Die Zahl der Schönheits-Eingriffe ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen – auch unter jungen Männern und Frauen. Die Ursachen sind vielfältig.
Laut Safer-Internet Studie von 2024 hat bereits mehr als ein Viertel der Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren über eine Schönheits-OP nachgedacht. Was sind die Gründe dafür? Und welche Rolle spielen die sozialen Medien und die „nachgebesserten“ Bilder?
Dolores Wolfram-Raunicher: Zuerst einmal muss man differenzieren: Reden wir von Schönheits-Operationen oder von ästhetischen Behandlungen mit Botox oder Fillern? Gerade bei den nicht-operativen ästhetischen Behandlungen sehen wir einen klaren Trend: Es geht um Verjüngung und zum Teil werden sie auch als Prophylaxe beworben: Solche Dinge werden über die sozialen Medien vermittelt. Zusätzlich wird das Gesicht und auch der Körper über Bearbeitungsmodule der KI zum Spielzeug, er wird moduliert und verändert. Die sozialen Medien spielen eine große Rolle in dem, was vermeintlich schön ist oder aktuell Trend ist. Vor allem die junge Generation bis 30 ist sehr beeinflussbar.
Daniela Renn: Dem kann ich nur zustimmen. Gerade unter jungen Menschen werden die ästhetischen Eingriffe immer mehr – das sehe ich auch in meiner Praxis, denn unter 18-Jährige bedürfen laut Gesetz (siehe Infokasten) auch eines klinisch-psychologischen oder psychiatrischen Gutachtens. Sowohl Frauen als auch Männer haben den Wunsch nach einer Korrektur meistens im Gesichts- oder Brustbereich. Es geht seltener um die Körpermitte, sondern vor allem darum, was man in den sozialen Medien als erstes sieht: das Gesicht. Es geht um dieses Ständige: Was ist schön? Und das möchte man erreichen. Vom Psychologischen her geht es dabei vor allem um das Gefühl der Zugehörigkeit, weniger um narzisstische Eitelkeit. Medizinische Eingriffe werden oft auch nicht mehr als diese gesehen, sondern eher als etwas mehr als ein Friseurbesuch.
