70.000 Kilometer ist Christine Thürmer bereits marschiert. Was das Gehen mit Glück zu tun hat, wie es das Selbstvertrauen stärkt und welche Vorteile Frauen beim Wandern haben.
Sie ist weder sportlich noch hat sie einen guten Orientierungssinn. Auch schwindelfrei ist sie nicht. Und doch gilt Christine Thürmer als „meistgewanderte Frau der Welt“. Alle Kilometer zusammengerechnet, ist sie schon mehr als eineinhalbmal um die ganze Erde marschiert.
Wenn die 184 Zentimeter große Frau bei einem ihrer Auftritte auftaucht, erntet sie meist skeptische Blicke: eine Frau knapp unter 60, die auch so aussieht, mit Plattfüßen, X-Beinen und zehn Kilo Übergewicht, wie sie selbst sagt. Mit den durchtrainierten Outdoor-Influencer:innen in den sozialen Medien hat sie nichts gemeinsam. Das ist ihr auch herzlich egal. Ihre fünf Bücher sind Bestseller, auf Facebook und Instagram folgen ihr knapp 100.000 Menschen – übrigens zu 75 Prozent Frauen zwischen 45 und 65 Jahren. Laut Thürmer hat das vor allem zwei Gründe: „Ich bin ein glaubwürdiges Rollenmodell und schon rein optisch eine von ihnen.“ Und: „Es fehlen weibliche Rollenmodelle. Ich gehöre zur zweiten Generation Frauen, die sowohl die finanziellen als auch die persönlichen Möglichkeiten haben, sich abseits vom Kinderkriegen und Enkelbetreuen für Outdoor zu interessieren.“
Christine Thürmer ist zwar auch mit dem Fahrrad und dem Paddelboot unterwegs, doch das Wandern ist ihre „größte Liebe“. „Einen Fuß vor den anderen setzen kann jede:r“, sagt sie. Sie selbst hatte zum Beispiel im Schulsport eine Vier. „Man kann viel mehr schaffen, als man von sich selber glaubt oder einem von anderen zugetraut wird.“
