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Damenwahl #11

Anmerkungen zur politischen Lage, 15. September 2019

Freda Meissner-Blau, Madeleine Petrovic, Eva Glawischnig und Ulrike Lunacek, alle sind sie schon Geschichte. Haben Frauen den Grünen bisher kein Glück gebracht? Damit man die „Ökopartei“ wieder wählen kann, brauchte es jetzt Werner mit der grünen Brille. Gerade die Partei, die Geschlechterparität wie keine zweite umzusetzen versucht, versank unter weiblicher Führung im Nirwana der bundespolitischen Bedeutungslosigkeit. Die naheliegende, womöglich aber auch ganz unpassende Frage ist: Können es die Frauen doch nicht? Oder ist es bloß eine Laune der Geschichte?

Dabei hatten gerade die Grünen es mit einer weiblichen Frontfrau 1986 erstmals in das Parlament geschafft. Freda Meissner-Blau und die sieben wilden Burschen – unter ihnen Peter Pilz – mischten das Plenum des Nationalrats mit bis dahin ungewohnten Aktionen auf. Meissner-Blau konnte sich in der Riege großer Egos allerdings nur unzureichend durchsetzen und resignierte nach zwei Jahren. Manche meinten hinterher, sie sei ohnehin nur aus strategischen Gründen an die Spitze gehievt worden. Als bekannte Umweltaktivistin, „Club 2“-Moderatorin und ältere Frau mit imposantem Auftreten hätte sie nach außen ein gutes Bild abgegeben. Zudem hätten sich die wenig harmonierenden Flügel der Fraktion nie auf einen aus ihren Reihen einigen können.
Wer erinnert sich noch an Madeleine Petrovic, die Anfang der 1990er Jahre den heute noch immer präsenten Johannes Voggenhuber an der Parteispitze ausbremste? Als erste Grüne wurde sie medientechnisch gecoacht und fernsehtauglich gestylt. Was sie sichtlich auslaugte, da die smarte Business-Madeleine offenbar nicht ganz authentisch lebbar für sie war. Nach Niederlagen bei Wahlen war ihr Ende besiegelt. Als niederösterreichische Landtagsabgeordnete und Tierschützerin konnte sie wieder zu ihrem uneitel legeren Stil zurückkehren.
Professor Alexander Van der Bellen brachte hierauf Ordnung ins grüne Gefüge und forcierte als Nachfolgerin Eva Glawischnig. Sie legte optisch das Birkenstock-Image ihrer Partei ganz ab und passte auch gut in Modestrecken gängiger Frauenmagazine. Als sie ging, schien sie völlig erschöpft. Ihr Wechsel zum Glücksspielkonzern Novomatic erschütterte grüne IdealistInnen bis ins Mark.
Als kurz darauf unerwartet Neuwahlen ausgerufen wurden, kam als „Notkandidatin“ die Europaerfahrene Ulrike Lunacek zum Zug. Sie führte die Partei tapfer durch den Wahlkampf, aber so richtig überzeugen konnte sie nur inhaltlich. Was in Zeiten wie diesen offenbar zu wenig ist.

Beim Einsammeln der Scherben und dem Neuverkleben von Werten und Funktionären bewährt sich nun ein hemdsärmeliger, bodenständiger, etwas goscherter Typ. Der Trümmermann, sozusagen. Vielleicht misst man aber auch dem Geschlecht des oder der Vorsitzenden zu große Bedeutung bei. Es sind die großen Themen und die Strömungen der Zeit, die Führungspersönlichkeiten mit Rückenwind groß werden und mit Gegenwind scheitern lassen. Werner Kogler scheint es gerade gut erwischt zu haben.

Fotos: Wikimedia Commons / Die Grünen

Christine Haiden

Dr.in Christine Haiden wurde am 2. März 1962 in Euratsfeld, Niederösterreich, geboren, maturierte 1980 in Amstetten. Ihr Jusstudium in Linz schloss sie 1984 ab, danach absolvierte sie ihr Gerichtsjahr. 1986 begann Christine Haiden als Redakteurin und Verlagsassistentin im Verlag Welt der Frau. Von 1992 bis 1993 war sie Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Caritas Oberösterreich, ehe sie 1993 Chefredakteurin der Welt der Frau wurde. Zusätzliche Aufgaben übernahm sie als Moderatorin und Autorin mehrerer Bücher („Gartenmenschen“, „Maximilian Aichern – Bischof mit den Menschen“ oder „Vielleicht bin ich ja ein Wunder. Gespräche mit Hundertjährigen“). Sie ist Mitbegründerin des Frauennetzwerkes im OÖ. Presseclub und seit 2007 Präsidentin des OÖ. Presseclubs. Seit Herbst 2008 außerdem Kolumnistin der OÖNachrichten „Haiden am Donnerstag“.

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