„Opa, schau, da fahrt a Frau mit dem Traktor, kann die das?“ Drei junge Bäuerinnen erzählen über ihren Weg zur Hofübernahme ihrer Eltern – zwischen Tradition, Vorurteilen und Verantwortung.
„Dei Zukünftiger braucht koa Hos’n, dem kannst an Rock a u’ziagn“: Das musste sich die Tiroler Jungbäuerin Johanna Feichtner (25) aus Breitenbach am Inn unlängst von einem älteren Bauern anhören. Der Anlass: ein Interview mit der Kammer-Zeitung, in dem sie über die Übernahme der elterlichen Nebenerwerbslandwirtschaft sprach. Derzeit arbeitet sie dort auf 26 Hektar Wald und neun Hektar Grünland mit, bald mit Kalbinnenzucht statt Milchkühen. In fünf Jahren will sie den Betrieb leiten. „Eine Frau, jung und noch dazu ohne Partner, die sagt, dass sie einen Hof führen will, die gilt bei uns schnell als herrisch“, ordnet Feichtner ihr Erlebnis ein.
Wie stark traditionelle Rollenbilder in der Landwirtschaft verankert sind, erlebt die hauptberufliche Geschäftsführerin der Tiroler Bäuerinnen in der Landwirtschaftskammer immer wieder. „Bei diversen Sitzungen gilt man als Frau, wenn man wo nachfragt, als unwissend, oder Fragen werden einfach nicht gehört. Dass es auch Interesse sein könnte, gibt’s quasi nicht.“ Auch Stefanie Sandholzer aus Mäder in Vorarlberg kennt das. Die 28-Jährige übernimmt ebenfalls mit 30 den Hof der Eltern und hört oft: „Was, du bist das jetzt, die nächste Bäuerin am Hof?“ Oder: „Wie willst du denn wissen, dass du weitermachst, du hast ja keinen Partner.“ Will eine Frau Bäuerin werden, „dann kann sie ja einen Bauern heiraten“, beschreibt Feichtner gängige Muster. Ein Bauernsohn gilt dagegen bereits bei seiner Geburt automatisch als Nachfolger, ungeachtet späterer Interessen oder etwaiger Schwestern.
