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Befindlichkeiten

So ein Familiengefüge ist ein merkwürdiges Konstrukt. Tagesverfassung, körperliche Beschwerden, diverse Läuse, die einem über die Leber gelaufen sind, und dazu eine gehörige Portion Erwartungen sind ein gefährlicher Cocktail.

Die letzten beiden Tage waren Paradebeispiele für die Auswirkungen diverser Vorbedingungen auf den Familienalltag. Tag eins, Kind bleibt daheim von der Krippe, Mann hat Zeitausgleich, am Plan stehen diverse Umgestaltungsarbeiten im Schlaf- und Kinderzimmer. So weit so gut. Meine Erwartung imaginierte einen gemütlichen Familientag mit gemeinsamen Schaffen, gutem Essen, genügend Spielpäuschen, dem ein oder anderen Witzchen und dazwischen Gartenbesuche und Kuscheleinheiten. Ein Idyll! Die Realität sah ganz anders aus. Reibereien, genervte Kommentare, Erschöpfung und blank liegende Nerven bei allen und eine riesen Grummelgrantwolke, die über uns schwebte und machte, dass wir Alten uns am Tag wie nach einem Marathon fühlten. Ich verstehe es wirklich nicht ganz, denn der nächste Tag war derartig geprägt von Harmonie und Wohlwollen, dass es mir fast unheimlich vorkam im Vergleich. Auch wenn der Tag etwas straff mit diversen Aufräumarbeiten startete, so entwickelte er sich nach dem vormittäglichen Hallenbadbesuch vorzüglich. Michael half mir mehrere Stunden beim Nähen – ausdauernd und geduldig, er aß außergewöhnlich gut an dem Tag und auch am Abend herrschten Leichtigkeit und Frohsinn. Der Grund, warum ich meinen Blog diesem scheinbar trivialen Thema widme ist, dass ich mich selbst immer wieder dabei ertappe mir mit idealen Vorstellungen und überzogenen Erwartungen das Hier und Jetzt zu ruinieren. Die Enttäuschung über die scheinbar misslungene Familienzeit quetscht das letzte Quäntchen Frohsinn aus dem Tag. Ich ärgere mich so über mich selbst, dass ich auf meine alten Tage nicht endlich mal mehr Gelassenheit an den Tag legen kann und sämtliche rosagewaschenen Perfektionsideen und Familienideale über Bord werfen kann, Zeit wird’s!

Ich nehme mir hier und jetzt ganz fest vor den nächsten Grummelgrantwolkentag besser anzunehmen und ihn nicht durch Selbstvorwürfe noch schlimmer zu machen. Versprochen!

Susi Nagele-Krautgartner

wurde 1982 geboren und lebt mit Mann und Sohn in München. Die promovierte Kunstpädagogin und Künstlerin realisiert Kunst- und Kunstvermittlungsprojekte verschiedener Sparten im In- und Ausland. Dafür wurde die gebürtige Innviertlerin bereits mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Themen wie Gleichstellung, Gender und deren lebenspraktische Umsetzung beschäftigen sie in all ihren Texten und Bildern. Der Blog ist die Fortsetzung von “Susis Babyzeit” (2014-2016). www.susikrautgartner.com