Herausgeberin Christiane Feigl spricht mit Magazin-Chefredakteurin Melanie Wagenhofer über ihre „Mission“, die DNA von „Welt der Frauen“ und Zukunftsperspektiven.
„Das Großartige an ‚Welt der Frauen‘ ist, dass jedes Thema aus unterschiedlichsten Perspektiven betrachtet wird“, zeigt sich eine langjährige Abonnentin bei einer persönlichen Begegnung begeistert. Das Magazin sei seit jeher nah an der Lebensrealität von Frauen, ergänzt Herausgeberin Christiane Feigl. Die in Wien lebende gebürtige Linzerin ist vor bald 20 Jahren in die „Welt der Frau“, wie sie damals noch hieß, eingetaucht. Zunächst als Geschäftsführerin. Dass sie das Magazin 2023 von der Katholischen Frauenbewegung Oberösterreich (kfb oö) zur Gänze als Eigentümerin übernommen hat, zeigt die Verbundenheit und das Potenzial, das sie darin erkennt. Über die Entstehung einer Marke.
Frauen stärken
„Es liegt in unserer DNA, Frauen zu stärken, damit sie ein gutes, selbstbestimmtes Leben führen können“, betont die Herausgeberin. Am Anfang stand gleich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges das schmale Heft „Licht des Lebens“, das die Leser:innen mit seinen Inhalten wieder aufrichten sollte. Das wertebasierte christliche Umfeld verfügte über die notwendigen Hebel, um Frauen zu unterstützen, so Feigl: „Gemeinschaft, aber auch Spiritualität und der Glaube halten dazu an, hinauszugehen und wirksam zu werden.“
Die erste Chefredakteurin Friedl Lenzeder habe das Magazin in den 1960er-Jahren aus dem kirchlichen „Dornröschenschlaf“ erweckt. Wie überhaupt es die meist langjährigen Chefredakteurinnen gewesen seien, die das Heft stets maßgeblich geprägt hätten, so Feigl. Aus „Licht des Lebens“ wurde 1964 „Welt der Frau“ und 2018 schließlich im Zeichen der Vielfalt „Welt der Frauen“ – gleich geblieben ist, dass sich das Magazin Frauenthemen stets realitätsnah annimmt, Leser:innen gut informiert und ihnen Selbstbewusstsein geben möchte. „Eine Gemeinschaft unter Frauen bedeutet, dass man sich solidarisch zeigt, gegenseitig unterstützt und dadurch auch an Lebensqualität gewinnt. Und darin sieht die ‚Welt der Frauen‘ ihre Rolle. Das ist unser Markenkern, der bis heute Gültigkeit besitzt und für mich ein Alleinstellungsmerkmal darstellt, gerade auch in der langen Zeit, in der wir das konsequent tun“, betont Feigl.
All das begründet eine große Verbundenheit mit den Leser:innen. In vielen Familien wird das Magazin von Generation zu Generation weitergegeben und gelesen. Für Verbundenheit steht auch der Vertrieb im Abonnement. „Wir wollen wissen, wer uns liest, und mit unseren Leserinnen in Dialog treten“, so Feigl. „,Welt der Frauen‘ ist tendenziell für lange Beziehungen gemacht.“
„Wir mischen uns ein“
In den 1970er- und 1980er-Jahren erlebte Frauenpolitik einen Aufschwung, die Katholische Frauenbewegung und „Welt der Frau“ waren engagiert mit dabei. Gleichstellung ist bekanntlich trotz allem noch lange nicht erreicht. „Wir kämpfen immer noch und mischen uns ein“, sagt Feigl. „Welt der Frauen“ thematisiert Schieflagen zwischen den Geschlechtern und mögliche Lösungen nicht nur im Printmagazin, sondern diskutiert auch im Rahmen von Veranstaltungen regelmäßig mit Expert:innen und politischen Verantwortungsträger:innen darüber. „Für uns ist das kein Lifestyle-Thema. Wir sehen es als Mission, Frauen zu unterstützen.“
Zu einem selbstbestimmten Leben gehört es, für sich selbst sorgen zu können. Das gilt nicht nur für Frauen, die von „Welt der Frauen“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Frauen und Finanzen“ in dieser Hinsicht seit vielen Jahren gestärkt werden, sondern auch für das Medium selbst: „Das Magazin war finanziell nie abhängig, wurde immer von den Leser:innen finanziert. Die Eigenständigkeit war auch für die kfb immer wichtig.“ Auch die Redaktion arbeitet immer schon unabhängig. Ganz bewusst gibt es nur sehr wenig Werbung im Magazin, die monetäre Basis kommt von den Abonnent:innen, die ihm in großer Zahl die Treue halten.
„Wir sind nicht nur wegen des qualitativ hochwertigen Inhalts quasi das Ö1 unter den Frauenmagazinen“, so Feigl. „Für uns bedeutet Werbung Kooperationen. Das heißt, wir teilen Inhalte mit Partner:innen, die auch dieselben Anliegen und Themen haben.“ Das sind etwa die Frauenreferate in verschiedenen Bundesländern, aber auch große Institutionen, die sich für Frauen einsetzen.
Christiane Feigl, die zuvor schon im Medienbereich in Deutschland und später für einen großen Automobilkonzern tätig war, übernahm 2008 die wirtschaftlichen Belange von „Welt der Frauen“. Seitdem hat sie die Kommunikation mit den Abonnent:innen vorangetrieben, den Auftritt nach außen forciert und das Portfolio erweitert. Und wurde dafür auch von der kfb mit großem Pouvoir ausgestattet. In Zusammenarbeit mit der damaligen Chefredakteurin Christine Haiden sind Produkte wie die Veranstaltungsreihen oder auch der Newsletter „Post aus der Redaktion“ etabliert worden.
Man hat sich eine breite Expertise erarbeitet: Heute sind Redakteur:innen als Moderator:innen gefragt, die Redaktion begleitet Filmpremieren in Kinos medial oder wird in Jurys eingeladen. „Überall, wo es darum geht, Frauen mit qualitativ hochwertigen Inhalten zu versorgen, sind wir die erste Adresse.“ Seit mehreren Jahren ist „Welt der Frauen“ auch als Podcast hörbar, und jährlich wird ein Abreißkalender mit motivierenden Sprüchen getextet, der sich großer Beliebtheit erfreut. Der Verlag gestaltet Printprodukte für den kirchlichen Bereich und bringt selbst Bücher heraus. „Welt der Frauen ähnelt ja als Medium viel mehr einem Buch als einer Tageszeitung. Wir nehmen Themen wie das Pilgern heraus und vertiefen es in umfangreicheren Publikationen.“
Chance Digitalisierung
Nach wie vor bilde das Magazin die „Grundlage von allem, das Herzstück“, betont die Herausgeberin. Und so soll es auch bleiben. Gleichzeitig verschließt man sich neuen Technologien nicht. Seit 2020 wird der Onlinebereich vorangetrieben. Der erste Schritt in Richtung Digitalisierung war der erfolgreiche Newsletter. „Während der Coronapandemie sind wir mit unseren Leserinnen unter dem Motto ,Positiv durch die Krise‘ digital in Beziehung getreten.
„Ein Magazin wie dieses wird gerade in einer Zeit, in der manche Entwicklungen wieder in Gefahr sind, umso mehr gebraucht.“
Wir haben dazu Inhalte auf die Website gestellt und hatten gleich so viele Zugriffe, dass die Homepage kurzfristig zusammengebrochen ist“, erinnert sich Feigl. „Eine große Chance liegt jetzt in der Digitalisierung, durch die wir unsere Inhalte sehr breit zugänglich machen und aktuell reagieren können“, so Feigl. „Die Content-Maschine schlechthin ist aber natürlich das Printmagazin. Es ist eine Quelle für den digitalen Bereich, um gute Inhalte zu bekommen und auch zu verwerten.“
Die neuen Kanäle machen immer mehr Kompetenzen erforderlich. Diesem Umstand ist Feigl durch eine breiter aufgestellte Chefredaktion, die aus Verantwortlichen für die Bereiche Print, Online und Podcast besteht, und neue Mitarbeiter:innen nachgekommen. „Überall im Verlag sind die besten Leute am Werk. Ich denke, dass wir unser Potenzial noch nicht annähernd ausgeschöpft haben“, sagt Feigl mit Blick auf die Zukunft. „Es liegt nicht nur in Österreich, sondern im gesamten DACH-Raum.“
Parallel zur fortschreitenden Digitalisierung setzt die Redaktion im Jubiläumsjahr mit dem kleineren Format „Ein Abend unter Freundinnen“ auf ihre „natürliche Community“, die Nähe zu den Leser:innen und persönliche Gespräche zu ausgewählten frauenspezifischen Themen. „Damit greifen wir einen Trend auf“, ist Feigl überzeugt.
Es habe in den vergangenen acht Jahrzehnten immer Leute gegeben, die aus Überzeugung für „Welt der Frauen“ eingetreten sind, so Feigl. „In dieser Tradition sehe ich mich.“ Sie fühle sich als Eigentümerin „zu 100 Prozent verantwortlich, dass die Marke sich weiterentwickelt und eine gute Zukunft hat“. Es gehe darum, wie man die Welt für Frauen ein Stück besser machen kann. „Und dafür ist die ,Welt der Frauen‘ mein Rezept. Ein Magazin wie dieses wird gerade in einer Zeit, in der manche Entwicklungen wieder in Gefahr sind, umso mehr gebraucht.“