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Abenteuer Ausland

Von der Schulbank direkt in den Hörsaal zu wechseln, ist für viele junge Frauen keine Option mehr. Für einige Monate oder gleich ein ganzes Jahr melden sie sich für freiwillige Hilfseinsätze im Ausland. Hier erzählen drei junge Frauen vom Abenteuer ihres Lebens.

Die Schulzeit ist vorbei, der Sommer der großen Freiheit liegt hinter einem – und jetzt? Anstatt sich an der Universität einzuschreiben, ziehen immer mehr junge Frauen los, um die Welt zu entdecken. Gründe für einen Auslandsaufenthalt zwischen Matura und Studienbeginn gibt es schließlich viele: Gutes tun, fremde Länder und Kulturen kennenlernen und sich als Mensch und Frau weiterentwickeln. Und so wagen viele Maturantinnen einen Blick über den Tellerrand, während ihre männlichen Altersgenossen Zivildienst leisten oder zum Heer einberufen werden. Nationale und internationale Organisationen bieten zahllose Möglichkeiten, sich in allen Ecken der Welt freiwillig für die gute Sache zu engagieren. Doch der große Schritt ist häufig mit Ängsten und Sorgen verbunden: Nicht jede Trägerorganisation ist seriös, und viele Frauen sorgen sich um ihre Sicherheit im Ausland. Warum das nicht so sein muss, erzählen drei junge Frauen, die nach der Matura auf anderen Kontinenten gelebt und gearbeitet haben. Ob als Betreuerin in einem Waisenhaus in Uganda, als Helferin in einer Begegnungsstätte in Israel oder als Englischlehrerin in den südamerikanischen Anden – diese jungen Frauen haben viel erlebt und noch mehr zu erzählen.

Unterrichten in den Anden

Die Grazerin Tamara Lichtenegger (22) hat vier Monate lang in Peru Englisch unterrichtet.

Nach meiner Matura im Jahr 2015 wollte ich die Welt außerhalb von Europa entdecken. Auf der Suche nach passenden Organisationen fand ich „Aufwind Peru“, einen Grazer Verein, der Freiwillige an eine Schule in Peru vermittelt. So kam ich an die Gesamtschule in ­Huaraz, an der ich gemeinsam mit den Lehrerinnen und anderen Freiwilligen Englisch unterrichtete. Morgens fuhr ich mit dem Bus von Huaraz in die Schule, die noch höher in den Anden liegt als der Ort selbst. Dort haben wir die Kinder unterrichtet, mit ihnen gesungen, gespielt und gelernt. Nach der Schule gab es am Pausenhof Mittagessen. Danach bin ich meist in die Stadt oder wandern gegangen und habe „Ultimate Frisbee“ gespielt. So habe ich Land und Leute kennengelernt. Am schönsten war für mich, dass ich mit den Kindern einen Workshop über Umweltschutz machen konnte, denn das Thema ist mir wichtig. Die Schülerinnen haben mich jeden Tag umarmt, weil sie so froh waren, dass ich da war. Nur mit der Sprache war es anfangs schwierig, denn ich habe erst vor Ort einen Kurs belegt. Am Ende war mein Spanisch grammatikalisch nicht immer einwandfrei, aber ich konnte mich problemlos verständigen. Gelernt habe ich nicht nur eine neue Sprache, sondern auch, dass man aus wenig sehr viel machen kann und sogar umso glücklicher ist, je weniger man hat.

Tamaras Tipp: Passe dich dem Ort und der Umgebung an und verhalte dich nicht wie eine Touristin. Triff dich mit den Einheimischen und interessiere dich für ihre Kultur. Wenn du dich klug verhältst und nicht leichtsinnig bist, ist es überhaupt nicht gefährlich.

Weitere Porträts von Sophie Seiler und ihrem Aufenthalt in Israel, so wie von Johanna Ebenbauer und ihren 6 Monaten in Uganda finden Sie in der Printausgabe.

Erschienen in „Welt der Frauen“ 06/18