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Christina Gindl lebt zwischen Wellentanz und Tiefenrausch

Christina Gindl lebt zwischen Wellentanz und Tiefenrausch
Foto: Antonio Saraiva
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  • Veröffentlicht: 07.07.2025
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Wenn tosende Wellen und Stille aufeinandertreffen: Surferin und Apnoetaucherin Christina Gindl beherrscht Portugals wildes Meer in all seinen Facetten.

Frau Gindl, wie kommt man als Österreicherin zum Surfen?

Ich war schon immer sehr sportlich und habe auch in Österreich, wo ich aufgewachsen bin, Wassersportarten wie Wakeboarden, Kitesurfen oder Wasserski betrieben. Mit dem Surfen habe ich aber erst vor acht oder neun Jahren angefangen, was in diesem Sport relativ spät ist. Als ich nach dem Studium ins Ausland gegangen bin, um für eine NGO auf Mauritius zu arbeiten, habe ich zunächst mit dem Kitesurfen weitergemacht, wobei man auch hier viel vom Surfen verstehen muss. Zum Beispiel, wo ein Riff oder eine Sandbank ist, wo eine Welle bricht und so weiter. Auf Anraten meiner Freunde habe ich dann Surfen ausprobiert. Ich war mir sicher, dass ich das genauso schnell lernen würde wie alle anderen Sportarten, weil mir das immer leicht gefallen ist. Also lieh ich mir ein Surfbrett aus und paddelte los – und erwischte keine Welle. Aber ich blieb hartnäckig, ich bin gerne der Underdog, schaue mir alles genau an und studiere es. Nach und nach erwischte ich Wellen und wurde süchtig.

Was hat Sie nach Portugal gebracht?

Obwohl meine gesamte Familie in Niederösterreich lebt und ich sie sehr vermisste, spielte ich kurz mit dem Gedanken, ganz nach Indonesien auszuwandern, wo ich nach Mauritius drei Jahre gelebt und richtig surfen gelernt habe. Aber ich wollte noch schauen, ob es auch in Europa einen Ort gibt, der mir gefällt, und bin auf Portugal gestoßen. Dort angekommen, war es erst einmal ein Schock, wie windig und kalt das Wasser und wie rau die Wellen sind. Im Winter sind sie oft doppelt so hoch wie ich, etwa drei bis vier Meter. Trotzdem wollte ich es versuchen, investierte in besseres Material und war ein halbes Jahr später total begeistert, es war atemberaubend. Ich wohne in Ericeira, das an einer wunderschönen Steilküste aus Stein mit tollen Stränden liegt. Ich identifizierte mich sofort mit der Natur, die mich teilweise an Österreich erinnert hat.

 

„Surfen fällt mir leicht. “
Christina Gindl

Der Surfsport gilt als Männerdomäne, außer Ihnen gibt es nur wenige Frauen in der Community, die sich bei den großen „Winter-Swells“, also besonders hohen Wellen, auf das ungestüme Meer Portugals wagen. Wie wurden Sie vor Ort aufgenommen?

Die SurferInnen wollen wie überall auf der Welt ihre „Spots“ beschützen. Vor allem vor den Menschenmassen, die mittlerweile auch dort surfen wollen. Als ich ankam, war es noch viel ruhiger. Der Surfboom setzte erst später ein. Grundsätzlich gilt: Wenn du viel Zeit an einem Spot verbringst und dich respektvoll verhältst, dann respektieren sie dich auch. Das habe  ich auch so erlebt. Manchmal hatte ich aber auch das Gefühl, dass die Surfer dir als Frau nichts zutrauen – es sei denn, du beweist ihnen das Gegenteil. Manche sind sehr unfreundlich, andere sehr nett und hilfsbereit. Aber es stimmt schon: Der Sport ist auf jeden Fall männerdominiert.

Sie sind nicht nur Surferin, sondern auch Apnoetaucherin. Das klingt nach zwei Extremen, die sich nur schwer vereinen lassen.

Surfen fällt mir leicht. Es ist „mein“ Sport. Aber ich habe schnell erkannt, dass ich einen Ausgleich brauche, der mich zwingt, ruhiger zu sein, nach innen zu denken und meinen Körper nach unten zu bringen. Am Anfang fand ich Tauchen allerdings oft sehr langweilig, weil es mir zu ruhig war. Aber je mehr Zeit ich unter Wasser verbrachte, desto mehr verstand ich, wie wichtig die Atemtechnik ist – auch beim Surfen! Beim Apnoetauchen musste ich diese Ruhe erst lernen – im Hier und Jetzt zu sein und sich der Situation hinzugeben. Doch man darf es auch nicht unterschätzen. Es ist ein gefährlicher Extremsport, vor allem, wenn man zu tief geht. Ich liebe das Surfen, das Adrenalin, die großen Wellen. Beim Tauchen hingegen lerne ich viel Geduld, meine Grenzen zu akzeptieren und nicht zu pushen.

In der Welt des Surfens haben Sie sich bereits einen Namen gemacht und wichtige Sponsorenverträge ergattert. Was möchten Sie im Jahr 2025 noch erreichen?

Die Frage nach den Zielen ist eine schöne, aber auch schwierige. Ich habe viele Ziele – und dann auch wieder nicht. Ich bin sehr glücklich und dankbar dort, wo ich jetzt bin. Doch natürlich gibt es Dinge, die man als Athletin erreichen möchte. Beim Surfen sind es noch größere Wellen, beim Tauchen noch mehr Entdeckungen unter Wasser. Man kann nicht nur in die Tiefe tauchen, sondern auch Höhlen oder ungewöhnliche Spots erkunden oder mit Lebewesen schwimmen. Eines ist sicher: Im Frühling möchte ich ein außergewöhnliches Apnoeabenteuer erleben. Ich habe schon etwas geplant, vielleicht erzähle ich bald davon. Den Winter werde ich dann wieder in Portugal verbringen, um mich auf die Winter-Swells und das Surfen zu konzentrieren.

Foto: Antonio Saraiva

Christina Gindl lebt, surft und taucht im portugiesischen Ericeira, einem Fischerdorf, 40 Kilometer von der Hauptstadt Lissabon entfernt. Die 33-jährige Österreicherin beschreibt sich selbst als „Wasserfrau, Surferin und Apnoetaucherin, die andere ermutigen möchte“. Ihr Leben mit dem Ozean, den Wellen und der Natur ist auch im Dokumentarfilm „Fifth Tide“ zu sehen.

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