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Damenwahl #10

Anmerkungen zur politischen Lage, 8. September 2019

Um die Kunst des Komplimentemachens ging es in einer Diskussion, die Bundesländerzeitungen mit den SpitzenkandidatInnen der großen wahlwerbenden Parteien angesetzt hatten. Die schwierige Aufgabe, einem zugelosten Kandidaten einer anderen Fraktion etwas Positives nachzusagen, meisterten Frauen und Männer auffallend unterschiedlich.

Pamela Rendi-Wagner attestierte dem Grünen Werner Kogler, ein „gut gelaunter, humoristischer Zeitgenosse“ mit Hang zum Welterklären zu sein. NEOS-Frontfrau Beate Meinl-Reisinger findet die Reden von Peter Pilz „unterhaltsam“, weswegen er ihr im kommenden Parlament fehlen würde. Sind beide, in dieselbe Richtung gehende Befunde dem geschuldet, dass Pilz und Kogler politische Haudegen mit ähnlich langer, grüner Vergangenheit sind und daher schon im Stadium des Ironisierens angekommen? Oder schätzen Frauen an Männern ihren Unterhaltungswert mehr als ihre inhaltlichen Positionen?

Interessant, was im Gegensatz dazu über die beiden Frauen gesagt worden ist. Der blaue Norbert Hofer lobte Beate Meinl-Reisinger als „sehr engagierte Politikerin, die es schafft, diesen schweren Beruf mit drei Kindern unter einen Hut zu kriegen“, das verdiene sich „wirklich“ Respekt. Na geh, jetzt lobt ein Blauer eine „Karrierefrau“ statt sie nach Hause zu den Kindern zu wünschen? Dabei hat er doch selbst vier Kinder, ist also ein Karrieremann mit noch viel weiter reichenden Familienpflichten. Immerhin konnte er, als er nach „Ibiza“ die Partei übernehmen musste, nicht mit seiner jüngsten Tochter den L17-Führerschein machen, wie er staatstragend in einer Pressekonferenz feststellte. Vielleicht kam es im Statement von Norbert Hofer über Frau Meinl-Reisinger aber auch auf das „wirklich“ an. Wenn man es liest als sei es ein „eigentlich“, hört man anderes durch. Beispielsweise: Was ist das eigentlich für eine Frau, die im März ein drittes Kind zur Welt bringt, und dann lieber wahlkämpft als Windeln wechselt? Also wirklich!

Ex-Kanzler Kurz hatte übrigens die Aufgabe, Pamela Rendi-Wagner ein Kompliment zu machen. „Ich finde, dass sie eine gebildete, kämpferische, hoffentlich auch in der Partei erfolgreiche Frau ist.“ Auch er scheint ihr im zweiten Teil des Kompliments ein „Schinkerl“, wie das im Fußball heißt, wenn man dem Gegner gegen das Bein tritt, mitgeben zu wollen. Erstens flunkert, wer sich wünscht, dass die Oppositionsführerin stark ist, und sagt zweitens damit vielmehr, sie bringe in der Partei „eigentlich“ nichts zusammen. Da sollte man wohl am besten mit Kazimira Prunskienė (Foto), der ersten litauischen Ministerpräsidentin, kontern. Sie meinte einst lakonisch: „Es stimmt, dass eine Frau doppelt so gut sein muss wie ein Mann. Aber Gott sei Dank ist das nicht besonders schwer.“

Foto: Evgenia Levin / wikimedia.org

Christine Haiden

Dr.in Christine Haiden wurde am 2. März 1962 in Euratsfeld, Niederösterreich, geboren, maturierte 1980 in Amstetten. Ihr Jusstudium in Linz schloss sie 1984 ab, danach absolvierte sie ihr Gerichtsjahr. 1986 begann Christine Haiden als Redakteurin und Verlagsassistentin im Verlag Welt der Frau. Von 1992 bis 1993 war sie Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Caritas Oberösterreich, ehe sie 1993 Chefredakteurin der Welt der Frau wurde. Zusätzliche Aufgaben übernahm sie als Moderatorin und Autorin mehrerer Bücher („Gartenmenschen“, „Maximilian Aichern – Bischof mit den Menschen“ oder „Vielleicht bin ich ja ein Wunder. Gespräche mit Hundertjährigen“). Sie ist Mitbegründerin des Frauennetzwerkes im OÖ. Presseclub und seit 2007 Präsidentin des OÖ. Presseclubs. Seit Herbst 2008 außerdem Kolumnistin der OÖNachrichten „Haiden am Donnerstag“.

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