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01/02/26

Buchtipps: Sommer wie damals, Freundschaften für immer

Buchtipps: Sommer wie damals, Freundschaften für immer
Foto: shutterstock
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  • Veröffentlicht: 25.01.2026
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Mit ihren Buchempfehlungen für Kinder und Jugendliche bringt Bibliothekarin und Literaturvermittlerin Christina Repolust sommerliche Leichtigkeit und Spannung in die Familienlektüre. 

„Tine und Tupf. Sommer am See.“: Wer dieses Bilderbuch vorliest, taucht in die Welt zweier Freunde ein, die Mut und Vorsicht gleichermaßen leben, die zwar ehrgeizig sind, aber nicht zu waghalsig agieren.

Sommerbilderbuch zum Abkühlen

Wenn es nur regnete! Endlich mal Regen! Das wünschen sich Tine und Tupf, die keine anspruchsvollen Zeitgenossen sind. Als aber auch der Fluss auszutrocknen beginnt, brechen sie auf und bewegen sich in Richtung See: wunderbar, Wasser! Aber stopp! Die beiden können nicht schwimmen, und wer nicht schwimmen kann, hat nichts im See verloren!

Es ist der Frosch, der den beiden das Schwimmen beibringt, und damit ist die erste Hürde des Sommers genommen: endlich Wasser und endlich auch schwimmen können. Wer dieses Bilderbuch vorliest, taucht in die Welt zweier Freunde ein, die Mut und Vorsicht gleichermaßen leben, die zwar ehrgeizig sind, aber nicht zu waghalsig agieren. Die Trockenheit gibt ihnen zu denken, lässt sie überlegen und Pläne entwickeln.

„Das Moos unter ihren Füßen ist staubtrocken. Die Blätter sind gelb und verwelkt. ‚Wann hat es eigentlich das letzte Mal geregnet?‘, fragt Tupf. ‚Keine Ahnung. Es ist schon Ewigkeiten her‘, sagt Tine.“

Gesprächsstoff ist hier ausreichend geboten, und die Hilfe der Tiere/Wesen untereinander erinnert an ganz große Freundschaftsgeschichten: Die Spitzmaus erklärt, warum der Bach ausgetrocknet ist, und erzählt vom See, an den bereits viele Tiere gezogen sind. Einfach dem Bachlauf nach!

Die Illustrationen sind witzig, dynamisch und detailreich: Kinder ab vier Jahren schauen, reden, fragen und freuen sich, dass die beiden Buchhelden im See schwimmen. Viel Natur, viel Freude, ein Buch für jedes Wetter.

Cover: NordSüd Verlag

Lisa Moroni: Tine und Tupf. Sommer am See. Aus dem Schwedischen von Cornelia Boese. Zürich: NordSüd Verlag 2025. 19 Euro.

„Dodo“: Höhen und Tiefen einer Freundschaft und die Suche nach der eigenen Identität füllen die Kapitel dieses Jugendbuchs. Eine Geschichte, die Eltern lesen sollten.

Wie Dorian zu Dodo wurde

Dorian schildert in 34 Kapiteln seine „Verwandlung“ und die Ursache seines Verstummens. Eigentlich lief er gar nicht so schlecht, der erste Tag in der neuen Schule. Dorian kennt nur Ramses, den, der immer Kaugummi kaut, aber keines der Mädchen. Alle scheinen ihn anzustarren. „Dodo“, hatte er gestammelt, und damit war es vorbei: mit neuen Freund:innen, mit gemeinsamen Unternehmungen, einfach mit allem.

„Von dem Moment an, als ich wieder an meinem Tisch saß, ging nicht nur mit mir etwas Merkwürdiges vor sich, sondern mit allem um mich herum. Etwas Unheimliches. Die Luft war dick und kaum zu atmen, das Licht stach in meinen Augen, die Stimmen der anderen klangen schrill und unfreundlich und sogar die Kaugummipackung war gegen mich und ließ sich um nichts in der Welt öffnen.“ (Seite 14)

Die Autorin schildert unaufgeregt die Kluft, die Dorian und seine Familie trennt: Sie wollen mit ihm Kuchen essen, es sei doch wohl gut gelaufen in der neuen Schule? Und wie gehe es Ramses, der sitze doch wohl neben ihm? Keine Ahnung haben die Eltern davon, wie es sich anfühlt, vor der Klasse zu reden, als einer, der stottert und dann nichts mehr sagen kann. Und: Wer braucht schon eine Torte, wenn seine Welt gerade aus den Fugen geraten ist? Niemand spricht hier das Stottern an, auch Dorian redet nicht darüber, denkt aber, dass er wegen des Stotterns einfach keine Freund:innen findet: Einer, der stottert, den will doch keiner!

Die Mutter erinnert ihn an sein altes Tagebuch. Unsinn, wozu soll er etwas aufschreiben! Aber dann beginnt Dorian, in dem dünnen Schulheft zu lesen, hier hat er kaum lesbar in Kinderschrift seine Gedanken notiert. Sein bester Freund wird ein kleiner Dodo, eine Art Alter Ego: Er teilt sein Zimmer mit dem kleinen, witzigen Vogel und hat den gesamten Raum in Mauritius verwandelt, inklusive Sand.

Das Schlusskapitel, Kapitel 34, gibt ordentlich Hoffnung: „K wie Kuss“. Dorian beginnt, von Dodo, dem ausgestopften, riesigen Vogel im Naturkundemuseum, zu erzählen und davon, wie viel er ihm bedeutet, wie verbunden er sich mit ihm fühlt. Aber das Besondere: Dorian spricht wieder, erzählt wieder und will sich mitteilen. Höhen und Tiefen einer Freundschaft und die Suche nach der eigenen Identität füllen die Kapitel: immer authentisch, nie zu dramatisch, aber ohne jedes „Heile-Welt-das-wird-schon-wieder“-Geschwätz. Ein Jugendbuch, das Eltern lesen sollten – einfach so.

Was Sie versäumen, wenn Sie diesen Jugendroman nicht lesen: Spannung, Gedankengänge junger Menschen, Freundschaft, Ausgeschlossensein, Fantasie, Eltern-Kinder-Missverständnisse, Stottern und Strategien, damit zurechtzukommen.

Cover: Gerstenberg Verlag

Mohana van den Kroonenberg: Dodo. Aus dem Niederländischen von Verena Kiefer. Hildesheim: Gerstenberg Verlag 2025. 18 Euro.

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