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Damenwahl #4

Anmerkungen zur politischen Lage, 28. Juli 2019

Soll man sich freuen, wenn renommierte Journalistinnen wie Sibylle Hamann ihrem Job Ade sagen und Richtung Parlament aufbrechen? Einiges spricht dafür.

Sibylle Hamann hat als Schreibende ihre frauenpolitischen Positionen stets mit Nachdruck und guten Argumenten vertreten. Sie hat Frauen mit ihrer Arbeit eine Stimme gegeben, die es sonst schwer haben in Medien authentisch wiedergegeben zu werden, beispielsweise Putzfrauen oder Pflegerinnen. Hamann ist zweifache Mutter, urban, Radfahrerin, man kann ihr abnehmen, mit dem realen Leben vertraut zu sein. Dass sie nun bei den Grünen andockt und, so nicht alles schief geht, dem nächsten Parlament angehören wird, ist grundsätzlich besehen, positiv.

Aber wie viel wird man künftig von ihr wirklich hören und wahrnehmen? Wie viel wird sie einbringen können in das öffentliche Leben der Republik? Bisher konnte sie mit ihren Artikeln und ihren Kolumne mühelos Tausende erreichen, und das ohne jede Zensur oder Rücksicht auf Gruppeninteressen. Ab dem Herbst wird sie darauf angewiesen sein, mit ihrer Botschaft bei den früheren Kolleginnen und Kollegen durchzukommen, es sei denn, sie spielt hauptsächlich über freie Social-Media-Kanäle. Journalistinnen und Journalisten sind in der Regel Freigeister, ihr Job ist die Kontrolle derer an der Macht, selten fügen sie sich leicht und gerne in normierte Meinungen. Hatten sie in „Freiheit“ einen Namen, der für sich steht, tauchen sie in einer Partei in die Logik des Klein-Klein ein, der einzig interessante Name ist der an der Spitze. Für die Demokratie ist es gut, wenn neben den Profis aus den Parteikadern unverbrauchte „echte“ Menschen aus dem Volk ans Werk gehen. Leid ist mir trotzdem, dass eine der besten unserer Branche ebendieser nun verloren geht. Und die Frage bleibt, wo sie auf Dauer mehr bewirken kann.

Foto: Die Grünen/Cajetan Perwein

Christine Haiden

Dr.in Christine Haiden wurde am 2. März 1962 in Euratsfeld, Niederösterreich, geboren, maturierte 1980 in Amstetten. Ihr Jusstudium in Linz schloss sie 1984 ab, danach absolvierte sie ihr Gerichtsjahr. 1986 begann Christine Haiden als Redakteurin und Verlagsassistentin im Verlag Welt der Frau. Von 1992 bis 1993 war sie Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Caritas Oberösterreich, ehe sie 1993 Chefredakteurin der Welt der Frau wurde. Zusätzliche Aufgaben übernahm sie als Moderatorin und Autorin mehrerer Bücher („Gartenmenschen“, „Maximilian Aichern – Bischof mit den Menschen“ oder „Vielleicht bin ich ja ein Wunder. Gespräche mit Hundertjährigen“). Sie ist Mitbegründerin des Frauennetzwerkes im OÖ. Presseclub und seit 2007 Präsidentin des OÖ. Presseclubs. Seit Herbst 2008 außerdem Kolumnistin der OÖNachrichten „Haiden am Donnerstag“.

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