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Mit Putz und Stiel

Erdbeeren und Tomaten im Februar: Das gab es schon in meinem Einkaufswagen, Tomaten kaufe ich wohl ganzjährig. Dass das nicht o.k. ist, ist mir ungefähr bewusst, da ich Butterbrot mit Tomate liebe, bleibt das Bewusstsein eher ein theoretisches. Autor und Autorin erzählen in diesem Fast-Geschichtenbuch vom Alltag, vom müden wie schnellen Einkauf nach Feierabend, bevor auch der Diskonter schließt. Die beiden lassen ihren Zeigefinger erst einmal stecken und ermuntern, dass man sich um die „Geschichte“ reißt, sich einfach mal zusammensetzt und über die Ernährung redet, ohne Vorurteile, ohne schlechtes Gewissen.

Mehr Achtsamkeit im Umgang mit Lebensmitteln bedeutet keinen Endzustand, sondern einen kontinuierlichen Prozess. (S. 15)

Wir wissen, wir alle nämlich, dass das Essen, das weltweit werggeworfen wird, dreimal ausreichen würde, um alle Hungernden der Welt zu ernähren. Das habe ich gelesen, mehrmals, als Tweet geteilt und dann aus altem Brot einen Brotsalat gemacht. Gleich danach. Morgen schon nicht mehr. Übermorgen war ein anderes Thema dran. Dieses Buch ist anders: Es zeigt großartige Initiativen mit aufrichten Menschen, die ein Anliegen länger als einen Tag oder eine Woche verfolgen. Das ist dann nicht mehr Life-Style, sondern Lebenshaltung und die hatte doch die eigene Oma schon noch und man selbst. Eigentlich auch einmal, früher. Es geht also, gestärkt mit all dem neuen Wissen über Initiativen, sich der eigenen Resteküche zu widmen.

Wer Resteküche betreiben oder gar leben will, kommt um das Kochen nicht herum. (S. 64)

Dass außergewöhnliche Kombinationen außergewöhnlichen Geschmack erzeugen, ist die Freude der Resteköche: Blumige, fruchtige, bittere, süße und saure Komponenten enthält jede Zutat, nun schnell ans Mixen, Probieren, Kosten, Genießen.  

 

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: Die Erinnerung daran, dass man doch bewusst einkaufen, kochen und leben möchte, Hintergrundinfos, Blitzlichter interessanter Persönlichkeiten, Hinweise auf Resteküchen, auf Waste-Watcher-Partys und Food Festivals; Tipps, was sich aus dem Verschnitt beim Gemüseschneiden – im Buch steht original Gemüseschnibbeln –  alles machen lässt. Einfach tun, das ist ein Impuls, den ich zum Glück nicht versäumte.

Daniel Anthes: ist Berater und Speaker beim Zukunftsinstitut. Er schreibt in seinem Blog über Ernährung und Klimwandel, ebenso in anderen Medien.

Katharina Schulenburg: Doktorandin der Biochemie, wie Daniel Anthes ist sie Vorstandsmitglied bei ShoutOutLoud, sie ist Leiterin des Programms „Kein Essen für die Tonn“; ihre Caterings und Kochworkshops lassen Ideen über kreative Resteverwertung sprühen.

Daniel Anthes; Katharina Schulenburg:
Weil wir Essen lieben.
Vom achtsamen Umgang mit Lebensmitteln.
München: oekom Verlag 2018.
159 Seiten.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“