Im Studium hatten wir „diese eine Feministin“. Wir fanden sie anstrengend. Dann kam der Arbeitsmarkt. Warum so viele Frauen meiner Generation Late-Bloomer-Feministinnen sind.
Mein Opa spricht oft von den guten, alten Zeiten. So eine Zeit habe ich auch, an die ich gerne zurückdenke. Auch wenn ich erst 32 Jahre alt bin. Meine gute alte Zeit liegt nicht Jahrzehnte zurück, sondern rund 12 Jahre. Wenn mir alles zu viel wird, denke ich an eine Zeit, in der ich eine junge, motivierte Studentin war. Voller Illusion und Hoffnung. Und als ich davon überzeugt war, dass jeder Mensch ihres eigenen Glückes Schmied ist. Damals hätte ich mich nicht als Feministin bezeichnet. Ich war davon überzeugt, dass jeder Mensch gleich ist und wenn man hart genug arbeitet, jede:r alles erreichen kann.
Wir hatten in meiner FH-Klasse diese eine Feministin. Die schon damals zu Frauentags-Demos ging und Shirts mit coolen Sprüchen trug. Die Männern nicht gefallen wollte (oder das zumindest sagte) und bewusst weibliche Künstlerinnen unterstützte. Sie war ein bisschen älter als wir, hatte schon mehrere Jahre gearbeitet. Sie hatte mehr Erfahrungen im Leben gemacht als ich, die direkt von einem Tausend-Einwohner-Dorf nach Graz gezogen war. Und ich fand sie unglaublich anstrengend. Denn wäre die Welt wirklich so unfair wie sie behauptete, so voller Ungleichheit, dann würde doch jemand etwas dagegen tun. Das Problem musste in ihrem Kopf liegen. Ich war mir sicher. Dann begann ich zu arbeiten.
Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz – für viele Alltag
Während meines Studiums kellnerte ich viel. Oft im Dirndl. Es gehörte zum guten Ton, darüber hinweg zu lächeln, dass mir Stammgäste auf den Hintern klapsten und mich während der Bestellung auf ihren Schoß zogen. Schließlich ging es um mein Trinkgeld. Und es war ja nur ein Nebenjob. Was ich erlebt habe, war auch nicht besonders.
