Darmgesundheit ist ein viel diskutiertes Thema. Im Trend liegen vor allem Probiotika, also Bakterienkulturen in Pulverform. Doch was steckt dahinter? Ärztin Maria Effenberger gibt Antworten.
Zum Jahreswechsel haben sich viele Menschen vorgenommen, mehr in ihre Gesundheit zu investieren. Besonders beliebt ist das Entgiften, mit dem manche auch abnehmen wollen. In den sozialen Medien trenden vor allem Darmkuren. Was halten Sie davon?
Das intestinale Mikrobiom, die Darmflora, ist ein elementarer Einflussfaktor auf unsere Gesundheit. Wir wissen heute, dass die Zusammensetzung des Mikrobioms unsere Gesundheit und Krankheit beeinflussen kann. Eine gesunde, mediterrane Ernährungsform kann das Mikrobiom positiv beeinflussen. Zusätzlich kann ein gesunder Lebensstil, das heißt gesunde Ernährung und körperliche Betätigung, dazu beitragen, Gewicht zu verlieren. Eine Darmkur, die sich aus den drei Komponenten Darmentleerung, Entgiftung mit Heilerde oder anderen Mineralerden sowie dem Wiederaufbau der Darmflora mit entsprechenden Mikrobiotika zusammensetzt, ist nicht sinnvoll. Die Belastungen für den Körper sind enorm, die Gewichtsreduktion ist nur von kurzer Dauer und das Mikrobiom ändert sich dadurch nicht nachhaltig.
Für alle, die sich dennoch dafür interessieren: Wem ist von einer solchen Kur auf jeden Fall abzuraten?
Ich kann niemandem zu einer Darmkur raten, da sie eine enorme Belastung für den Organismus darstellt. Das gilt insbesondere für chronisch kranke Patient:innen, also jene, die an Diabetes mellitus, bösartigen Erkrankungen oder Nieren-, Herz-, Lungen- und Lebererkrankungen leiden. Auch bei Magen-Darm- Erkrankungen ist von der Anwendung dringend abzuraten. Dies gilt selbstverständlich auch für Schwangere, Kinder und Jugendliche.
Was halten Sie von den Pulvergetränken, die aus einer Mischung aus Darmbakterien bestehen und sich in den sozialen Medien seit einer Weile besonders großer Beliebtheit erfreuen?
In den Beiträgen wird angepriesen, dass diese nur in Wasser aufgelöst werden müssen, nach dem Verzehr den Darm wieder ins Gleichgewicht bringen und den Stoffwechsel positiv beeinflussen. Es gibt bis dato keinen einzigen seriösen wissenschaftlichen Beleg, dass solche Pulvergetränke einen positiven Einfluss auf die Verdauung haben oder beim Abnehmen helfen könnten. Daher kann ich solche Kuren nicht empfehlen.
Neben den eingangs genannten Tipps: Was können wir für einen gesunden Darm und einen funktionierenden Stoffwechsel tun?
Wie gesagt: Die effektivste Form, unsere Verdauung und unser Mikrobiom zu unterstützen, ist eine ausgewogene, gesunde Ernährung. Besonders günstig wäre es, auf verarbeitete Lebensmittel zu verzichten und vor allem selbst und frisch Zubereitetes zu verzehren. Der andere wichtige Eckpfeiler ist die körperliche Betätigung. Dabei kommt es genauso wie bei der Ernährung zu einer langfristigen und nachhaltigen positiven Beeinflussung der Zusammensetzung des Mikrobioms und einer verbesserten Verdauung.
Maria Effenberger ist Fachärztin für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie und als Oberärztin an der Universitätsklinik Innsbruck tätig.
