Das Darmmikrobiom zu testen, bringt wenig Erfolg. Wie wir es trotzdem verstehen und mit der richtigen Ernährung aufbauen können, erklärt die Gastroenterologin Corinna Geiger.
Der menschliche Darm samt Inhalt und Mikrobiom wiegt etwa 1,5 Kilogramm und ist damit in etwa so schwer wie unser Gehirn. Dass der Darm oft als zweites Gehirn bezeichnet wird, ist kein Zufall: Die sogenannte „Darm-Hirn-Achse“ beschreibt den engen Zusammenhang zwischen der Gesundheit unseres Verdauungssystems und der Psyche. Zudem gilt der Darm als zentraler Ort unserer Gesundheit, in dem ein großer Teil des Immunsystems angesiedelt ist. Durch die westliche Lebensweise gerät dessen Mikrobiom jedoch schnell aus dem Gleichgewicht.
Chronische Verdauungsbeschwerden, ein ausgeprägter Blähbauch und wiederkehrende Lebensmittelunverträglichkeiten prägen auch den Alltag von Anna (Nachname der Redaktion bekannt). Neben einer Darm-Dysbalance liege zudem eine verlangsamte Motilität vor, wie die 35-Jährige berichtet. Das bedeutet, dass sich ihr Darm zu langsam bewegt. „Der Stuhlgang ist zwar regelmäßig, aber die Transitzeit ist deutlich verlangsamt, was sich auch diagnostisch bestätigt hat.“ Diese träge Aktivität äußere sich vor allem in Verstopfung, die von Schmerzen und Unbehagen begleitet werde.
Was die Wienerin dabei erlebt, ist weit mehr als „ein bisschen Reizdarm“ – eine Aussage, die Anna auch von ärztlicher Seite schon gehört habe: „Es ist ein permanentes Grundrauschen an Unwohlsein und Unsicherheit. Man weiß oft nicht, wie sich der nächste Tag anfühlen wird, ob man sich im eigenen Körper wohlfühlt, ob die Kleidung passt, ob man sich zeigen möchte. Das wirkt nach außen klein, greift aber tief in die Lebensqualität ein und kostet auf Dauer viel Energie.“
Anzeichen eines gestörten Darmmikrobioms
Typische Symptome für ein gestörtes Darmmikrobiom seien Blähungen, Völlegefühl, unregelmäßiger Stuhlgang sowie Durchfall oder Verstopfung, erklärt die Gastroenterologin Corinna Geiger.
Das Darmmikrobiom bezeichnet die Gesamtheit aller Mikroorganismen – also Bakterien, Pilze und Viren –, die den menschlichen Darm besiedeln, und wird umgangssprachlich auch als „Darmflora“ betitelt.*
