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06/2026

80 Jahre „Welt der Frauen“: Zwei Wegweiserinnen im Gespräch

80 Jahre „Welt der Frauen“: Zwei Wegweiserinnen im Gespräch
Foto: privat/kfb und Alexandra Grill
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  • Veröffentlicht: 17.05.2026
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Zum 80-jährigen Bestehen von „Welt der Frauen“ sprechen Christine Haiden, langjährige Chefredakteurin, und Eigentümervertreterin Margit Hauft über prägende Entwicklungen.

Zum 80-jährigen Jubiläum von „Welt der Frauen“ blicken zwei prägende Stimmen auf Geschichte und Haltung des Magazins zurück. Die ehemalige Chefredakteurin Christine Haiden und Eigentümervertreterin Margit Hauft sprechen über Mut, Feingefühl und den Balanceakt zwischen Tradition und Öffnung. Ein Gespräch über journalistische Verantwortung, gesellschaftlichen Wandel und die Frage, wie viel Fortschritt Frauen sich erkämpfen mussten und wie fragil dieser bleibt.

Was verbindet Sie mit „Welt der Frauen“?
Christine Haiden: Ich war von 1993 bis 2021 Chefredakteurin. Gleich nach meinem Gerichtsjahr habe ich am 1. Jänner 1986 bei „Welt der Frau“, wie sie damals noch hieß, sozusagen als Lehrling angefangen.

Margit Hauft: Ich war von 2000 bis 2011 Vorsitzende der kfb Österreich, als solche Eigentümervertreterin und damit zuständig für „Welt der Frau“. In sehr vielen Pfarren wurde lange Zeit ein Abo von „Welt der Frau“ geschenkt, wenn Paare geheiratet haben oder eine Frau ein Baby bekommen hat. Wenn ich als kfb-Vorsitzende in die Pfarren hinausgefahren bin, habe ich Lob, aber auch Kritik zu hören bekommen. Die Frauen haben die „Welt der Frau“ als „ihre Zeitschrift“ betrachtet, in der nicht zu viel Werbung abgedruckt sein sollte.

Die enge Bindung zu den Leser:innen war also immer schon spürbar?
Hauft: Ja. Es gab auch sehr viele Frauen, die die „Welt der Frau“ in ihren Pfarren ausgetragen und dabei erfahren haben, was die Leserinnen dazu sagen.

Haiden: Die „Welt der Frauen“ war immer eine reine Abo-Zeitschrift. Das bedingt, dass die Glaubwürdigkeit ihr Hauptkapital ist. Die Leute zahlen im Vorhinein etwas, das sie nicht kennen. Ihr hohes Vertrauen ist etwas Spezielles.

Wie haben Sie sich als Eigentümervertreterin eingebracht, Frau Hauft?
Hauft: Ich habe immer versucht, mich im Sinn der Frauen einzubringen. Frauen aus verschiedenen Lebensbereichen sollten sich im Heft wiederfinden.

Frau Haiden, würden Sie sich für uns an Ihre Anfänge als Chefredakteurin erinnern?
Haiden: Ich war relativ jung, Anfang 30, als ich in einer kirchlichen Umbruchzeit Chefredakteurin geworden bin. Die kfb als Eigentümerin hat die Grundlinie vorgegeben, aber im Wesentlichen haben wir völlig frei unsere Hefte gemacht. Für uns war die Herausforderung, unserem Auftrag treu zu bleiben. Wir haben lange mit der kfb und ihrem großen kirchlichen Umfeld in einem sicheren Hafen geankert. Aber dann mussten wir hinaus ins freie Meer. Das hat ein ständiges Austarieren gebraucht zwischen sich weiterentwickeln und trotzdem einer sehr starken Kernleserinnenschicht treu bleiben. Die kfb-Frauen waren nicht die Einzigen, die die „Welt der Frau“ gelesen haben. Die kfb hat auch festgelegt, dass wir nicht eine weitere kfb-Zeitung im Sinne einer Mitgliederzeitung sind, sondern versuchen sollten, die Frauen zu erreichen, die man mit den innerkirchlichen Strukturen nicht erreicht. In dieser Spannung haben wir uns bewegt.

„Wenn man den Auftrag ernst nimmt, die Themen der Frauen aufzugreifen, muss man die gegenwärtige Situation darstellen.“
Christine Haiden

Welche „Aufreger“ haben Sie in diesem Spannungsfeld produziert?
Haiden: Manchmal haben wir den Bogen ein wenig überspannt. Wir hatten einmal eine Geschichte, in der es um sexuelle Befreiung ging, und berichteten über eine Frau, die ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann hatte. Das war für die kfb-Frauen ein bisschen zu viel. Ein anderes Mal hatten wir in der Beratungskolumne von Christiane Sauer, der damaligen diözesanen Ehe- und Familienberaterin, das Thema, wie man Kondome beim Liebesspiel einsetzen kann. Daraufhin hat mich ein Bischof höchstpersönlich angerufen.

Hauft: Und mich hat er persönlich zu sich zitiert, um mir etwas umständlich zu erklären, welche Themen in einer christlichen Frauenzeitschrift keinen Platz haben dürfen.

Haiden: Das ist für uns schon ein bisschen unter kurios gefallen, im Verhältnis zu dem, wo die Welt gestanden ist.

Man kann also sagen, dass „Welt der Frau“ durchaus mutig gewesen ist …
Haiden: Na ja, sagen wir: kontrolliert mutig. Wir haben nie etwas getan, mit dem wir die Leserinnen total verprellt haben. Aber wir haben durchaus Signale gesetzt, mit denen man auch Frauen mitnehmen konnte, die nicht kirchlich sozialisiert waren.

Auf jeden Fall hat eine Öffnung stattgefunden.
Haiden: Das war aus verschiedenen Gründen notwendig. Wenn man den Auftrag ernst nimmt, die Themen der Frauen aufzugreifen, muss man die gegenwärtige Situation darstellen. Andererseits gab es auch einen ökonomischen Auftrag. Die „Welt der Frau“ hat nie Förderungen bekommen. Wir mussten uns selbst erhalten. Lange Zeit hatten wir relativ geringe Vertriebskosten, weil es an die 1.000 Frauen gab, die das Heft ausgetragen haben. Und wenn eine Verteilerin aufgehört hat, hat sie selbst ihre Nachfolgerin gesucht. Das ehrenamtliche Austragen hat schleichend aufgehört, als sich die Lebensläufe der Frauen verändert haben, immer mehr Frauen berufstätig wurden. Anfang der 1990er-Jahre, als Johanna Dohnal Frauenministerin war, kam sehr viel in Bewegung, und dann auch mit den Ministerinnen Helga Konrad und Barbara Prammer. Das waren starke Frauenministerinnen, die auch mit der kfb enge Kontakte gepflegt haben. Man hat sich gegenseitig unterstützt.

„Gesellschaftspolitisches Engagement war für uns selbstverständlich – für Frauen und über Partei- und Konfessionsgrenzen hinweg.“
Margit Hauft

Was waren Stationen in der Entwicklung der Frauenrechte, die Sie begleitet haben?
Hauft: Wenn zum Beispiel eine Frauenministerin etwas Markantes wie „halbe-halbe“ gesagt hat, hat sich das bei uns dann auch sofort niedergeschlagen.

Haiden: Kinderbetreuung war auch immer ein Kampfthema.

Hauft: Genau. Und vorher noch „Hausfrau gegen berufstätige Frau“. Da musste die „Welt der Frau“ die Leserinnen in deren persönliche Situationen mitnehmen und Verständnis füreinander fördern.

Haiden: Die kfb hat eine sehr offensive Öffentlichkeitsarbeit betrieben, hatte ein sehr politisches Verständnis von ihrer Position, auch innerkirchlich. Und die Position von Frauen innerhalb der katholischen Kirche ist mindestens so kontrovers wie in der Gesellschaft gewesen, und da seid ihr immer sehr diplomatisch, aber auch sehr klar gewesen.

Hauft: Genau. Wenn beispielsweise in Wien eine große Demo gegen den Irak-Krieg stattgefunden hat, war klar, dass ich mit einer Muslima gemeinsam dort oben auf der Bühne stehe. Gesellschaftspolitisches Engagement war für uns selbstverständlich – für Frauen und über Partei- und Konfessionsgrenzen hinweg.

Wie beurteilen Sie die Situation heute?
Hauft: Es ist erschreckend: Vielen Frauen ist es egal, was sich politisch tut, weil sie sagen: „Damit fange ich mir gleich nichts an, vieles ist ohnehin nicht zu ändern!“

Haiden: Wir haben eine Phase erreicht, wo Frauen tatsächlich sehr vieles möglich ist. Das nützen viele junge Frauen – bis die Erfahrungen aus dem persönlichen Leben kommen, wo man dann sieht: Aha, das funktioniert doch noch nicht so.

Foto: Welt der Frauen
Ausgabe 11/1973
Foto: Welt der Frauen
Ausgabe 03/1993
Foto: Welt der Frauen
Ausgabe 07/08/2001
Foto: Welt der Frauen
Ausgabe 05/2020

Welche Rolle spielt ein Medium wie „Welt der Frauen“?
Haiden: Es war immer unsere Linie, zu versuchen, über das erste Aktuelle hinauszublicken: Was kann noch dahinter sein? So kommt man zu grundsätzlichen Lebenshaltungsfragen, die in Richtung Lebenshilfe gehen können. Die Möglichkeiten der Frauen sind ein Thema der individuellen Entwicklung, aber auch von gesellschaftlichen Möglichkeiten geprägt. Das zu verschränken und den Zusammenhang zu sehen und herzustellen, war uns wichtig. Und die „Welt der Frauen“ ist von ihrem Anspruch her eine Zeitschrift, die man nicht so schnell nebenher liest. Die Qualität war immer maßgeblich. Viele Frauen haben gesagt, sie können das Heft nicht wegschmeißen. Das habe ich immer als das beste Kompliment empfunden.

Das Engagement hat aber weit über das „Hefte-Machen“ hinausgereicht.
Haiden: Wir haben 1991 mit Tschernobyl-Hilfsaktionen begonnen und waren dann unter anderem auch in Rumänien, im Kosovo, in Bosnien, haben etwa eine Frauenschlafstelle in Mostar eingerichtet.

Vor welchen Herausforderungen stehen Frauen heute?
Haiden: In unserer mitteleuropäischen Kultur haben wir wirklich ein unglaubliches Maß an Gleichberechtigung erreicht. Aber man muss angesichts aktueller politischer Entwicklungen sehr wachsam sein, weil diese Rechte sehr jung sind, und es überhaupt nicht sicher ist, dass das in den nächsten 50 Jahren auch so bleibt.

Hauft: Für mich ist die größte Herausforderung Wachsamkeit: Wo werden jetzt Abstriche gemacht? Man denke an Bewegungen wie die Tradwives, deren Ziel es ist, das alte Rollenbild wieder aufleben zu lassen und als zukunftsträchtig zu „verkaufen“. Dort, wo man das Gefühl hat, dass das schon offener war, müssen wir genau hinschauen. Damit Frauen die Chance haben, selbst zu wählen.

Melanie Wagenhofer

Chefredakteurin Print und Podcast

Ein Nachrichtenjunkie vertieft sich: Nach vielen Jahren im Tagesgeschäft liebt Melanie Wagenhofer es, sich ausführlich mit dem, was Frauen bewegt, zu beschäftigen und darüber zu schreiben – vorzugsweise, wenn es dabei um Zeitgeschichte, Kultur, Reisen, Kulinarik und besondere Menschen geht. Die gebürtige Mühlviertlerin hat Deutsch und Geschichte studiert und mehrere Bücher geschrieben.

[email protected]

Foto: Barbara Aichinger


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