Seit neun Jahren gehört der Campingbus zur Familie unserer Redakteurin Julia Langeneder. Mit der Zeit hat sie dadurch auch viel über Gleichberechtigung gelernt. Erkenntnisse aus dem „Vanlife“.
Zum Campen gibt es im Grunde nur zwei Meinungen: Die einen können sich kaum einen anderen Urlaub vorstellen, für die anderen ist es kein Urlaub. Ich gehöre zur ersten Gruppe: „Vanlife“ bedeutet für mich Abenteuer (ich weiß in der Früh nicht, wo ich am Abend schlafen werde), ein Gefühl von Freiheit (ich kann – theoretisch – bleiben oder aufbrechen, ganz, wie es mir gefällt), Reduktion auf das Wesentliche (aus Platzgründen), Entschleunigung, Viel-draußen-Sein, spontane Begegnungen, zufriedene Kinder, die mit anderen Kindern unterwegs sind, viel Paarzeit (weil die Kinder mit anderen Kindern unterwegs sind). Und ich schlafe nirgends so gut wie in unserem Bus. Nicht zuletzt ist Camping auch ein Paradebeispiel in Sachen Gleichberechtigung.
Ich kaufe am Markt ein und schnipple das Gemüse, mein Mann steht am Grill (Achtung, Klischee!), die Kids erledigen den Abwasch – ohne zu murren, denn Geschirrspülen unter freiem Himmel ist einfach viel cooler, und obendrein treffen sie dabei auch noch andere Kinder, die ebenfalls den Abwasch erledigen. Ich bin meistens die Erste, die nach dem Essen im Liegestuhl liegt. Wenn ich mich auf dem Campingplatz so umschaue, sind wir nicht die Einzigen mit diesem Arrangement. Ich frage mich, warum wir das im Alltag nicht auch nur ansatzweise so hinkriegen. Und ich werde mir auch heuer wieder vornehmen, mental abzuladen und öfter einmal alle viere von mir zu strecken. Ich bin fest entschlossen: Ich schaffe das!
