Pilgern hat immer etwas mit einer inneren Haltung zu tun, die Menschen antreibt, sich auf den Weg zu machen. Dabei geht es mehr um den Weg als um das Ziel. Im Gehen kommt vieles in Bewegung, auch innerlich. Ich war 2007 das erste Mal pilgern und habe festgestellt, dass es die beste Art ist, mich zu erholen, weil durch das Gehen der Kopf frei wird. Man kommt verändert und erholt an.

Was macht einen Weg zum Pilgerweg?
Ein Weg wird durch die innere Einstellung, mit der man geht, zum Pilgerweg. Deshalb ist es egal, welchen man dafür wählt.

Der spanische Jakobsweg bricht laufend Besucherrekorde. Warum liegt Pilgern nach wie vor im Trend?
Es ist einerseits das Unterwegs-Sein im Schritttempo, das Aufbrechen aus dem Alltäglichen, die Reduktion. Man muss sich auf das Wesentliche beschränken, dadurch lässt man viel Ballast hinter sich. Ein weiterer Grund ist die Verlangsamung. Unser Alltag ist mehr und mehr getrieben. Schritttempo ist das Tempo, bei dem die Seele mitkommt. Studien zeigen, dass dabei das Gehirn Eindrücke gut verarbeiten kann. Viele Menschen haben Sehnsucht danach, mehr in die Tiefe zu gehen, mehr zu spüren. Und Pilgern ist für jede Kondition geeignet und nicht teuer. Gute Schuhe und ein ordentlicher Rucksack reichen. Die tatsächliche Herausforderung stellt sich dann oft mental. Man kann beim Pilgern an seine Grenzen kommen, neben einer körperlichen kann es auch eine geistige Herausforderung sein.

„Im Schweigen schärft sich die Wahrnehmung nach außen und nach einiger Zeit auch das Hören nach innen.“
Michaela Leppen

Was ist das Besondere daran, wenn Frauen mit Frauen pilgern?
Dass dabei eine besondere Form von Gemeinschaft entsteht: Es treffen sich gleichgesinnte Frauen, die gern unterwegs sind, viele kennen einander, es kommen aber auch immer wieder neue dazu. Eine Mischung aus Vertrautem und Neuem.

Wie läuft der Frauenpilgertag ab?
Der Frauenpilgertag beginnt mit dem Pilgersegen. Das gemeinsame Aufbrechen ist wichtig, am Weg gibt es Stationen, wo mit Liedern, Texten und Impulsen zum Nachdenken angeregt wird. Ein Stück wird schweigend zurückgelegt. Wenn man ruhig wird, nimmt man wahr, was sich rundum alles tut. Und wenn man das dann ausblendet, merkt man im Schweigen, dass Gedanken und Dinge hochkommen, die sonst nicht so präsent sind. Im Schweigen schärft sich die Wahrnehmung nach außen und nach einiger Zeit auch das Hören nach innen. Beim Gehen spielen auch Gespräche eine Rolle, die sehr intensiv werden können. Man kann sich Dinge von der Seele reden, aber man kann sich auch Dinge von der Seele gehen.

Der spanische Jakobsweg ist auch kommerziell. Setzen Sie da bewusst Kontrapunkte?
Wir pilgern nicht gegen irgendetwas, aber unser Frauenpilgertag ist gratis und getragen vom ehrenamtlichen Engagement. Das wäre nicht möglich, wenn die ganzen regionalen kfb-Teams nicht Routen planen und all das mit uns organisieren würden. Kommerz hat da keinen Platz, jede der Frauen ist aus Überzeugung und innerer Motivation heraus mit dabei. Wir haben mittlerweile 101 Wege mit unterschiedlichen Längen und Schwierigkeitsgraden in ganz Österreich und verzeichnen immer mehr Teilnehmerinnen. 2023 waren es österreichweit 3.700 Frauen aus allen Altersschichten. Wir hatten schon ganz kleine Gruppen mit 15 Frauen, letztes Mal bestand die größte aus 153 Teilnehmerinnen. Und wir merken, dass dieser Tag gerade auch jüngere Frauen anspricht und auch die Gelegenheit bietet, Anschluss zu finden.

Alle Infos zum Frauenpilgertag:

Am 11. Oktober findet zum dritten Mal der österreichweite Frauenpilgertag der kfb oö auf 101 Routen statt. Jede Teilnehmerin bekommt ein Pilgerband mit Pilgerspruch und ein Pilgerheft mit Liedern und Texten. Gepilgert wird unter dem Motto „Zeit zu leben“ – passend zum Heiligen Jahr wird heuer auch das Thema Hoffnung aufgegriffen. Anmeldung ist erforderlich, Anmeldeschluss ist der 1. Oktober.

Alle Infos: frauenpilgertag.at

Foto: Alexandra Grill

Michaela Leppen ist Geschäftsführerin der Katholischen Frauenbewegung Oberösterreich und Projektleiterin des Frauenpilgertages.

Melanie Wagenhofer

Chefredakteurin Print und Podcast

Ein Nachrichtenjunkie vertieft sich: Nach vielen Jahren im Tagesgeschäft liebt Melanie Wagenhofer es, sich ausführlich mit dem, was Frauen bewegt, zu beschäftigen und darüber zu schreiben – vorzugsweise, wenn es dabei um Zeitgeschichte, Kultur, Reisen, Kulinarik und besondere Menschen geht. Die gebürtige Mühlviertlerin hat Deutsch und Geschichte studiert und mehrere Bücher geschrieben.

[email protected]

Foto: Barbara Aichinger


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