Am Anfang schuf Gott die Intelligenz. Aber sie setzte sich nicht durch. Zeit für einen neuen Anlauf.
Intelligenz fällt nicht vom Himmel. Gott hat sie hoch gehängt: in einen Apfelbaum. Böse Zungen behaupten, Gott wolle gar nicht, dass man an sie herankommt. Aber Eva ist gelenkig. Sie streckt sich aus nach der Frucht der Erkenntnis. Weil sie die Welt entdecken will. Die erste Frau der Menschheit will keine Autorität, die ihr sagt, was sie zu denken hat. Sie will selber denken. Das ist schon mal ein guter Anfang.
Aber Adam macht nicht mit. Er ist ein Angsthase. Was jenseits des Gartenzauns liegt, schreckt ihn: queere Menschen, vegane Schnitzel, Lastenfahrräder. Und weil das nicht so rühmlich ist, behauptet er einfach, die alte Ordnung schützen zu wollen. Das Paradies der Unwissenheit. Er findet, es reicht, wenn einer das Sagen hat und über Gut und Böse wacht, über Richtig und Falsch.
Am besten einer wie er, nur in groß. Also macht er aus Gott Herrgott und überträgt ihm alle Macht. Nur dass Gott mit der Zeit immer überflüssiger wird. Aus einem Herrn werden viele Herren, die herrschen wollen. Gott behagt das nicht. Gott hat nämlich eine Schwäche für die Welt, auch wenn Gott sich doch jederzeit eine neue schaffen könnte.
Aber Gott will nicht. Viel lieber würde Gott die ganzen Maulhelden und Breitbeine in ein Pandagehege stecken. Damit sie wieder lernen, sich berühren zu lassen.
Gott würde über ihre absurde Angst lachen, sich lächerlich zu machen, wenn sie ihre Gesichter im Fell vergraben. Vielleicht müsste man sie auch einfach auf eine Säuglingsstation schicken, wo sie wirklich gebraucht werden. Aber natürlich tut Gott so was nicht. Gott zwingt nicht. Verordnete Pandas wären nicht weniger autoritär, nur auf sanftere Art.
Stattdessen ruft Gott am ersten Tag des Jahres die Intelligenz zu sich und schickt sie los. Auf ein Neues. Legt den Mantel des Wohlwollens um ihre Schultern. Macht ihr Mut, sich nicht beirren zu lassen. Stattet sie aus mit Worten (als einzige Waffe). Ermuntert sie, die Widerständigkeit mitzunehmen. Legt ihr Vertrauen ins Herz. Erinnert sie, sich auszuruhen, aber nicht einzuschlafen:
„Sie brauchen dich. Sie dürfen die Welt nicht den Ignoranten überlassen, nicht den Klimaleugner:innen, nicht den Fake News, nicht denen, die sich selber Scheuklappen anlegen. Mach ihnen Beine. Mach ihnen Lust, sich ihres Verstandes zu bedienen und ihrer Fähigkeit, dazuzulernen.“ Und die Intelligenz pflückt einen Apfel als Proviant und macht sich auf den Weg.
MEIN WORT-SCHATZ:
„Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und aufrichtig wie die Tauben.“ Jesus, Matthäus 10
