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Damenwahl #9

Anmerkungen zur politischen Lage, 1. September 2019

Greta, Christiane und Pamela sind die drei weiblichen Gesichter der vergangenen Wahlkampf-Anlaufwoche. Wir nennen sie ganz salopp beim Vornamen, bei Frauen geht das. Nimmt ihnen ein wenig von der Schärfe, macht es familiärer, näher, stimmt’s?

Greta Thunberg ist nach zwei Wochen per Segelschiff über den Atlantik in Amerika angekommen. Eine wahlwerbende Partei in Österreich nimmt das zum Anlass, in rustikalen Wahlsujets die junge Schwedin vorzuführen. Jeder österreichische Grashalm trage mehr zum Klimaschutz bei als sie, behauptet man da. Sehr putzig. Dieser kleine Pinkelstrahl in Richtung einer überzeugten Klima-Aktivistin trifft nicht einmal bis zur nächsten Wiese. Der kleine Geist entlarvt sich in der Regel selbst.

Das muss man leider auch von einer ehrenwerten und von vielen hoch geschätzten Schauspielerin sagen. Mit ihrem Video für den abgewählten Kanzler hat Christiane Hörbiger vor allem sich selbst keinen guten Dienst erwiesen. Es wäre charmant gewesen und hätte von echten Kavalieren gezeugt, dieses Huldigungsvideo einfach nicht zu senden. Irgendeine passable Ausrede wäre gefunden worden, das funktioniert ja auch bei viel gewichtigeren Themen gut. Aber nein. Man ließ Christiane Hörbiger ins Messer der Häme laufen. Oder war es den Parteistrategen einfach wichtiger, dass die Schauspielerin einer Frau, nämlich Pamela Rendi-Wagner, im Video die Schuld zuweist, „unseren“ Kanzler zu Fall gebracht zu haben? Wenn Frauen andere Frauen attackieren erhöht das für manche offenbar den Spaßfaktor. Für andere, und dazu zähle ich mich, kann es ein Fall für besonders intensives Fremdschämen werden. War das nötig?

Das fragte man sich nicht zuletzt auch, als die Chefredakteurin des „Kurier“ in der Analyse des ORF-Sommergesprächs mit Frau Rendi-Wagner gemeint hat, so wie diese aussähe esse sie eher Salatblätter als Gordon-Bleu, und hätte deswegen, sinngemäß, bei ihren eigenen Genossen in den Wiener Arbeiterbezirken ein Akzeptanzproblem. Hilfe! Wenn Frauen anfangen, Figur und Essverhalten ihrer Geschlechtsgenossinnen zu analysieren und noch dazu in einen Zusammenhang mit Kompetenz zu stellen, drohen zweihundert Jahre Emanzipationsgeschichte in sich zusammen zu brechen. „Zurück zur Sachlichkeit“ wäre demzufolge ein schöner Wahlkampfslogan, gerne auch unter Frauenbeteiligung.

Foto: Per Grunditz / Shutterstock.com

Christine Haiden

Dr.in Christine Haiden wurde am 2. März 1962 in Euratsfeld, Niederösterreich, geboren, maturierte 1980 in Amstetten. Ihr Jusstudium in Linz schloss sie 1984 ab, danach absolvierte sie ihr Gerichtsjahr. 1986 begann Christine Haiden als Redakteurin und Verlagsassistentin im Verlag Welt der Frau. Von 1992 bis 1993 war sie Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Caritas Oberösterreich, ehe sie 1993 Chefredakteurin der Welt der Frau wurde. Zusätzliche Aufgaben übernahm sie als Moderatorin und Autorin mehrerer Bücher („Gartenmenschen“, „Maximilian Aichern – Bischof mit den Menschen“ oder „Vielleicht bin ich ja ein Wunder. Gespräche mit Hundertjährigen“). Sie ist Mitbegründerin des Frauennetzwerkes im OÖ. Presseclub und seit 2007 Präsidentin des OÖ. Presseclubs. Seit Herbst 2008 außerdem Kolumnistin der OÖNachrichten „Haiden am Donnerstag“.

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