In „Stars“ wirbelt ein grauer Quader das Leben von Carla Mittmann durcheinander – und eröffnet eine schräge, witzige Reise zwischen Alltag, Magie und unerwarteter Freiheit.
Carla Mittmann führt zwar kein schlechtes Leben, aber es ist weit entfernt von ihrem Traumalltag. Sie beschreibt sich als durchschnittlich. Und dann: Peng! Es klirrt, ein grauer Quader in der Größe einer Butterpackung fliegt durch ihr Fenster. So nimmt die Veränderung ihren Lauf.
Leichtes Dahinplätschern war gestern, ab heute gilt: Freiheit für Mittmann
Carla Mittmann führt zwar kein schlechtes Leben, aber es ist weit entfernt von ihrem Traumalltag. Dazu passen Sätze wie „Man stelle sich eine deutsche Großstadt ohne nennenswerten Liebreiz vor, also jede beliebige …“, und schon ist man mittendrin in Carlas Denken: Sie beschreibt sich als durchschnittlich, weder jung noch alt, ihre Arbeit im Möbelhaus liegt auch unter ihren Fähigkeiten, aber sie bringt das Geld für die Miete. Und dann: Peng! Es klirrt, ein grauer Quader in der Größe einer Butterpackung fliegt durch ihr Fenster. So nimmt die Veränderung ihren Lauf, doch zuerst tauchen die belastenden Fragen auf, wie „Bin ich versichert?“, „Wie erreiche ich die Hausverwaltung, wer ist die Hausverwaltung?“
„Besser nicht dran rühren. Besser die Grobheit dieses Morgens mit einem der besonders raren Parfümeriepröbchen behandeln, „joie de vivre“ … einseifen, einschäumen, Skincare.“ (Seite 11)
In der Schachtel stecken 10.000 Dollarscheine, auf dem Gehsteig ist in großen Buchstaben „Freiheit für Mittmann“ zu lesen, und das heißt dann wohl, dass es jemand mit ihr gut meint. Ihr Studentenjob als Aushilfe in einem Kundenservice ist ihr Hauptjob geworden, als „Cosmic Charly“ erstellt sie gegen kleines Geld nebenbei Horoskope. Was hier unter cosmic-charly.com passiert, ist bescheiden, aber sehr seriös, liebevoll: Carla erstellt Geburtsdatenanalysen, Beziehungsprognosen et cetera. Da hatte sie doch kürzlich noch getextet: Wir müssen uns Pluto als einen glücklichen Müllmann vorstellen, und nun überlegt sie selbst, was Pluto am Ende des Transits mit ihr vorhat, in ihr bewirkt.
Dass sich am Ende auch noch ihr eigenes Geburtsdatum als Irrtum – falsch eingetragen, so einfach ist es! – herausstellt, bildet das Grande Finale eines überaus hintergründig-witzigen Plots.
Was Sie versäumen, wenn Sie diesen Roman nicht lesen: Magie, Witz, Alltag, Träume – ein sehr schöner und humorvoll geschriebener Mix aus Leichtigkeit und leichter Verzweiflung im Leben der Protagonistin zwischen Stornierungsweiterleitungen und belanglosen Mails.
Katja Kullmann: 1970 geboren, lebt und arbeitet als Journalistin und Schriftstellerin in Berlin. Für ihr Sachbuch „Generation Ally. Warum es heute so kompliziert ist, eine Frau zu sein“, erhielt sie 2003 den Deutschen Bücherpreis.
Katja Kullmann: Stars. Roman. München: Hanser Berlin 2025. 25,50 Euro. Hier erhältlich.