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04-05/2026

80 Jahre „Welt der Frauen“: Acht Jahrzehnte Frauenthemen

80 Jahre „Welt der Frauen“: Acht Jahrzehnte Frauenthemen
Foto: Welt der Frauen
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  • Veröffentlicht: 20.04.2026
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„Welt der Frauen“ feiert heuer das 80-jährige Bestehen. Zeit für einen Rückblick auf die Geschichte von Österreichs ältestem Frauenmagazin und den Weg zu einer gewichtigen Stimme für Frauen.

Noch bevor die Katholische Frauenbewegung (kfb) offiziell gegründet war, wurde mit der Zeitschrift „Licht des Lebens“ im April 1946 bereits ein wichtiger Teil ihres wachsenden weiblichen Netzwerks aus der Taufe gehoben. Die „Monatszeitschrift für Entfaltung und Vertretung katholischen Frauentums in Österreich“, wie sie im Untertitel hieß, stand ganz im Zeichen der Frau als Mutter und Ehefrau und des katholischen Glaubens. Die allererste Ausgabe umfasste 16 eng beschriebene Seiten und das Heftlein wurde kurz nach dem Krieg, in einer Zeit, in der es an so vielem mangelte, auf schlechtem Papier gedruckt. Zunächst produziert vom Verlag Herder in Wien, wechselte man alsbald nach Linz. Von da an erschien das Heft im Eigenverlag der kfb. 

Gebete als Einleitung 

1950 übernahm mit Johann Gebetsberger ein Priester die Geschicke, der damals wohlgemerkt der Frauenseelsorger der Diözese Linz war. In der ersten Zeit schrieben hier noch vorwiegend männliche Autoren – viele aus dem kirchlichen Umfeld und über kirchliche Themen, auch päpstliche Worte fanden Eingang. Gebete statt Editorials leiteten das Heft ein, Geschichten von Heimatdichtern wie Peter Rosegger wurden abgedruckt.  

Es ging um katholische Frauenarbeit, und schon bald fanden sich neben Handarbeitsanleitungen – etwa unter dem Titel „Der zerrissene Hosenboden“ – auch Ratgeberkolumnen. Bilder waren damals noch rar gesät und wenn, dann in Schwarz-Weiß. Bemerkenswert ist, dass schon bald Zeithistorisches erläutert wurde. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus war für „Licht des Lebens“ in Zeiten des Totschweigens und personeller, institutioneller und ideologischer Kontinuitäten nicht tabu. Schon 1955 ist ein Bericht mit Zeitzeug:innenzitaten über die Widerstandskämpferin Sophie Scholl zu lesen. Aber auch andere kritische Betrachtungen finden sich, etwa in einem Beitrag mit dem Titel „Alte Jungfer oder alleinstehende Frau“, in dem für Frauen Partei ergriffen wird, die für sich allein sorgen.

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Ausgabe 04/1949
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Ausgabe 07/1961
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Ausgabe 11/1966
Foto: Ausgabe 05/1968

Abonnent:innen als Austräger:innen 

Ausgegeben von Pfarrhöfen im ganzen Land, wurde „Licht des Lebens“ von engagierten Abonnent:innen verteilt und beworben, und so sollte es auch lange Zeit bleiben. Neben den Inhalten ist es die große Verbundenheit mit diesem im deutschen Sprachraum bis heute einzigartigen Frauenmedium – das wohlgemerkt seit jeher ohne Schönheitstipps, Abnehmprogramme und Stargeflüster auskommt –, die die Beziehung zu den Leser:innen so eng werden und bis heute bleiben ließ.   

Ein neuer Name 

1963 wurde der Ruf nach einem neuen Namen für die Zeitschrift laut. Die zündende Idee kam von Redakteurin Inge Loidl. Die Ausgabe mit der neuen Bezeichnung ging schließlich so rasch in Druck, dass der Einspruch der Bischofskonferenz zu spät kam: Im Jänner 1964 erschien die erste „Welt der Frau“. Auch Leser:innen hatten sich wiederholt für eine Namensänderung starkgemacht, und eine von ihnen, eine Dame aus Wien, begrüßte diese dann auch begeistert in einem Leserinnenbrief: „Möge die Welt der Frau einen Beitrag dazu leisten, die Frau aus ihrer oft noch vorhandenen Befangenheit herauszuheben, damit sie sich der vollen Weite ihres Wesens bewusst wird und ihre Aufgaben mutig in Angriff nimmt.“ Und in einem in derselben Ausgabe abgedruckten Referat für die Katholische Frauenbewegung meint die Theologin Elisabeth Gössmann, dass sich das Bild der Frau wandeln könne und man die „Unzulänglichkeit“ des traditionellen schon spüren könne.  

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Ausgabe 07/1973
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Ausgabe 11/1973
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Ausgabe 07/1975

Ausgleichsgymnastik und Fragen der Zeit 

Nach der Umbenennung wird der weitere Horizont über den kirchlichen Kreis hinaus in den Blick genommen. Das kirchliche Milieu bestimmt aber nach wie vor die Themen. In den 1960er-Jahren kommen immer wieder Hausfrauen mit ihren Sorgen zu Wort. Am Althergebrachten wird also noch kaum gerüttelt. In der Rubrik „Mit Grazie dem Alltag begegnen“ präsentiert die Zeitschrift „Ausgleichsgymnastik für Frauen“, bei der die Aufgaben der Hausfrau in – wohl für den Herrn Gemahl – ansehnlicher Haltung erledigt werden können. Anleitungen zum Nähen von Haushaltsschürzen, zur Bewirtung von Gästen in der Faschingszeit, „Ratschläge für die Kinderstube“, Gedichte, Lieder und Geschichten, die die christliche Moral transportieren, füllen die Seiten. Doch schon damals blickte man über den geografischen Tellerrand in weit entfernte Länder. Die Redaktion ist schmal besetzt. Ab 1958 leitet Friederike Lenzeder das Blatt inhaltlich. Die Lehrerin und spätere Psychologin versteht es, die Leser:innen bei den Fragen der Zeit behutsam mitzunehmen. Heute mag das manchmal zu betulich wirken. 

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Ausgabe 01/1989
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Ausgabe 03/1993
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Ausgabe 07/08/2001

Geschlechterrollen und Weltanschauliches 

Die Diskussion über die Rolle der Frau gewinnt mit den Jahren zunehmend an Bedeutung und wird von „Welt der Frau“ mit angefacht: Da geht es von der Frage der Mithilfe der Kinder im Haushalt über „Die Frau in Familie und Beruf“ bis hin zu „Ich wähle anders als mein Mann“ um Geschlechterrollen und Weltanschauliches. Eine Leserin kommt in einem Leserinnenbrief über das Briefgeheimnis unter Eheleuten zu dem Schluss, dass „auch in der Ehe ein Zipfelchen Eigenleben nötig ist“. Über die Situationen, die Frauen erleben, zu reden oder zu schreiben, ist damals aber noch nicht einfach: Viele der sehr persönlichen Schilderungen müssen ohne den Namen der Autorin nur mit Initialen auskommen. Auf Leser:innenbriefe antworten unter anderem der renommierte Journalist Hubert Feichtlbauer, der Theologe und Priester Paul Zulehner sowie Expert:innen wie Ärzt:innen und Psycholog:innen.  

„... auch in der Ehe ist ein Zipfelchen Eigenleben nötig.“
Zitat aus einem Leserinnenbrief aus den 1960ern

Im „Revolutionsjahr“ 1968 ist die Zeitschrift auf einen Umfang von 32 Seiten angewachsen, das Cover in Farbe gestaltet, die Zahl an Illustrationen gestiegen, und es wird über die „rechte Einstellung zur Sexualität“ diskutiert. Expert:innen für Beziehungs- und Erziehungsfragen erhalten viel gelesene Kolumnen. Barbie taucht in den Spielwarenläden auf und wird als „Modepuppe“ entlarvt. Engagiert werden Frauenfragen behandelt, Erzählungen von Marie Luise Kaschnitz oder Ilse Aichinger abgedruckt, verschiedene Generationen angesprochen. In Leser:innenbriefen geht es aber auch um Gebete, Hausgestaltung oder die „egoistische Schwiegermutter“. Rezepte, die mitunter zur heutigen Küchenphilosophie passen würden, zeigen, wie man etwa „Alles aus einem Huhn“ zaubern kann. Gleichzeitig wehrt „Welt der Frau“ sich gegen die gesellschaftliche Diskriminierung alleinstehender Frauen und stellt Fragen zu Geschlechterrollen wie „Dürfen Buben zärtlich sein?“. Das Magazin wächst an Quantität, aber auch die Vielfalt an Themen nimmt zu. 

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Ausgabe 01/2008
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Ausgabe 09/2009
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Ausgabe 10/2012
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Ausgabe 11/2016

In den 70ern kommen nach und nach Farbe und vermehrt Fotos ins Spiel. In die Rubrik Gesundheit werden zusehends psychologische Themen aufgenommen. Schon 1973 werden Konsument:innen zu längeren Ladenschlusszeiten befragt. Das Thema Entwicklungshilfe wird stärker thematisiert, erste o.b.-Werbungen tauchen auf. Redakteurin Renate Doppler erläutert die Familienrechtsreform, befürwortet viele der neuen Regeln „von Herzen“, äußert aber auch Kritik und fordert: „Man sollte die Leistungen der Frau bei der Erziehung der Kinder und bei der Führung des Haushaltes stärker unterstreichen“ und „möglichst konkrete Anhaltspunkte für den tatsächlichen Wert dieser Leistungen“ geben, Doppelbelastungen sollten mehr gewürdigt werden. Das Bild der Mutter in Peter Handkes „Wunschloses Unglück“ wird analysiert, türkische Gastarbeiter in Wien ebenso thematisiert wie Frauen hinter Gittern oder Literarisches von Käthe Recheis abgedruckt.  

Den fundierten Beiträgen liegen Untersuchungen wie „Frauen in Österreich“ vom Fessel-Institut zugrunde. Die vermögensrechtliche Situation von Frauen nach einer Scheidung, Menschenrechte und politisches Engagement von Frauen werden ebenso diskutiert wie die Fristenlösung. Auch eine Frau, die ihr Leben lang Priesterin werden wollte, wird vorgestellt.   

„Man sollte die Leistungen der Frau stärker unterstreichen. “
Redakteurin Renate Doppler, 1973

Bunter, kritischer, frecher 

In den 80ern bewegen die Menschen und damit auch „Welt der Frau“ Themen wie Stress, Retortenbabys, die Gefahren eines Atomkriegs, Jobsharing oder die Wegwerfgesellschaft. Tabus werden an- und aufgegriffen und gegenseitiges Verständnis der Generationen untereinander gefördert. So lautet der Titel eines Beitrags über Punks: „Warum sich Jugendliche auffallend und ungewöhnlich kleiden“. „Armut ist weiblich“ ist auch damals bereits Thema. 1985 übernimmt Bärbl Gläser als Chefredakteurin, die Präsenz zweier junger Redakteurinnen – Christine Haiden und Michaela Herzog – wird spürbar. Das Magazin wird bunter, kritischer, „frecher“, mutiger und da und dort mit einem Augenzwinkern versehen. Es geht unter anderem um die finanzielle Situation der Mütter, Aids, Doppelnamen in der Ehe, Obdachlosigkeit, Sekten, Lebensbedingungen von Frauen, Senior:innen-WGs, Kinderschutzzentren und die Frage „Muss man sich schämen, Pelz zu tragen?“. Die ersten Leser:innenreisen finden statt. 

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Ausgabe 01/2018
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Ausgabe 05/2020
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Ausgabe 03/2025

Anfang der 1990er wird über die scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten in der Medizin und ethische Grenzen, Entwicklungen in Sachen Gleichbehandlung, Schloss Hartheim und seine Rolle in der Nazi-Zeit, Hormone und das Impfen berichtet und mit einem Inserat eine neue „Chefredakteurin mit Sensibilität für Frauenfragen“ gesucht.  

Mit der Juli/August-Ausgabe 1993 verabschiedet sich Bärbl Gläser und stellt Christine Haiden als neue Chefredakteurin vor, die 28 Jahre lang die Geschicke des Magazins leiten wird. Im Jahr 2021 folgt ihr Sabine Kronberger, 2024 übernimmt Melanie Wagenhofer diese Funktion. 

80 Jahre: „Welt der Frauen“ im Wandel

Frauen stärken …
… war schon immer ein zentrales Anliegen der Zeitschrift, die anfangs noch ganz im Zeichen der Frau als Mutter und Ehefrau sowie des Glaubens stand.

Gründung
Im April 1946 wurde die Zeitschrift „Licht des Lebens“ als wichtiger Teil des wachsenden Netzwerks der Frauen in der katholischen Kirche aus der Taufe gehoben.

Neuer Name
1964 ging die Ausgabe mit der neuen Bezeichnung „Welt der Frau“ so rasch in Druck, dass der Einspruch der Bischofskonferenz zu spät kam.

In Bewegung
Ende der 60er-Jahre geriet viel in Bewegung, „Welt der Frau“ diskutierte und beriet über Themen wie Sexualität, Be- und Erziehungsfragen.

Politik für Frauen
In den 1970er-Jahren begann sich in puncto Frauenpolitik viel zu tun. Im Magazin wurden wichtige Frauenfragen und Forderungen gestellt.

Auf der Agenda …
… standen die Familienrechtsreform, die Fristenlösung, die vermögensrechtliche Situation von Frauen nach einer Scheidung und vieles mehr.

Am Puls der Zeit
Von Aids bis Wegwerfgesellschaft: In den 1980er-Jahren widmete sich „Welt der Frau“ Themen, die bewegten, und blickte über den Tellerrand.

Melanie Wagenhofer

Chefredakteurin Print und Podcast

Ein Nachrichtenjunkie vertieft sich: Nach vielen Jahren im Tagesgeschäft liebt Melanie Wagenhofer es, sich ausführlich mit dem, was Frauen bewegt, zu beschäftigen und darüber zu schreiben – vorzugsweise, wenn es dabei um Zeitgeschichte, Kultur, Reisen, Kulinarik und besondere Menschen geht. Die gebürtige Mühlviertlerin hat Deutsch und Geschichte studiert und mehrere Bücher geschrieben.

[email protected]

Foto: Barbara Aichinger


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