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Damenwahl #3

Anmerkungen zur politischen Lage, 21. Juli 2019

In der kommenden Woche wird die glücklose Theresa May britische Geschichte sein. Man wird sich nicht bei ihr bedanken. Dabei hätte sie zumindest vorzuweisen, dass sie nicht wie ihr Nachfolger mit einer populistischen Kampagne durch die Länder gezogen als es um die Frage „Yes“ oder „No“ zum Ausstieg des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union gegangen ist. Denn als der beim Volk mit knapper Mehrheit durch war, haben sich dessen Propagandisten, darunter Boris Johnson, in die politischen Ferien verabschiedet. Die etwas hölzern wirkende Theresa May, voll des Pflichtgefühls und des Wunsches für ihr Land alles gut zu machen, mühte sich mit einem Deal ab, der umsetzen sollte, was manipulierter Volkswille war. Sie scheiterte sozusagen glorios. Wurden anfangs mit erwartbarer Regelmäßigkeit ihre Schuhe zum Thema, war es am Ende ihre angebliche Splendid Isolation in der Downing Street.

Doch nun erwarten die Briten den Messias zurück. Boris Johnson, der wie sein blonder älterer „Bruder“ jenseits des großen Teiches mehrfach der Lüge überführt worden ist, den angeblich  niemand mag, der näher mit ihm gearbeitet hat, und dem es nach Angaben vertrauter Menschen nicht um das Land, sondern ausschließlich um sich selbst geht, wird Theresa May folgen. Seine Partei, die Tories, die ihn gut kennen sollte, wird ihn zum Vorsitzenden wählen. Die folgende Bespaßung mit Lügen und  Aufschneidereien aller Art wird Politik einmal mehr einer Reality-Show ähnlicher machen als dem ernsthaften Verhandeln widerstreitender Interessen.

Als Frage bleibt dann doch: Warum wollen Menschen offenbar auf Verführer und Narzisten hereinfallen? Und warum funktioniert dieses Muster praktisch nur mit Männern? Zumindest mir fällt kein vergleichbares weibliches Pendant ein. Weil Messias in unserer Kulturgeschichte einfach immer schon ein fehlendes X-Chromosom vorausgesetzt hat? Oder sind Frauen einfach noch zu feig, schamlos um der Macht willen zu lügen und zu betrügen? Also, wenn es sonst niemand sagt: Thanks to Theresa May – Sie haben trotz allem einen guten Job gemacht. Vielleicht erkennt man das erst, wenn der vermeintliche Messias die Sache so richtig in den Sand gesetzt hat.

Foto: Frederic Legrand – COMEO / Shutterstock.com

Christine Haiden

Dr.in Christine Haiden wurde am 2. März 1962 in Euratsfeld, Niederösterreich, geboren, maturierte 1980 in Amstetten. Ihr Jusstudium in Linz schloss sie 1984 ab, danach absolvierte sie ihr Gerichtsjahr. 1986 begann Christine Haiden als Redakteurin und Verlagsassistentin im Verlag Welt der Frau. Von 1992 bis 1993 war sie Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Caritas Oberösterreich, ehe sie 1993 Chefredakteurin der Welt der Frau wurde. Zusätzliche Aufgaben übernahm sie als Moderatorin und Autorin mehrerer Bücher („Gartenmenschen“, „Maximilian Aichern – Bischof mit den Menschen“ oder „Vielleicht bin ich ja ein Wunder. Gespräche mit Hundertjährigen“). Sie ist Mitbegründerin des Frauennetzwerkes im OÖ. Presseclub und seit 2007 Präsidentin des OÖ. Presseclubs. Seit Herbst 2008 außerdem Kolumnistin der OÖNachrichten „Haiden am Donnerstag“.

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