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Das volle Paket

Plattfüße, eine Ladung Schwangerendemenz, elterlicher Stolz, weil der Spross von selber Spielsachen für’s Baby aussortiert und bereitgestellt hat, kleine Freudensprünge jedes Mal, wenn die Kleine im Ultraschall ihre Fäustchen ballt. Mein Zweitschwangerencocktail schmeckt abwechslungsreicher und durchaus würziger als der Erstschwangerencocktail. Viel egoistischer gönne ich mir einfach Pausen und bei so ziemlich jedem Kaffeehausbesuch habe ich das Gefühl es könnte der Letzte für eine lange Zeit sein. Jetzt oder nie, Mutti! Noch nie haben der koffeinfreie Latte, die Nougat-Baiser-Schichttorte und das Thai-Curry im Stammlokal so geschmeckt und der Frühling war sowieso nie so farbenprächtig. Ich kann mich an keine Lebensphase erinnern, in der ich bewusster gelebt habe und Kleinigkeiten derart ausgekostet habe. Ich hoffe ich kann etwas dieser Haltung in die Babyzeit mitnehmen und dass ich trotz Babyalltag geerdet und halbwegs locker bleibe. Trotzdem bereite ich mich mental darauf vor, dass mit dem Nachwuchszwerg in unserer Mitte wieder alles möglich ist und die Karten komplett neu gemischt werden könnten. Das war die vielleicht allergrößte Überraschung letztes Mal, dass das Beibehalten der alltäglichen Gewohnheiten und liebgewonnenen Lumpereien einfach kaum mehr möglich war und die persönliche Freiheit von 100 auf 1 schrumpfte. Da unser Sohn ich würde mal sagen ein äußerst unzufriedener kleiner Knopf war (ja, Mama, das ist sehr diplomatisch ausgedrückt, ich weiß) frage ich mich oft wie sich die Kleine wohl verhalten wird. Wird sie ähnlich sein mit ihren Bedürfnissen oder eher ein zufriedenes, immer lachendes Sonnenscheinkäferchen wie die bezaubernde kleine Tochter unserer Nachbarn? Werden wir – immerhin ein paar Jahre älter und weiser – gelassener handeln im Familienalltag und nicht sofort mit Schweißausbrüchen und Panik reagieren, wenn etwas nicht nach Standardprotokoll läuft? Welche Rolle wird Michael zum Mäuschen einnehmen? Wird Eifersucht ein Thema, oder haben wir durch Gespräche und erzieherische Ideen im Vorfeld schon etwas abmildern können? Kleine Maus, wir freuen uns so auf dich, ich denke jeden einzelnen Tag darüber nach und kann es kaum erwarten, dass unsere Familie dann komplett sein wird mit dir!

Susi Nagele-Krautgartner

wurde 1982 geboren und lebt mit Mann und Sohn in München. Die promovierte Kunstpädagogin und Künstlerin realisiert Kunst- und Kunstvermittlungsprojekte verschiedener Sparten im In- und Ausland. Dafür wurde die gebürtige Innviertlerin bereits mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Themen wie Gleichstellung, Gender und deren lebenspraktische Umsetzung beschäftigen sie in all ihren Texten und Bildern. Der Blog ist die Fortsetzung von “Susis Babyzeit” (2014-2016). www.susikrautgartner.com