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Damenwahl #7

Anmerkungen zur politischen Lage, 19. August 2019

Ein Wahlkampf mit Frauenthemen wird das definitiv nicht mehr. Wir werden noch froh sein, wenn es überhaupt Sachthemen bis in die Debatte schaffen. Die österreichische Innenpolitik zeigt in den vergangenen Jahrzehnten ein immer wiederkehrendes Muster: die bislang die zweite Republik dominierenden Volksparteien ÖVP und SPÖ mögen sich so gar nicht mehr, scheitern in großen Koalitionen furios, und dann probiert es die ÖVP wieder mit der FPÖ. Statt über große Fragen unterhalten wir uns danach in der Regel über den Spielraum des Strafrechts und Schadensbegrenzung für die SteuerzahlerInnen.

Abgesehen davon kann man sich aber auch fragen, ob es überhaupt noch relevante Frauenthemen gibt, die man in diesem Wahlkampf positionieren könnte. Das Vokabel Frauenthema hat, meiner Meinung nach, seine Schuldigkeit getan. Man sollte es gefließentlich auf Verwendungsdiät setzen. Tatsächlich war es wichtig, als Frauen in ihrer Gesamtheit rechtlich gravierend benachteiligt waren. Das wurde weitgehend repariert. Heute geht es bei einigen Themen auch noch um den Frauenaspekt. Ich denke an die Pflege. Früher war sie gesichert, weil viele Frauen nach der Familienphase in diesen Bereich niederschwellig eingestiegen sind. Heute hat sich die Pflege professionalisiert, die Biografien von Frauen haben sich verändert und auch die Ansprüche der Fachkräfte an eine gute Arbeit und eine ebensolche Bezahlung. Ähnliches gilt für das Thema Gewalt. Da gibt es Frauen als übergroße Opfergruppe. Aber es ist definitiv genauso ein Männerthema, wenn man den Begriff verwenden möchte, denn die Täter sind Teil des Problems.

Sachfragen sind in der Regel multiperspektivisch. Eine gute, zielgerichtete Politik wird diese verschiedenen Aspekte gegeneinander abwägen und dann die notwendigen Weichen stellen. Bei vielen Themen gibt es Aspekte, die Frauen als gesamte Gruppe oder nur einzelne verstärkt betreffen. Das gilt übrigens auch für einen Wahlkampf. Als Bauernhofkind habe ich gesehen, dass die Hühner einfach seelenruhig weiter nach Futter gescharrt haben, wenn der Gockel auf dem Mist sich aufgeplustert und gekräht hat. Gute Taktik.

Foto: Adobe Stock

Christine Haiden

Dr.in Christine Haiden wurde am 2. März 1962 in Euratsfeld, Niederösterreich, geboren, maturierte 1980 in Amstetten. Ihr Jusstudium in Linz schloss sie 1984 ab, danach absolvierte sie ihr Gerichtsjahr. 1986 begann Christine Haiden als Redakteurin und Verlagsassistentin im Verlag Welt der Frau. Von 1992 bis 1993 war sie Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Caritas Oberösterreich, ehe sie 1993 Chefredakteurin der Welt der Frau wurde. Zusätzliche Aufgaben übernahm sie als Moderatorin und Autorin mehrerer Bücher („Gartenmenschen“, „Maximilian Aichern – Bischof mit den Menschen“ oder „Vielleicht bin ich ja ein Wunder. Gespräche mit Hundertjährigen“). Sie ist Mitbegründerin des Frauennetzwerkes im OÖ. Presseclub und seit 2007 Präsidentin des OÖ. Presseclubs. Seit Herbst 2008 außerdem Kolumnistin der OÖNachrichten „Haiden am Donnerstag“.

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